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Chronik | Österreich
06/27/2019

Administrator der Diözese Gurk wird abgelöst

Neue Entwicklungen in Kärntner Bistum: Diözesanadministrator Guggenberger muss knapp ein Jahr nach seiner Einsetzung wieder gehen.

Der Kärntner Bischofssitz kommt nicht zur Ruhe. Die skandalösen Vorgänge rund um die Kärntner Diözese Gurk Klagenfurt erreichen einen neuen Höhepunkt. Nun wird Engelbert Guggenberger als Diözesanadministrator abgelöst, wie ORF.at berichtet. Guggenberger hatte erst Anfang Juli vergangenen Jahres die Geschäfte nach dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten übernommen. Als apostolischer Administrator soll demnach der Militärbischof Werner Freistetter bestellt werden.

Spekulationen um Zeitpunkt

Freistetters Berufung soll am (morgigen) Freitag offiziell von Rom bekanntgegeben werden. Der Zeitpunkt dieser Personalie löste prompt Spekulationen aus. Denn da Guggenberger, vom Domkapitel gewählt, sein Amt am 2. Juli vergangenen Jahres angetreten hatte, wäre er demnächst ein Jahr im Amt gewesen. Würde er die Diözese länger als ein Jahr interimistisch leiten, erhielte er automatisch mehr Kompetenzen als bisher. Auch der Theologe Paul Zulehner hielt gegenüber dem ORF diesen Grund für wahrscheinlich. Er sagte: "Offensichtlich wollte man das verhindern. Natürlich erscheint ein solcher Schachzug jetzt als Bestrafung des Administrators. Ich halte die Ablösung für völlig unangemessen, weil Guggenberger eine exzellente Arbeit gemacht hat."

Guggenbergers Umgang mit der Affäre rund um Bischof Schwarz, gegen den die Justiz ermittelt, und seine Offenheit bezüglich sämtlicher Entscheidungen seiner Amtszeit hat ihm jedenfalls nicht nur Freunde gemacht. Im Frühjahr hatte Rom eine apostolische Visitation angeordnet, die vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner durchgeführt wurde. Welche Funktion der bisherige Diözesanadministrator nach der Einsetzung Freistetters haben wird, war vorerst völlig unklar.

Guggenberger warnte vor Verzögerungstaktik

Erst am Mittwoch hatte Guggenberger bei einer Betriebsversammlung, die in der Diözese Gurk-Klagenfurt in Form einer Messe stattfindet, davor gewarnt, die Probleme der Diözese dadurch lösen zu wollen, dass man auf Verzögerung setze. Das würde die Zahl der Austritte weiter in die Höhe treiben, so Guggenberger am Mittwoch.

Guggenberger forderte in seiner Predigt erneut volle Transparenz im Umgang mit der Causa. Dabei bezog er sich auf den Wirbel um das Bistum Gurk und den Umgang des Bischofs mit den Finanzen desselben, ohne dessen Namen ein einziges Mal zu erwähnen. In dieser Causa läuft ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Untreue und der Steuerhinterziehung gegen Schwarz. Seine Aufgabe und jene des Domkapitels sei es gewesen, so Guggenberger, die Dinge aufzuarbeiten und den Boden für einen neuen Bischof zu bereiten.

Schönborn sieht "nicht einfache Zeiten"

Kardinal Christoph Schönborn ist am Donnerstagabend bei einem Festgottesdienst im Stephansdom in seiner Predigt auf die Situation der Diözese Gurk-Klagenfurt eingegangen. Laut Kathpress betonte er, dass die Kirche in Kärnten gerade "nicht einfache Zeiten" erlebe. Viele fragten sich angesichts des weiter schwelenden Konflikts in Gurk, was mit der Kirche los sei, so Schönborn laut Kathpress. Es gebe auch viele Kirchenaustritte. Dies verwundere nicht, es gebe hier auch "nichts zu beschönigen", erklärte der Kardinal.

Auch der neue Nuntius Pedro Lopez Quintana nahm an dem Festgottesdienst teil. Der Botschafter des Papstes hatte mit einem Interview mit der Presse am Sontag, indem er die Versetzung des umstrittenen Kärntner Bischofs Alois Schwarz nach St. Pölten als "Beförderung" bezeichnet hatte, am Wochenende für Unruhe in der Diözese Gurk-Klagenfurt gesorgt.

Nuntius will für Bierlein beten

Er ergriff am Ende der Messe das Wort auf Deutsch und bedankte sich für die herzliche Aufnahme, die er als neuer Nuntius in Österreich bereits erfahren habe, sowie für den ersten gemeinsamen Gottesdienst mit den Bischöfen und anderen Kirchenvertretern im Wiener Stephansdom. Als besonders große Freude bezeichnete Lopez, dass auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein mitgefeiert habe: "Ich will für die Bundeskanzlerin und für ihr Kabinett beten", versprach der Nuntius laut Kathpress.