26 Millionen Euro Schaden in Österreich: Opfer mit Promi-Videos geködert

Mit Fake-Videos des Bundespräsidenten, des ehemaligen Kanzlers und anderen Bekannten wurden Opfer in Österreich um Millionen gebracht.
WkSta, Betrug, Millionen, Europol, Bundeskriminalamt

Bundespräsident Alexander Van der Bellen spricht mit langsamer Stimme in dem Video, das wohl Tausenden Menschen ausgespielt worden ist: „Investieren Sie 250 Euro und lassen Sie die Technik für sich sprechen“, kündigt er ein vermeintlich neues Projekt an, das allen Teilnehmern ein Gehalt von 800 Euro am Tag verspricht. Milliardär werde man dadurch nicht – solche Versprechen würden nur Betrüger machen, betont er.

Mit Fake-Videos wie diesen erbeutete eine Tätergruppe von Albanien aus europaweit mindestens 50 Millionen Euro, die Hälfte davon fiel mit 26 Millionen in Österreich an. Hierzulande gab es 150 Opfer, wie die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BK) aufdecken konnte. Mit falschen Informationen, die von vermeintlich Prominenten verbreitet wurden, brachten die Täter ihre Opfer dazu, in Kryptowährung zu investieren.

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Der Zugriff der Ermittler erfolgte mit Unterstützung von Europol und Eurojust.

Callcenter in Tirana

Die österreichischen Behörden hatten die mehrere Jahre dauernde Untersuchung aufgrund einer Häufung an Anzeigen in Wien im Juni 2023 eingeleitet. Nach Rücksprache mit anderen Ländern stellte sich heraus, dass die Täter wohl europaweit agierten. Durch die Hinweise aus Österreich stießen die Ermittler schließlich auf drei Callcenter in Albanien – den Sitz der Kriminellen.

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Das größte der drei Callcenter befand sich im Zentrum von Tirana in einem Business-Tower, aufgeteilt auf zwei Etagen. 

Kriminelle arbeiteten in Großraumbüro

Das größte der drei Callcenter befand sich im Zentrum von Tirana in einem Business-Tower, aufgeteilt auf zwei Etagen. Auf Fotos, die bei der Pressekonferenz am Mittwoch gezeigt wurden, sind moderne Großraumbüros zu sehen. Auf Whiteboards sind die Mitarbeiter notiert, die für die jeweiligen Länder zuständig sind. „Die Sprachgrenzen sind dabei wichtiger als die politischen. So war der Desk „Deutsch“ für Österreich, Deutschland und die Schweiz zuständig, und nicht für ein einziges Land“, erklärte Reinhard Nosofsky, Leiter der Betrugsabteilung im BK.

Am 17. April erfolgte ein Zugriff in den drei Callcentern, auch Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt. In dem größten Callcenter waren gerade 80 Personen dabei, ihre Opfer zu Überweisungen zu überreden, als die Ermittler das Büro stürmten. Einigen Verdächtigen gelang die Flucht, zehn Personen konnten festgenommen werden.

"In keinem Alter gefeit"

Durch Auswertung der sichergestellten Datenträger hofft man nun, auch die restlichen Täter ausfindig zu machen. Es handelt sich größtenteils um albanische Staatsangehörige, Männer im Alter von 25 bis 40 Jahren. Zu den Geschädigten wurden keine Details genannt. Nur so viel: „Es gibt kein Alter, in dem man vor derartigen Betrugsformen nicht gefeit ist. Man darf sich dafür nicht schämen.“

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