Was 2026 bringt: Ganz Österreich blickt auf eine Stadt

SONDERGEMEINDERATSSITZUNG WEGEN GRAZER STADTFINANZEN: KAHR
Wenn Graz wählt, ist das immer spannend – im Herbst ist es so weit. Die Landeshauptleute haben heuer wahlfrei, müssen aber Reformwillen beweisen.

Was das neue Jahr alles bringen wird, steht zum großen Teil noch in den Sternen. Ein paar Ereignisse sind aber fix.

Graz wählt: Spätestens im Herbst 2026 werfen politisch Interessierte wieder einen Blick nach Graz. Gemeinderatswahlen stehen an – und erstmals sieht sich Elke Kahr in der Position als Titelverteidigerin ins Rennen gehen. Am 26. September 2021 verwies ihre KPÖ die ÖVP auf den zweiten Platz, die Kommunisten gingen eine Allianz mit Grünen und SPÖ ein, am 17. November wurde Kahr im Gemeinderat zur Bürgermeisterin gewählt.

Dass sie die erste Frau an der Spitze der steirischen Landeshauptstadt ist, ging im weltweiten Medientrubel um ihre Parteizugehörigkeit fast unter. Im Sommer 2025 gab Kahr – von einem internationalen Gremium mittlerweile zur „Weltbürgermeisterin“ gekürt – bekannt, 2026 erneut zu kandidieren: 

Sollte die KPÖ nicht mehr stimmenstärkste Fraktion werden, trete sie von ihren politischen Ämtern zurück, kündigte sie an: „Das ist ja nur logisch.“ Der exakte Wahltermin soll im Februar festgelegt werden, vermutlich wird es Ende September, theoretisch wäre auch Vorziehen auf Ende Juni möglich.

PROZESS GEGEN SCHAUSPIELER JIMI BLUE OCHSENKNECHT: OCHSENKNECHT

2025 sorgte unter anderem Jimi Blue Ochsenknecht für Medienrummel im Landesgericht Innsbruck

Spektakuläre Prozesse: 2025 war der Medienauflauf im Schwurgerichtssaal im Landesgericht Innsbruck enorm. Das war unter anderem dem deutschen Reality-TV-Sternchen Jimi Blue Ochsenknecht geschuldet, der sich wegen Zechprellerei verantworten musste. Der Schwurgerichtssaal wird heuer zumindest in zwei Prozessen erneut im Zentrum der österreichweiten Aufmerksamkeit stehen.

Am 9. Februar müssen sich die Eltern eines Buben verantworten, die den Dreijährigen laut Anklage – sie lautet auf Mord – zu Tode gequält haben sollen. Das Kind starb im Mai 2024 nach monatelangem Martyrium in einem Dorf im Tiroler Unterland.

Wegen des Vorwurfs der „grob fahrlässigen Tötung“ steht am 19. Februar der 36-jährige Freund jener Frau vor Gericht, die im Jänner 2025 bei einer gemeinsamen Tour auf den Großglockner erfroren ist. Die Staatsanwaltschaft wirft dem erfahrenen Alpinisten zahlreiche Versäumnisse vor. Sein Anwalt spricht von einem „tragischen, schicksalhaften Unglück“.

In Klagenfurt steht vermutlich im Frühjahr 2026 jener 23-Jährige vor Gericht, der in Villach einen Terroranschlag im Namen des IS verübte: Der Syrer tötete einen 14-Jährigen und verletzte mehrere Menschen, als er am 15. Februar 2025 wahllos auf Passanten einstach.

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Baumrodungen für den Bau der A26 erhitzt die Gemüter

Autobahn statt Bäume: In Oberösterreich wird der Bau der A26 in Linz weiter für Aufregung sorgen. Nachdem die Asfinag im Dezember rund 240 Bäume rund um den Hauptbahnhof fällen ließ, gingen die Wogen in der Bevölkerung hoch. Aktivisten besetzten einzelne Bäume, Bürgerinitiativen formierten sich, die grüne Stadtpolitik schlug Alarm.

Nach der Eröffnung der Donaubrücke 2024, die das Mühlviertel ans Stadtzentrum anbindet, wird mit dem Tunnel durch den Freinberg nun das Anschlussstück in Richtung Hauptbahnhof geschaffen. Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Bauarbeiten für diesen Abschnitt im Juni beginnen.

Schlossmuseum Ausblick Linz

Das Schlossmuseum Linz widmet sich den Bauernkriegen

Kultur blickt zurück: Kulturell begeht Oberösterreich ein 400-Jahr-Jubliäum – und zwar mit der nächsten „communale oö“. Mittelpunkt dieser dritten Ausgabe der communale oö ist der Bauernkrieg von 1626, Austragungsorte sind Linz. Hier wird es eine große Ausstellung im Schlossmuseum geben und weitere Gemeinden Oberösterreichs mit Bezug zum Bauernkrieg.

Mehrere Männer und Frauen gegen nebeneinander, im Hintergrund ein Schloss

Die Landeshauptleute in der Steiermark

Fokus auf die Länderchefs: Im Juni des Vorjahres haben Bundesregierung, Länder und Gemeinden eine Reformpartnerschaft vereinbart und sich für diese 18 Monate Zeit gegeben. Der Staat soll – vor dem Hintergrund seiner Verschuldung – in zentralen Bereichen auf Vordermann gebracht werden. Das gilt zuallererst für Gesundheit und Bildung, wo die Verantwortung äußerst komplex verteilt ist. Tiefgreifende Reformen kann die Bundesregierung nur gemeinsam mit den Landeshauptleuten umsetzen.

Vor diesem Hintergrund kommt der Landeshauptleute-Konferenz 2026 – einem Jahr ohne Landtags- oder Nationalratswahlen – besondere Bedeutung zu. Mit 1. Jänner übernahm für ein halbes Jahr Tirols ÖVP-Landeshauptmann Anton Mattle den Vorsitz dieses Gremiums. Er hat sich zuletzt im KURIER-Interview optimistisch gezeigt, dass „Drive in die Reformpartnerschaft“ kommt und es unter seinem Vorsitz erste Beschlüsse für diese gibt.

Das Konzert der Landeshauptleute – fünf von der ÖVP, drei von der SPÖ und einer von der FPÖ – ist kein einstimmiges. Inhaltliche Positionen richten sich dabei nicht unbedingt nach der Parteifarbe, sondern nicht selten nach den Interessen des eigenen Bundeslandes. Nach Mattle wird mit dem Vorarlberger Markus Wallner (ÖVP) der dienstälteste Landeshauptmann Österreichs das Zepter übernehmen.

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