Fundort Mülltonne: Eine Frau entdeckte das Baby beim Mist entsorgen.

© APA/GERT EGGENBERGER

Kärnten
01/08/2016

Baby im Mistkübel: Der Bub ist außer Lebensgefahr

Bei der Polizei gingen bereits erste Hinweise auf die Mutter ein.

von Elisabeth Holzer

Nur noch 21 Grad Körpertemperatur hatte der Bub, als er Dienstagnacht in das Uni-Klinikum Klagenfurt eingeliefert wurde: Das Neugeborene, abgelegt in einer Mistkübel, war in Lebensgefahr.

Doch die ist nun gebannt: Donnerstagvormittag war das noch namenlose Baby zwar weiter auf der Intensivstation der Kinderklinik, doch sein Zustand wurde als stabil beschrieben. Ob es Folgeschäden haben werde, lasse sich aber noch nicht sagen, bedauern die Ärzte,

Das Landeskriminalamt Kärnten sucht unterdessen weiterhin nach der Mutter des Kindes. Es gab auch schon einige diesbezügliche Anrufe bei der Polizei, berichtet Sprecher Rainer Dionisio. "Es sind Hinweise eingelangt, aber derzeit ist noch nichts Konkretes dabei."

Der Bub wurde von einer jungen Frau in einem Müllcontainer vor der St. Ruprechter Straße in Klagenfurt entdeckt. "Ich habe ein Wimmern und Schreien gehört", schilderte die 22-Jährige danach. "Ich bin selbst Mutter, mir war klar, das ist Babygeschrei." Sie entdeckte das nackte Neugeborene in einer schwarzen Stofftasche, alarmierte die Rettung und wärmte es so lange an der Brust, bis der Notarzt kam.

Babyklappe

Die Spitäler erinnern aus dem Anlass daran, dass es sichere Alternativen gibt. In Wien etwa gibt es pro Jahr elf anonyme Geburten: Seit 2001 können Frauen ohne Angabe ihres Namen und der Versicherungsdaten gebären. 2000 wurde beim Wilhelminenspital eine Babyklappe eingerichtet, pro Jahr geben Mütter dort ein bis drei Neugeborene dort ab.

In Graz gibt es seit 2001 eine Babyklappe am LKH. Bisher wurden drei Kinder abgegeben. Es gab seit 2001 61 anonyme Geburten, steiermarkweit waren es 117. Am Kepler-Uniklinikum Linz gibt es seit 15 Jahren eine Babyklappe: Zwei Kinder wurden seither abgelegt. In Innsbruck gibt es keine Babyklappe, aber jährlich gebären ein bis zwei Frauen anonym.

Beide Möglichkeiten – anonyme Geburt und Babyklappe – hätte auch die Mutter in Klagenfurt gehabt. Die Klagenfurter Babyklappe wurde seit 2001 erst ein Mal benützt.

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