Als St. Leonhard Schauplatz politischer Eskalation wurde

Eine schwarz-weiß Aufnahme von Miklas beim Verlassen des Parlaments nach der Bundespräsidentenwahl 1931, er trägt Mantel und Melone.
Im politisch aufgeheizten Jahr 1919 kam es zu einem Vorfall, in dessen Verlauf der spätere Bundespräsident verletzt wurde.

Die Niederlage im Ersten Weltkrieg stürzte Österreich in einen tiefgreifenden Umbruch: Die junge Republik stand 1919 nach dem Fall der Habsburger vor enormen Herausforderungen und wirtschaftlicher Not. In der Gesellschaft herrschte große Anspannung, die politische Lage war polarisiert und instabil.

Immer wieder verlagerten sich Auseinandersetzungen auf die Straßen. Ein Umstand, der sich auch in St. Leonhard am Hornerwald bemerkbar machte, wie Berichte in der "Reichspost", eines christlichsozialen Parteiblatts, belegen. Am 9. Februar 1919 fand in der Gemeinde eine christlichsoziale Wählerversammlung statt. Unter den Anwesenden befand sich Wilhelm Miklas, ein christlichsozialer Politiker. Während der Veranstaltung dürfte es schließlich zu Störungen durch anwesende politische Gegner gekommen sein – laut Berichten soll es sich um Sozialdemokraten und Deutschnationale gehandelt haben.

Die Versammlung musste schließlich vorzeitig abgebrochen werden. Beim Verlassen des Lokals wurde Miklas angegriffen. Er erlitt eine ernsthafte Kopfverletzung und musste ärztlich versorgt werden. Lebensgefahr soll nicht bestanden haben, es wurde eine Gehirnerschütterung vermutet.

Bundespräsident

Wilhelm Miklas wurde am 15. Oktober 1872 in Krems geboren. Nach seiner Matura am Stiftsgymnasium Seitenstetten studierte er in Wien und arbeitete erst als Lehrer für Geschichte und Geografie, später als Direktor des Gymnasiums in Horn.

Seine politische Karriere begann 1907 als Abgeordneter zum Reichsrat. Als das Parlament 1918 den Anschluss an das Deutsche Reich beschloss, soll Miklas angeblich dagegen gestimmt haben. Von 1923 bis 1928 bekleidete er das Amt des Nationalratspräsidenten, ehe er 1928 zum Bundespräsidenten gewählt wurde. In dieser Position war Miklas auch tätig, als sein Parteikollege Engelbert Dollfuß die sogenannte Selbstausschaltung des Parlaments im März 1933 herbeiführte.

Nach dem Krieg wurde Miklas vorwiegend zu Last gelegt, nichts gegen dieses verfassungswidrige Vorgehen getan zu haben. Denn rechtlich hätte etwa die Möglichkeit bestanden, die Regierung zu entlassen und Neuwahlen einzufordern. Nach 1945 übte Miklas kein politisches Amt aus, eine erneute Kandidatur als Bundespräsident soll er abgelehnt haben. Er starb 1956 und wurde in Döbling beigesetzt.

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