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Chronik Österreich
07/01/2021

„Alles gurgelt“: Ärztekammer und PCR-Testlabor Lifebrain matchen sich vor Gericht

Dem Labor des Herzchirurgen Michael Havel soll angeblich die Berechtigung fehlen, er legte dem Richter Zulassungen aus Italien vor.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Ärger gibt es rund um die Test-Aktion „Alles gurgelt“ der Stadt Wien. Pro Tag werden bis zu 200.000 PCR-Tests ausgegeben, per Botendienst eingesammelt, ins Labor gebracht und ausgewertet. Doch die Ärztekammer Wien behauptet, dass das zuständige Labor Lifebrain SRL, das als Billigstbieter den Auftrag für diese Auswertungen erhalten hat, dazu gar nicht berechtigt ist, diese Dienste zu leisten. Deshalb klagt die Ärztekammer das Laborunternehmen Lifebrain SRL wegen unlauteren Wettbewerbs (UWG).

Am gestrigen Donnerstag fand am Handelsgericht Wien eine Verhandlung statt. Dazu wurden Ärztekammer-Jurist Thomas Holzgruber und der Geschäftsführer des Laborbetreibers Lifebrain, der umtriebige Herzchirurg Michael Havel, vom Richter einvernommen.

Überprüfung

„Uns geht es nicht darum, irgendwelche Aktionen abzudrehen oder abzuschießen, sondern wir wollen überprüft haben, ob alles rechtlich konform abgelaufen ist“, sagt Ärztekammer-Direktor Holzgruber im Gespräch mit dem KURIER. „Wir haben uns gewundert, dass eine Gesellschaft einen Zuschlag bekommen kann, die in Österreich aus unserer Sicht nicht berechtigt ist, die Leistungen zu erbringen.“ Dem Vernehmen nach wird das von Lifebrain bestritten. Um was geht es der Ärztekammer noch? „Wir wollen nicht, dass einer die Labor-Szene dominiert“, erklärt Holzgruber ganz offen. „Und noch dazu einer, der nicht als Labormediziner befugt ist, Laborleistungen zu erbringen, denn er ist Herzchirurg.“ Nachsatz: „Dass ein Herzchirurg Labormediziner beschäftigt, halten wir nicht für die richtige Entwicklung.“

Unterdessen hat die Lifebrain SRL Befugnisse für Labordienstleistungen aus Italien vorgelegt, der österreichische Standort ist laut Firmenbuch nur eine Zweigniederlassung.

„Sie haben Zulassungen aus Italien“, bestätigt Jürgen Exner vom Handelsgericht Wien dem KURIER. Die Lifebrain Group wirbt auf ihrer Homepage damit, dass sie „einer der größten italienischen Anbieter für klinische Labortests ist“. Sie wurde „im Februar 2013 von Michael Havel und Bernhard Auer in Wien gegründet und wächst derzeit zu einem der führenden Laborunternehmen in Europa heran.“ Hierzulande kooperiert Lifebrain mit dem Labormediziner Mathias M. Müller und betreibt „eines der modernsten PCR-Covid-19-Labors Österreichs“.

Zurück zum Gericht. Der Richter hat gestern die Verhandlung geschlossen, das Urteil ergeht schriftlich. Er ließ nicht durchblicken, wie das Urteil ausfallen wird. Bis es vorliegt, werden zumindest einige Wochen vergehen.

 

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