Chronik | Oberösterreich
04.03.2018

Yin und Yang beim Essen

Ich gebe zu, ich habe keine Ahnung von traditioneller chinesischer Medizin, kurz TCM. Dennoch hat sie einen Platz in meinem Leben, immer wieder überweise ich Patienten zur Akupunktur, während meiner Schwangerschaft habe ich moxibustiert und für mein inneres Gleichgewicht praktiziere ich regelmäßig QiGong.

In der vergangenen Woche habe ich eine weitere Erfahrung mit der TCM gemacht. Schon öfter habe ich gehört, dass man im Winter keine Milchprodukte frühstücken sollte, weil diese den Körper auskühlen würden. Beim Nachlesen erfuhr ich, dass wie in sämtlichen anderen Bereichen auch Lebensmittel in Yin und Yang unterteilt werden. Diese stellen einerseits Gegensätze dar, ergänzen sich allerdings auf der anderen Seite und bilden so ein dynamisches Gleichgewicht, das Qi. Damit kann die Lebensenergie fließen. In der chinesischen Ernährungslehre steht Yin für Kälte und Flüssigkeit, Yang für Wärme und Trockenheit.

Probe aufs Exempel

Im Skiurlaub habe ich die Probe aufs Exempel gemacht. Als Sportlerfrühstück schlechthin gilt das Müsli. Joghurt wird dem Yin zugeordnet und sollte somit kühlen. Tatsächlich habe ich trotz zügigen Fahrens und wenigen Verschnaufpausen im Sonnenschein gefroren. Tags darauf gab es für mich Ei und Honigbrot, Lebensmittel aus dem neutralen Bereich. Bei denselben Bedingungen waren meine Zehen bis zum Abschwingen warm.

Auch die heimischen "Kräuterhexen" kennen natürlich die wärmende Wirkung von diversen Nahrungsmitteln. Zwiebel, Knoblauch und Paprika finden sich nicht umsonst in winterlichen Eintöpfen. Diese gelten im Übrigen in der TCM sogar als heiß.

Apropos, falls Sie den Einkehrschwung besonders gut beherrschen: Champagner gehört in die Gruppe der Yangs, Bier zu den Yins!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell