Bekifft oder zu schnell: Wo die größten Gefahren auf der Straße lauern

Überwachungsbilanz der Polizei: 28.000 Alko- und 8.555 Drogenlenker im Vorjahr erwischt und 5,6 Millionen Schnellfahrer bestraft.
Ein rotes Blinklicht und der Schriftzug „Polizei“ auf einem blauen Autodach.

1.500 Autofahrer unter Drogeneinfluss hat die Polizei vor zehn Jahren österreichweit aus dem Verkehr gezogen, im Vorjahr waren es alleine in Wien 2.341. Die Vervielfachung ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass Autolenker generell nur mehr bekifft durch die Straßen steuern. Es liegt vielmehr an der verstärkten und besseren Überwachung der Polizei und der Weiterentwicklung der eingesetzten Mess- und Testgeräte.

Aber auch daran, dass die Beamten bei Kontrollen mit zunehmender Routine potenzielle Drogenlenker leichter erkennen, heißt es dazu aus dem Innenministerium. "Es handelt sich um ein klassisches Kontrolldelikt. Desto besser wir uns aufstellen, umso mehr Delikte werden auch sichtbar“, erklärt der Leiter der Landesverkehrsabteilung NÖ, Brigadier Willy Konrath.

Fast 400 Verkehrstote

Im vergangenen Jahr sind in Österreich 397 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen, das bedeutet eine Zunahme von über 13 Prozent. Wie intensiv die Polizei Geschwindigkeiten oder Alkohol und Drogen am Steuer überwacht, hat auch einen Einfluss auf die Unfallbilanz.

Genaue Rückschlüsse über die Entwicklungen ermöglicht die aktuelle Verkehrsüberwachungsbilanz des BMI. Im Vorjahr wurden von der Polizei bundesweit 5,6 Millionen Geschwindigkeitsübertretungen (minus 7,9 % gegenüber 2024) geahndet und 1,8 Millionen Alkotests durchgeführt.

Innenminister Gerhard Karner bei einer der Schwerpunktkontrollen.

Innenminister Gerhard Karner bei einer der Schwerpunktkontrollen.

Speicheltest

Während die Zahl der Anzeigen wegen Alkohol am Steuer von 2024 auf 2025 um 1,5 Prozent auf 28.428 sank, bedeuten 8.555 erwischte Drogenlenker eine Zunahme von 4 Prozent. Dabei gebe es, was die Detektion von Suchtgift anbelangt, noch Luft nach oben, meinen erfahrene Beamte.

Gibt es bei einer Verkehrskontrolle einen Verdacht auf Drogeneinfluss, kommen Speichel-Vortestgeräte zum Einsatz. Verwendet werden von der Polizei vier verschiedene Modelle. Die Geräte haben den Nachteil, dass trotz laufender Verbesserungen THC im Speichel nur bedingt erkannt wird. Die Bandbreite zur Detektion THC-hältiger Stoffe ist beim Urintest wesentlich genauer. Dieser kann dazu verwendet werden, um sich bei einem Verdacht "freizutesten“. Die Verweigerung des Speicheltests zieht eine Untersuchung durch den Amtsarzt nach sich.

Intensive Verkehrskontrollen sind nicht als Schikane zu verstehen, heißt es aus dem BMI. Es gehe vor allem um die Unfallprävention, sagt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP): "Das Ziel von Kontrollen ist, die sichtbare Präsenz der Polizistinnen und Polizisten an unfallträchtigen Stellen zu verstärken. Durch punktgenaue Maßnahmen sollen rücksichtslose Lenker zum Schutz der übrigen Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr gezogen werden.“

Ablenkung bzw. Unachtsamkeit (Handy am Steuer) gelten als die häufigste Unfallursache im Straßenverkehr, gefolgt von Raserei und zu geringem Sicherheitsabstand. 112.317 Lenker wurden im Vorjahr wegen Telefonierens am Steuer erwischt, ein Rückgang gegenüber 2024 um 2,5 Prozent.

Autos beschlagnahmt

Abschreckende Wirkung hat sich die Regierung davon erhofft, als 2024 die Beschlagnahme von Raserautos gesetzlich verankert wurde. Die Angst davor, ihren geliebten Boliden zu verlieren und dies auch finanziell schmerzlich zu spüren, sollte Extremraser dazu bewegen, sich ihre Irrfahrt zweimal zu überlegen.

Im Vorjahr wurden 267 Fahrzeuge bei Anhaltungen an Ort und Stelle vorläufig beschlagnahmt, nur in einigen wenigen Fällen kam es auch zur Versteigerung der Autos. Karner sieht als verantwortlicher Minister die Möglichkeit der Fahrzeugabnahme bei extremen Raserdelikten als eine von vielen Maßnahmen, "die dabei helfen, die Straßen noch sicherer zu machen.“

Sorgenkind Schwerverkehr

Ein deutlich erweiterter Kontrollzeitraum auf Basis einer EU-Verordnung hatte im Vorjahr einen massiven Anstieg der Verstöße bei Schwerverkehrskontrollen zufolge. So wurden 2025 327.010 Anzeigen und Organstrafverfügungen bei Kontrollen von Lkw und Bussen erstattet, im Jahr davor waren es 224.464 – der Großteil wegen Verstößen gegen die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten.

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