Chronik | Oberösterreich
14.01.2018

Wirte stellen sich gegen Alkoholkontrollen: Reduktion auf Skifahrer nicht haltbar

Gastronom Thomas Mayr-Stockinger will weiterhin Entscheidungsfreiheit für die Konsumenten.

Mit der Forderung nach Routinekontrollen bei jedem Skiunfall mit Verletzung lässt Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser aufhorchen. Auf Unverständnis stößt er bei Thomas Mayr-Stockinger, Obmann-Stellvertreter der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Oberösterreich und Obmann der Fachgruppe Gastronomie Oberösterreich. Er befindet diesen Vorschlag für "nicht praxistauglich".

Alle tragen Schaden mit

Niedermoser "will klar und deutlich sagen: Ein Unfall unter Alkoholeinfluss ist kein Kavaliersdelikt und definitiv vermeidbar". Mit dem Alkoholkonsum steigen sowohl die Risikobereitschaft, als auch die Selbstüberschätzung. "Dieser Effekt tritt bereits ab etwa 0,2 Promille ein." Niedermoser spricht von einem hohen volkswirtschaftlichen Schaden, den die Zivilgesellschaft über Krankenstände, dementsprechende Vertretungen und das Sozialversicherungssystem mittragen müsse.

Stichprobenartige Alkoholkontrollen auf der Skipiste bringen laut Niedermoser "nichts". Eine Kontrolle nach jedem Skiunfall mit Verletzung sei zwar "schwierig, aber nicht unmöglich. Ich will zum Nachdenken anstoßen", meint im Gespräch mit dem KURIER. Ihm gehe es vor allem um Aufklärung und Bewusstseinsbildung für mögliche Folgen. Man müsse einen korrekten und sorgsamen Umgang mit den Dingen finden, die man tut. Ein Vergleich zum Rad- und Autofahren und mit der Straßenverkehrsordnung liegen nahe. "Auch für alkoholisierte Radfahrer gibt es Konsequenzen in Bezug auf den Kfz-Führerschein", sagt Niedermoser. "Man sollte die Dinge ausschließen, die vermeidbar sind." Der übermäßige Alkoholkonsum sei einer dieser Faktoren.

Nicht praxistauglich

"Für mich stellt sich die Frage, wo die Grenze ist", sagt Mayr-Stockinger gegenüber dem KURIER. Ein Resultat der Forderung Niedermosers wären seiner Meinung nach generelle Alkoholkontrollen bei Arztbesuchen nach Unfällen, auch bei jenen, die in der übrigen Freizeit passieren oder in der Arbeit. "Eine Reduktion auf Skifahrer halte ich nicht für praxistauglich und weit weg von der Realität." Mayr-Stockinger findet Sport als guten Ausgleich zu den vielen sitzenden Tätigkeiten und der Bildschirmarbeit. "Aber der Körper soll nicht überstrapaziert werden. Möglicherweise gibt es eher mehr Unfälle, je länger ein Tag auf der Skipiste dauert, je müder die Wintersportler werden und je mehr sich überfordern."

Von einem generellen Alkoholverbot hält der Gastronom und Hotelier nichts. "Jeder muss selbst wissen, was gut für ihn ist. Wir haben selbstverständlich auch ein Angebot an alkoholfreien Getränken." Außerdem sei es besser, es gibt einen Ort, an dem Getränke konsumiert werden. Dadurch sinke die Wahrscheinlichkeit, dass jemand beginnt, mitten auf der Piste mitgebrachten Alkohol zu konsumieren.

Die seit Jahrzehnten existierenden Verhaltensregeln des internationalen Sportverbands FIS sind ein Maßstab für "sportgerechtes Verhalten und für sorgfältigen und verantwortungsbewussten Umgang". Ziel ist das Vermeiden von Unfällen auf Ski- und Snowboardabfahrten. Der Umgang mit Alkohol wird nicht angesprochen.

Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit gab es im Jahr 2016 in Österreich rund 23.100 verletzte Skifahrer. 4300 verletzte Snowboarder mussten ebenfalls im Krankenhaus nachbehandelt werden. Ein überwiegender Anteil der Unfälle sind selbst verschuldet. Laut Schätzungen des Kuratoriums haben sich insgesamt etwa 3500 Personen in Oberösterreich verletzt. Die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss ist unbekannt.