15 % der E-Biker sind über 65, diese Gruppe hat 47 % aller Unfälle

© ©SYMBOL/Velovital

Bereits elf Tote

E-Bikes als Todesfalle für Senioren

Tausende E-Bikes werden heuer zu Weihnachten verschenkt – ein gefährliches Präsent.

von Dominik Schreiber

12/14/2013, 07:00 PM

Die 57-jährige Renate B. war gehörlos. Um mobil zu bleiben, stieg die Frau auf ein Elektrobike um. Bei Bad Ischl fuhr die Reinigungskraft über einen Bahnübergang. Dass ein Regionalexpress heranbrauste, bekam sie nicht mit. Der Lokführer leitete eine Notbremsung ein, doch für Renate B. kam jede Hilfe zu spät. Sie war sofort tot.

Es war der erste tödliche Unfall mit einem Elektrobike in Österreich. Das war im Jahr 2011. Seither sind laut Innenministerium elf Menschen mit diesen elektrisch betriebenen Fahrrädern ums Leben gekommen. Renate B. war die Jüngste. Der Hergang ihres Unfalls war typisch für die zehn anderen. Fast alle dieser tödlichen Crashs passierten aus Eigenverschulden. „Alleinunfall, Sturz“ steht dann in der Statistik des Innenministeriums. Meist haben die Pensionisten die Herrschaft über das rasante Gerät verloren. Die sechs Toten heuer waren zwischen 74 und 87 Jahre alt.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) sieht Handlungsbedarf. Umfangreiche Studien haben ergeben, dass junge Menschen mit einem Elektrobike die gleichen Strecken mit dem identen Tempo fahren wie mit einem normalen Rad. Ältere Menschen hingegen fahren weit mehr, schneller und gefährlichere Strecken, wenn sie ihr herkömmliches Rad gegen ein flottes Elektrobike tauschen. Gerade zu einer Zeit, zu der die ersten E-Mountainbikes auf den Markt kommen, kann das dramatische Auswirkungen haben. Schon mit den normalen E-Bikes werden Geländestrecken häufiger genützt als zuvor.

„Außerdem sind die Radwege in Österreich für bestimmte Geschwindigkeiten genormt. E-Bikes sind aber schneller als Fahrräder“, sagt Klaus Robatsch vom KfV.

Unterschätzte Gefahr

Die Problematik scheint unterschätzt worden zu sein. Bis heute gibt es keine offiziellen Zahlen zu Unfällen. Das Innenministerium hat für den KURIER auf Anfrage nachgeforscht, Zahlen zu Verletzten gibt es nirgends. „Das wird bei uns nicht extra ausgewiesen“, heißt es bei der Statistik Austria. Nimmt man Österreichs Nachbarländer als Maßstab, dürfte es bis zu 100 Schwerverletzte in diesem Jahr geben.

Dazu kommt, dass laut einem ÖAMTC-Test viele E-Bikes alles andere als empfehlenswert sind. Bei 16 getesteten gab es gleich für neun die Note „Nicht Genügend“. Bei drei gab es extreme Schwächen bei der Lenkung, die eine hohe Bruchgefahr zur Folge hatten. Bei einem E-Bike brach die Aufhängung der Hinterachse.

Insgesamt dürften in Österreich bereits 150.000 Elektrobikes unterwegs sein.

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