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Chronik Österreich
12/07/2019

Badner Bahn: Im 7,5-Minuten-Takt in die Oper

Wien und Niederösterreich investieren 700 Millionen Euro in den Ausbau der Verbindung.

von Martin Gebhart

Sie gilt als die beliebteste Regionalbahn Österreichs und war dennoch nicht immer unumstritten: die Badner Bahn, die von den Wiener Lokalbahnen (WLB) betrieben wird und die Kurstadt Baden mit dem Zentrum Wiens verbindet. Kurz stand sogar die Frage im Raum, ob es sinnvoll ist, diese Bahn weiter innerhalb von Wien zu führen. Verbunden mit dem Ärger in der Wiener Wirtschaft, dass die Stadtbewohner direkt zur Konkurrenz in der Shopping City Süd SCS gebracht werden.

Die Bedenken scheinen ausgeräumt. Mehr noch: Die Länder Wien und Niederösterreich investieren jetzt kräftig in diese Bahn. Über deren Auftrag hat jetzt der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) einen Verkehrsdienstvertrag mit den Lokalbahnen abgeschlossen, der eine enorme Angebotssteigerung beinhaltet. Mit dem großen Ziel, dass ab dem Jahr 2028 zwischen der Wiener Staatsoper und dem Josefsplatz in Baden ein 7,5-Minuten-Takt eingeführt wird. Dazu werden von Wien und Niederösterreich gemeinsam mit dem Bund insgesamt rund 700 Millionen Euro investiert.

Gute Zusammenarbeit

Wiens Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) und der NÖ-Verkehrslandesrat  Ludwig Schleritzko  (ÖVP)  sehen im Vertrag, der diese Woche unterzeichnet wurde und Ende 2020 in Kraft tritt, den Beweis für die gute Zusammenarbeit ihrer Bundesländer in Fragen des Öffentlichen Verkehrs. Wiens Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) betont den Klimaaspekt: „Eine einzige Pendlerin, ein einziger Pendler auf der Strecke von Baden nach Wiener Neudorf spart durch die Benutzung der Badner Bahn statt des Autos durchschnittlich 940 Kilogramm  pro Jahr.“

Der neue Vertrag enthält folgende Etappen:

Ab dem 13. Dezember 2020 wird das Angebot um rund 350.000 Zugkilometer ausgeweitet. Täglich verkehrt dann die Badner Bahn zwischen der Oper von 5 Uhr bis 0.30 Uhr im 15-Minuten-Takt.  Zwischen der Oper und Wiener Neudorf wird sogar der 7,5-Minuten-Takt täglich von 6.30 bis 21 Uhr eingeführt. An den Samstagen gibt es  für den SCS-Einkaufsverkehr von 9 bis 21 Uhr auch einen 7,5-Minuten-Takt.

Bis zum Dezember 2023 werden sukzessive 18 neue Triebwagen der Type 500 ausgeliefert, die auf der Strecke die alten, nicht barrierefreien Triebwagen der Type 100 aus den 70er- bis 90er-Jahren ersetzen werden. Bei Bedarf besteht auch noch die Option auf weitere 16  neue Triebwagen.

Ab dem Dezember 2023 wird der 7,5-Minuten-Takt zwischen der Staatsoper und Wiener Neudorf auf die Zeit zwischen 5 und 21 Uhr ausgeweitet. Weiters verkehren diese Züge in Doppeltraktion, was dann ein Mehr von 25 Prozent an Sitz- und Stehplätzen   pro Stunde und Richtung bedeutet.

Weitere Optionen sind: Ab 2026 ist die Verlängerung des 7,5-Minuten-Takts nach Traiskirchen geplant und ab 2028 könnte dieser Takt dann auch bis Baden eingehalten werden.

Ursprünge

Ihren Ursprung nahm die Badner Bahn 1886 als Dampftramway zwischen Wien-Gaudenzdorf nahe dem Margaretengürtel und Wiener Neudorf. 1888 wurde die „Actiengesellschaft der Wiener Localbahnen“ gegründet. Richtung Süden wurde 1895 bis Guntramsdorf erweitert, 1899 bis Baden. 1906/07 wurde die Strecke elektrifiziert – die Fahrgastzahlen stiegen bis 1910 auf vier Millionen.

Nach 1918

Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen die  Ziegeleien an der Strecke, der Güterverkehr kam nahezu zum Erliegen. 1954 waren es nur mehr 3,5 Millionen Fahrgäste. Investitionen in neue Züge und Infrastruktur verhinderten die Einstellung des Betriebs. 1969 wurde die Endhaltestelle von der Bösendorferstraße an den Kärntner Ring verlegt, 1976 die Haltestelle Vösendorf-SCS eröffnet. 1984 kam ein Halbstundentakt, 1989 ein 15-Minuten-Takt und 2000  der 7,5-Minuten-Takt bis Wiener Neudorf. 2018 wurden 12,7 Millionen Fahrgäste gezählt, damit ist  man  Primus der Regionalbahnen.