Commerzialbank

© Kurier / Gilbert Novy

Chronik Österreich
12/18/2021

Anklage: Bankkunden wollten Einlagensicherung austricksen

Der angebliche Schaden soll rund 347.500 Euro betragen. Insgesamt acht Angeklagte.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Durch die Pleite der Commerzialbank Mattersburg haben Tausende Sparer viel Geld verloren. Die Einlagensicherung Austria (ESA) hat zwar 465 Millionen Euro an 12.000 frühere Bankkunden ausgezahlt, pro Kopf ist die Entschädigung aber mit maximal 100.000 Euro begrenzt. Damit wollte sich eine niederösterreichische Unternehmerfamilie aber nicht zufriedengeben und versuchte angeblich, ein „krummes Ding“ zu drehen. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hat acht Personen wegen des Verdachts des schweren Betruges angeklagt, im Februar 2022 müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Der Unternehmer Franz H. hatte drei Girokonten und 18 Sparbücher bei der Commerzialbank mit 310.154 Euro Guthaben, seine Frau zwei Konten und 15 Sparbücher mit 220.751 Euro Guthaben und der Sohn ein Konto und sieben Sparbücher mit 107.597 Euro Guthaben.

Unterm Strich hatte die Familie also rund 638.500 Euro Vermögen bei der Commerzialbank gebunkert. Anscheinend soll den Betroffenen klar gewesen sein, dass sie trotz der Einlagensicherungsauszahlungen um viel Geld fallen würden.

Überbringer-Sparbücher

Geht es nach der Anklage, die dem KURIER vorliegt, dann griff die Familie in die Trickkiste. Franz H. soll bei der Einlagensicherung die Entschädigung für seine drei Giro-Konten beantragt, aber nur drei der 18 Sparbücher zwecks Entschädigung eingereicht haben. Er kassierte 98.881 Euro von der ESA.

Die restlichen 15 Überbringersparbücher soll er an drei Verwandte bzw. Bekannte weitergegeben haben. Diese sollen die Sparbücher im August 2020 bei der Einlagensicherung vorgelegt und sich die Entschädigungsbeträge auf ihre Konten gutschreiben haben lassen. Auch die Ehefrau und der Sohn des Unternehmers sollen von der ESA 98.700 bzw. 93.300 Euro kassiert, mithilfe mit Hilfe von drei Verwandten bzw. Bekannten die Guthaben von zehn weiteren Sparbüchern von der ESA kassiert haben.

Unterm Strich streifte die Familie H. so insgesamt weitere 347.518 Euro ein. Laut Anklagebehörde haben die Beschuldigten bisher von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Nur eine „Helferin“, Marianne P., soll einem Ermittler den Modus Operandi geschildert haben.

„Marianne P. nahm fernmündlich Kontakt mit dem erhebenden Beamten auf und teilte ihm mit, dass sie die Cousine von Maria H. sei und der Familie geholfen habe, zu ihrem Vermögen zu kommen. Zu diesem Zweck haben sie und ihre Tochter mehrere Sparbücher von der Familie H. übernommen und bei der Einlagensicherung zur Auszahlung vorgelegt“, heißt es in der Anklage. „Nach Auszahlung der Beträge hätte sie diese in bar behoben und der Familie H. übergeben.“

Der renommierte Strafverteidiger Manfred Ainedter, der sechs Beschuldigte vertritt, will zur Anklage keine Stellungnahme abgeben. Dem Vernehmen nach werden aber die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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