Chronik | Österreich
23.06.2018

2018 wird teuerstes Unwetterjahr

Starkregen-Saison startete heuer unerwartet früh. Das treibt die Kosten der Versicherer nach oben.

Der bisher heißeste Tag dieses Jahres ging so zu Ende, wie es Meteorologen vorausgesagt hatten: Starkregen, Gewitter, Hagel und Sturm kühlten Donnerstagabend den offiziellen Sommerbeginn nicht nur markant ab, sondern forderte erneut Hunderte Feuerwehrleute.

Stark betroffen war wieder einmal die Steiermark, hier gab es 100 Einsätze: Binnen Minuten fielen in Teilen von Weiz und Hartberg-Fürstenfeld bis zu 53 Liter Regen pro Quadratmeter, Sturm fegte mit Spitzengeschwindigkeiten von 80 km/h durch die Oststeiermark.

Das hatte Folgen. In Gnas stürzte ein Baum direkt auf die Motorhaube eines Pkw. Die vier Insassen, 17 bis 32 Jahr alt, erlitten einen gehörigen Schreck, wurden aber zum Glück nur leicht verletzt. In derselben Gemeinde fällt das Baden im Freibad vorerst aus: Zwei Millionen Liter Wasser müssen abgepumpt und ersetzt werden nach dem Unwetter war das Becken verschlammt. In den Bezirken Murtal, Weiz und Graz-Umgebung müssen wieder zahlreiche Hänge abgesichert werden, die zu rutschen drohen.

Drei Mal so hoch

Die diesjährigen Wetterkapriolen treffen auch die Versicherungswirtschaft enorm. In der Steiermark zahlte etwa die Wiener Städtische heuer bisher 3,3 Millionen Euro an Leistungen aus Versicherungsschutz für Folgen von Naturkatastrophen aus die dreifache Summe im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahrs. Österreichweit wurden heuer schon 50 Millionen Euro an Schäden gemeldet. „Dabei hat die Saison noch gar nicht angefangen“, betont Generaldirektor Robert Lasshofer. Üblicherweise ginge es mit Meldungen über Schäden nach Regen, Gewitter und Sturm erst mit Juni oder Juli los, heuer aber schon im April.

108 Millionen Euro zahlte die Wiener Städtische ihren Kunden im Vorjahr aus. „Wir rechnen damit, dass das heuer noch steigen wird“, überlegt Lasshofer. Dabei galt 2017 schon als Rekordjahr. Zum Vergleich: Die bei seinem Institut gemeldeten Versicherungsschäden nach dem sogenannten Jahrhunderthochwasser 2002 in Ostösterreich beliefen sich auf 65 Millionen Euro.

Dazu kommt: Die Österreicher sorgen diesbezüglich noch zu wenig vor. Bei der Wiener Städtischen haben nur zehn Prozent der Kunden eine entsprechende Versicherung. Lasshofer regt an, eine generelle Versicherungspflicht auch für Unwetterschäden einzuführen. In der Schweiz funktioniere das sehr gut.