Chronik | Österreich
19.11.2018

Ärztenotdienst: Ein Engpass droht

Patienten hängen ab Neujahr in der Luft, während Kammer und Kasse weiter streiten

Die Zeit drängt, doch die Verantwortlichen zanken sich nur. Seit Juli suchen die Kärntner Ärztekammer sowie die Gebietskrankenkasse eine Lösung zur häuslichen medizinischen Versorgung in den Nachtstunden an Wochenenden. Da die niedergelassenen Landärzte ihre Sprengel mit Jahresbeginn nicht mehr besetzen wollen und die Finanzierung von Alternativen ungeklärt ist, droht bald ein Versorgungskollaps.

Kärntens Bereitschaftsärzte werden in den Bezirken an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zwischen 19 und 7 Uhr nicht mehr Dienst schieben und somit keine häuslichen Visiten mehr anbieten. „Die Hälfte unserer Landärzte ist in einem Alter, in dem der Durchschnittsösterreicher bereits seine Pension genießt. Die Kurie der niedergelassenen Ärzte hat daher beschlossen, dass Wochenend-Nachtdienste ab 1. Jänner 2019 nicht mehr besetzt werden – und die ziehen das verständlicherweise beinhart durch“, lässt Ärztekammerpräsidentin Petra Preiss wissen. Die Drohung von Kassendirektor Johann Lintner, man könne den Medizinern den Vertrag kündigen, weil sie Vertragsbruch begehen würden, lässt sie kalt. „Eine herzige Idee, soll so sein. Und dann?“, fragt Preiss.

Die Statements zeigen die verhärteten Fronten zwischen Kammer und Kasse. Dabei wurde seit Juli lange und intensiv diskutiert. Lintners Idee, die Sprengel neu zu ordnen und das Nacht-Bereitschaftsfenster nur zwischen 22 und 7 Uhr zu öffnen, fand wenig Anklang. Eine Regelung wie in Oberösterreich – dort sind Dienstärzte in Rot-Kreuz-Stützpunkten stationiert, erhalten einen Chauffeur und viel höhere Prämien – wurde aus finanziellen Gründen abgeschmettert.

Wer soll das bezahlen?

Die naheliegende Variante schien und scheint ein System mit Telefon-Ärzten. Die sind über das Rote Kreuz organisiert und versehen bereits unter der Woche Dienst. Nicht nur ein Aufschrei der Spitäler aufgrund des zu befürchtenden Patientenansturms ist garantiert: Weiters ist die Frage offen, wer die Telefon-Ärzte bezahlt. Neben Medizinern, die zu lukrieren wären, müsste das Rote Kreuz auch die Flotte an Rettungswagen und das Personal aufstocken. „Es gibt eine Aufstellung, was das an Zusatzkosten bedeuten würde. Die Summen kann ich nicht nennen“, sagt Rot-Kreuz-Präsident Peter Ambrozy. Die Kasse könne eine Neustruktur nicht alleine finanzieren, betont Lintner. Und das Rote Kreuz könnte wohl rasch ein Telefonarztsystem meistern. „Aber ohne Konzept von Kammer und Kasse geht gar nichts. Und ohne Geld genauso wenig. Wir haben keines “, so Ambrozy.

Land: „Vertragsbruch“

Und das Land? „Wir haben bereits die Bereitschaftsdienste von Montag bis Freitag übernommen, zahlen 2,1 Millionen Euro jährlich“, betont Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) und schlägt sich auf die Seite der Kasse. „Sollten die Mediziner ihre Dienste verweigern, ist das Vertragsbruch.“ Prettner kann den Konflikt wegen angeblicher Ärzteüberforderung nicht nachvollziehen, sei doch nur eine Kassenstelle in Kötschach vakant.