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Chronik Österreich
02/12/2019

170 Meter lange Rutschpartie durch den Grazer Schlossberg

Zuweilen geht es rasant abwärts im Leben. Das erfuhren auch Politiker beim Test von „The Slide“.

von Elisabeth Holzer

Da half dann keine noch so galante Ausrede, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer kam um den Test nicht herum  - und wenn er noch so sehr auf ein Limit von „100 Kilo Körpergewicht“ pochte. Also war der ÖVP-Landeschef der erste Prominente, der in der 170 Meter lange Rutsche abwärts sauste. „Eine Landtagssitzung ist mir lieber“, kommentierte Schützenhöfer danach hörbar außer Atem. „Aber als Politiker brauchst Mut.“

In nur fünf Monaten Bauzeit hat die Unternehmerfamilie Andreas, Ernst und Wolfgang Diesel die jüngste Grazer Attraktion aus dem Boden gestampft oder vielmehr: in den Schlossberg gewickelt. Die Schlossbergrutsche „The Slide“ ist 64 Meter hoch und damit laut Betreibern die „höchste Indoor-Underground-Rutsche weltweit“. Der Bau kostete 1,5 Millionen Euro, die Länge der Bahn beträgt 170 Meter, das Tempo liegt zwischen 25 und 30 km/h.

Gerutscht wird liegend auf Matten mit einer Öffnung, in die man Beine und Taschen steckt. Die ersten paar Meter sind durchaus gemächlich, wie Journalisten am Dienstag selbst erfahren: Die Röhre ist dunkel, wechselt ein paar Mal die Drehrichtung und wickelt sich sogar um den Schlossberglift, dabei legt man an Tempo zu. Richtig schnell wird es kurz vor dem Ende: Es geht steil bergab. Wer sich dann noch nach oben schauen traut, sieht das Berginnere durch die nun durchsichtige Röhre.

Fünf Euro pro Fahrt

Offiziell freigegeben wird die Rutsche am 20. Februar. Ein Ticket kostet fünf Euro, es gibt ein Online-Anmeldessystem (www.schlossbergrutsche.at ) „Alle warten drauf. Der Ansturm wird sehr groß sein“, schätzte Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP. „Letztens Endes ist es aber auch eine touristische Attraktion.“

Die Rutsche ist seit Langem wieder einmal etwas Neues im alten Festungsfelsen: 2000 wurde der Schlossberglift eröffnet, 2020 soll das Museum in der Kanonenbastei eröffnet werden.

Die Rutschentester hatten am Dienstag ihren Spaß. „Meine Lieben, das ist nicht ohne“, witzelte der Stadtchef nach seiner ersten Rutschpartie. Start ist unter dem Uhrturm, Ziel beim Schlossberglift. Mit dem Lift kommt man zum Einstieg, es gibt eine eigene Haltestelle. Der schnellste Rutscher war im Probebetrieb 36,2 Sekunden unterwegs. Wäre es ein Wettrennen gewesen, hätte der Landeschef den Bürgermeister geschlagen: Schützenhöfer brauchte 36,8 Sekunden, Nagl 39,6.