Chronik | Österreich
04.08.2017

38,9 Grad: Hitze trübt in Seen das Badevergnügen

Rekord für 2017 wurde am Donnerstag in Wien gebrochen. Menschen und Tiere leiden.

38,9 Grad, gemessen in der Wiener City, machten den Donnerstag zum bisher heißesten Tag des Jahres – übertroffen werden könnte dieser Wert sogar noch am Freitag. Die Freibäder und Seeufer sind voll mit Badegästen, die Abkühlung suchen.

Doch die große Hitze wirkt sich negativ auf die Seen aus. Durch die anhaltend hohen Temperaturen können sich Bakterien in den Gewässern prächtig vermehren. Ein Badeverbot ist aktuell etwa im niederösterreichischen Dürnstein ausgesprochen. "Das Naturwasser im Kuenringerbad ist mit Bakterien belastet. Am Freitag kommen die Ergebnisse der letzten Wasserprobe. Wie es weiter geht, erfahren wir erst dann", sagt der verantwortliche Stadtrat Johann Redl.

Parasiten unter der Haut

Für die Überprüfung der Seen und Badeteiche ist die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) zuständig. Im Moment gibt es in Österreich 14 Gewässer, deren Wasserqualität nicht die Bestnote bekommt. Das sind etwa der Neusiedler See in Mörbisch, Rust und Neudörfl oder der Traunsee bei Ebensee (OÖ). Grund dafür ist die Belastung mit E.coli-Bakterien beziehungsweise Enterokokken – also menschliche Fäkalbakterien. "Die Belastung ist in allen Fällen aber nicht so hoch, dass man nicht baden könnte", erklärt Ages-Mediziner Franz Allerberger. Meist würden die Bakterien über veraltete Kläranlagen in die Gewässer gelangen, die nach starken Regenfällen durch Gewitter überlastet sind. Während die Bakterien für den Menschen noch keine große Gefahr darstellen, könnten Parasiten unangenehm werden. Zerkarien entwickeln sich bei warmen Wassertemperaturen in Wasserschnecken und suchen Wirte.

Eigentlich verbeißen sie sich in Vögel, wo sie im Magen zu Larven heranwachsen. Sie wählen aber auch Menschen als Wirt. "Das kann zu Zerkariendermatitis, also Hautausschlag führen. Das passiert immer wieder auch in Gewässern, die eigentlich eine hervorragende Wasserqualität haben", sagt Allerberger. Badeverbote könnten nach der derzeitigen Hitzewelle die Folge sein.

Gefahr für Tiere

Die anhaltende Hitzewelle setzt auch Tieren zu: Cyanobakterien – besser als Blaualgen bekannt – vermehren sich bei warmen Wassertemperaturen rasend schnell. Geht ein Hund in Gewässer mit hoher Algenbelastung und leckt sich danach das Fell, kann das sogar zum Tod führen. Durchschnittlich fünf Hunde sterben in Österreich jährlich auf dieser Art. Hundebesitzer sollten Gewässer meiden, in denen man die Füße im knietiefen Wasser wegen einer grün-bläulichen Trübung nicht mehr sehen kann.

Problematisch ist die Hitzewelle auch für den Fischbestand. Da der Sauerstoff in den Bächen und Flüssen knapp wird, ist es vielerorts schon zu einem Fischsterben gekommen. Alleine in der Nähe von Korneuburg, NÖ, sind bereits rund 2000 Fische verendet. Auch die Flüsse Zwettl, Melk, die Große Krems, Pielach, Thaya und Taffa stünden auf der Watchlist des Landesfischereiverbands. "Bei Forellengewässern liegt der Alarmwert bei 22 Grad. In der Melk bei Matzleinsdorf wird es jetzt kritisch", sagt Landesfischermeister Karl Gravogl. Indem man frisches Wasser in die Flüsse pumpt, will man die Temperatur senken. Eine Entschärfung könne nur kühleres Regenwetter bringen.