Chronik | Österreich
25.10.2018

Analyse: Das Haus der Geschichte als Spielball der Republik

Die ÖVP will das Museum, das am 10. November eröffnet wird, als Anstalt öffentlichen Rechts ans Parlament andocken

Tatsächlich Jahrzehnte lang wurde über ein Haus der Geschichte der Republik debattiert. Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer, hintereinander Bundeskanzler, ließen Konzepte erstellen, aber nicht einmal die Standortfrage wurde geklärt.

Schließlich kam es doch zum „Aufbruch ins Ungewisse“, wie die erste Ausstellung des Museums heißt. Sie wird am 10. November – zum 100. Jahrestag der Ausrufung der Republik – in der Neuen Burg am Heldenplatz eröffnet. Thema ist natürlich der Aufbruch des Torsos „ Deutsch-Österreich“ nach dem Zusammenbruch der Monarchie in die Eigenständigkeit.

Ungewiss blieb aber auch die Zukunft des Museums, das von Thomas Drozda, Kulturminister bis Ende 2017 (SPÖ), zu einem „Provisorium“ redimensioniert worden war: Für 2019 stellte er lediglich eine Million Euro in Aussicht. Doch mit dieser Summe ist kein Auslangen zu finden, wenn das Museum forschen und sammeln soll.

Direktorin Monika Sommer sprach zwar wiederholt die ungewisse Situation an; die türkis-blaue Regierung jedoch wollte sich nicht festlegen: Zunächst sollte es laut Abkommen eine „Evaluierung der derzeit bestehenden Pläne“ geben – hinsichtlich Ort, Konzept, Finanzierung.

Seit Mittwoch gibt es zumindest eine Ahnung von Gewissheit. Kulturminister Gernot Blümel ( ÖVP) stellt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, der Betrieb 2019 ist sichergestellt. Und es wurde Zeit gewonnen. Denn bis Jahresende will Blümel ein Expertenteam nominieren, das sich erneut mit den grundlegenden Fragen (Standort!) auseinandersetzen werde.

Zudem soll das Museum, im Bundesmuseengesetz als „Haus der Geschichte Österreich“ bezeichnet, einen neuen Titel erhalten. Um klar zu machen, dass es nicht etwa um Alltagsgeschichte geht, sondern um die Geschichte der Republik bzw. der Demokratie. Der Arbeitstitel lautet daher „Haus der Republik“.

Und es soll Eigenständigkeit erhalten. Derzeit ist das Museum eine Abteilung der Nationalbibliothek. Johanna Rachinger, die Generaldirektorin, hatte sich nicht darum gerissen, aber die Pläne von Josef Ostermayer, Drozdas Vorgänger, unterstützt. Das Museum war von ihm 2015 geschickt durchgeboxt worden; um die Kosten gering zu halten, wählte Ostermayer die Konstruktion mit der Nationalbibliothek.

Jetzt aber soll das Haus – wie die Bundesmuseen – eine Anstalt öffentlichen Rechts werden. Und so ist Sommers Zukunft ungewiss. Denn die Leitung wird sicherlich ausgeschrieben werden müssen. Andocken will die ÖVP die Anstalt an das Parlament. Das ist möglich; das Heeresgeschichtliche Museum zum Beispiel ressortiert beim Verteidigungsministerium.

Bei der Verkündigung am Mittwoch sagte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka: „Das Parlament freut sich auf die Aufgabe.“ Der Satz lässt aufhorchen, auch wenn Sobotka beteuert, dass es keine Einmischung geben werde. Die Allianz hatte sich bereits im August abgezeichnet: Sobotka übergab Sommer den Kaiserlogenbehang aus dem Parlament als Leihgabe. Was dieses Teil in einem Museum verloren hat, das sich mit der Geschichte der Republik ab 1918 beschäftigt, wird sich noch klären lassen.