Vlnr.: Schriftsteller Vladimir Vertlib, Schriftstellerin Sabine Gruber, Nadia Rida, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Erich Fenninger, Schriftstellerin Julya Rabinowich im Rahmen der Präsentation der Plattform "solidART for refugees!"

© APA/GEORG HOCHMUTH

Für Flüchtlinge
08/28/2015

Asyl: Volkshilfe plant Großevent im Herbst

Neue Plattform "solidART for refugees" fordert bessere Flüchtlingsbetreuung und Änderung in Asylpolitik.

Die Volkshilfe Österreich hat gemeinsam mit zahlreichen Künstlern eine Plattform gegründet, die bessere Flüchtlingsbetreuung und eine Änderung in der österreichischen wie europäischen Asylpolitik fordert. Neben zahlreichen kleineren Aktionen plane "solidART for refugees!" auch die Abhaltung einer Großveranstaltung im Herbst, hieß es heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz.

"An einem Tag wie diesem fehlen einem die Worte", meine Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger und forderte zum Gedenken an "jene Menschen, die gestern in Österreich tot aufgefunden wurden" auf: Es seien konkrete Menschen mit konkreten Schicksalen, während die Politik Bedrohungsszenarien konstruiere und Menschen zu Ziffern mache. "Als ob wir vor Menschen uns fürchten müssten, die Schreckliches erlebt haben. Die Antworten der Politik sind die komplett falschen. Europa bricht mit seinem zentralen Grundwert, nämlich mit den Menschenrechten."

"Nicht Flüchtende bekämpfen"

Fenninger kritisierte die Innenministerin und den Außenminister hart, nahm aber bei seiner Kritik an den Landeshauptleuten Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ausdrücklich aus: "Das einzige Positive der vergangenen Wochen war, dass wir so viele Menschen von Traiskirchen nach Wien bringen durften."

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"Die Obdachlosigkeit und die menschenrechtsverletzende Situation von Flüchtlingen in Traiskirchen muss unverzüglich beendet werden", heißt es in den Forderungen der Plattform, die auch "hochwertige Betreuung von Kindern und unbegleiteten Minderjährigen" verlangt. "Fluchtgründe müssen bekämpft werden, nicht die Flüchtenden", so die Plattform.

Plattform will Druck machen

Dass Künstler Stellung beziehen, sei "in Österreich eine beeindruckende Tradition". Mit der neuen Plattform wolle man "noch einmal Druck aufbauen". Als Unterstützer werden u.a. die Autoren Robert Menasse, Peter Turrini, Erika Pluhar und Valerie Fritsch, die Schauspieler Karl Markovics, Ursula Strauss, Cornelius Obonya und Harald Krassnitzer, der Philosoph Konrad Paul Liessmann oder die Band Wanda angeführt. Man plane und koordiniere viele kleine Einzelaktionen, plane aber auch eine Großveranstaltung, zu der man aber noch keine näheren Angaben machen könne.

Die Autorin Julya Rabinowich berichtete von zahlreichen Beispielen von Zivilcourage. "Gleichzeitig ist es aber auch so, dass der Hass wahrnehmbarer wird, etwa in sozialen Medien. Man darf Hasspostern das nicht durchgehen lassen, denn die Menschen gewöhnen sich rasch daran, dass der Ton rauer wird. Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern mit Hetze." Es brauche "neue Lösungen, um die Flüchtenden fair zu verteilen. Nicht nur in Österreich. Die EU steht und fällt damit, wie sie mit dieser Situation umgehen wird. Es ist absurd zu glauben, dass Grenzzäune diese Menschen aufhalten können."

Konrad kritisch betrachtet

"Es werden ungefähr 80.000 Flüchtlinge erwartet. Das ist ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung und keine Flut, keine Welle, die bei uns einschlägt", sagte Autor Vladimir Vertlib und rief dazu auf, mit jenen "20 bis 40 Prozent der Bevölkerung, die es gilt, erst zu erreichen", in Dialog zu treten: "Wir müssen ihnen sagen: Wir repräsentieren dieses Land und nicht ihr." - "Das Versagen Österreichs in Traiskirchen und an vielen anderen Orten ist beschämend", meinte Autorin Sabine Gruber und forderte die Gründung eines Integrationsministeriums. Die Autorin Nadia Rida erinnerte an die von ihr initiierte Demonstration am Montagnachmittag in Wien, die von der Volkshilfe unterstützt wird.

Der neue Flüchtlingskoordinator Christian Konrad wird zwiespältig beurteilt: "Wir kennen Konrad als einen sehr mächtigen Mann. Ich hoffe, er wird seine Macht einbringen, um Flüchtlingen zu helfen", sagte Fenninger, während Vertlib grundsätzlich anmerkte: "Wir haben an und für sich eine Bundesregierung und Behörden, die dafür zuständig sind. Wenn diese nach Monaten der Katastrophe einen Teil ihrer Verantwortung an einen Koordinator abgeben, ist das de facto ein Eingeständnis des eigenen Versagens."

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