Alkolocks in Italien: Das müssen Urlauber jetzt wissen

Regeln im Straßenverkehr verschärft. Aufpassen heißt es bei Fahrten in den Süden – die Bestimmungen gelten für jedermann.
Im Cockpit eines Autos hält eine Hand ein Alkoholtestgerät.

Zusammenfassung

  • Italien verschärft die Strafen für Alkohol am Steuer und verlangt nach Führerscheinentzug verpflichtende Alkolocks im Auto.
  • Die Maßnahme gilt für alle Verkehrsteilnehmer, auch Urlauber, und Verstöße werden mit Geldstrafen und erneutem Führerscheinentzug geahndet.
  • Experten sehen Herausforderungen bei der Umsetzung, insbesondere wenn andere Personen das Auto nutzen oder beim Einbau der Geräte.

Rund 3.400 Personen werden pro Jahr in Österreich bei Unfällen verletzt, die ein betrunkener Verkehrsteilnehmer verursacht hat, 28 Menschen sterben. Diesen Durchschnittswert hat die Statistik Austria im Vorjahr berechnet. Sieben Prozent aller Unfälle im Straßenverkehr sind somit auf Alkohol zurückzuführen.

Wegfahrsperre im Auto

In Italien ist dieser Prozentsatz annähernd gleich. Doch der Nachbarstaat hat nun ernst gemacht mit einer im Herbst beschlossenen Verschärfung. Kfz-Lenker, die betrunken erwischt werden, sind wie gewohnt erst einmal ihre Führerscheine für eine Zeit lang los und müssen Geldbußen zahlen. Sobald sie ihre Lenkerberechtigungen wieder haben, greift seit vergangenen Donnerstag (26. Februar) aber die neue Maßnahme – sie müssen in ihren Autos Wegfahrsperren haben.

Wer mit mehr als 0,8 Promille angehalten wurde, braucht das Gerät für zwei Jahre, ab 1,5 Promille sind drei Jahre verpflichtend.

Strafen für Fahrten ohne Alkolock

Die Alkolocks kosten rund 2.000 Euro und lassen den Motor eines Wagens nur anspringen, wenn der Alkohol in der Atemluft den Grenzwert nicht überschreitet – der Lenker muss wie bei einem Alkotest in ein Röhrchen blasen. Fehlt das Gerät bei einer Polizeikontrolle, folgen Geldstrafen (bis zu 638 Euro) und neuerliche Führerscheinabnahme (bis zu sechs Monate) – auch wenn man an dem Tag nüchtern war.

Pilotmodell endete

Österreich verfolgte ab 2017 einen ähnlichen Ansatz, der aber nach fünf Jahren eingestampft wurde. Gerichtet war das Modell an Personen, denen wegen Alkohol am Steuer der Führerschein abgenommen wurde: Sie konnten sich freiwillig mit Alkolocks im Auto die Zeitspanne ohne Schein verkürzen. Rund 750 Betroffene machten mit.

Was passiert bei anderem Lenker?

Das italienische Modell sehen Experten aber eher skeptisch. "Da ist einmal die Seite der Hardware. Je komplexer das Innenleben eines Autos, desto schwieriger dürfte das alles werden", gibt Ursula Zelenka, Juristin beim Mobilitätsklubs ÖAMTC, zu bedenken. "Dann ist noch die Frage, was passiert, wenn jemand anders das Auto fährt?" Auch derjenige müsste sich dem Alkolock unterwerfen, obwohl er rechtlich gar nicht dazu verpflichtet wäre.

"Die sauberste Lösung wäre, zu sagen, Alkolocks werden Ausstattungserfordernis für alle Fahrzeuge“, überlegt Zelenka. "Das heißt, niemand dürfte mehr ohne fahren. Das würde Ersttäter verhindern und alle gleichbehandeln, wäre aber eine Extremlösung.“

Achtung, Urlauber!

Aufpassen heißt es aber für Italienurlauber – die neuen Vorschriften gelten für jeden Verkehrsteilnehmer, unabhängig von der Nationalität.

In Italien gilt wie in Österreich grundsätzlich eine Grenze von 0,5 Promille. Da wie dort ist ab 0,8 Promille der Führerscheinentzug möglich, strengere Grenzwerte gelten in Österreich bekanntlich für Probeführerscheinbesitzer.

Wird nun ein Österreicher in Italien betrunken hinter dem Lenkrad erwischt, hat das Konsequenzen, mahnt Zelenka: "Das bedeutet die mögliche Entziehung der Lenkerberechtigung daheim, der Akt geht nach Österreich. Und es bedeutet kein Lenken in Italien mehr ohne Alkolock."

Einbau vor dem nächsten Urlaub

Vor dem nächsten Italienurlaub müsste ein Alkolock ins Fahrzeug eingebaut werden. Da taucht bereits das nächste Problem auf; Italien erlaubt das derzeit nur in autorisierten Werkstätten und mit zwei Marken von Wegfahrsperren.

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