Chronik | Oberösterreich
20.05.2018

"Will über 70 Meter werfen und Medaille"

Der Innviertler Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger ist vor der Europameister - schaft gut drauf. Er hat den österreichischen Rekord um einen Meter verbessert.

„Wenn drei oder vier Athleten über sich hinauswachsen wird es eng, bei de r Europameisterschaft eine Medaille zu machen.“ Lukas Weißhaidinger (26) aus Taufkirchen an der Pram ist Österreichs Leichtathletik-Aushängeschild. Der 1,97 Meter große und 142 Kilogramm schwere Diskuswerfer lebt in Wien, verbringt aber Möglichkeit jedes Wochenende zu Hause. Er trainiert gemeinsam mit dem Direktor des Leichtathletikverbands Gregor Högler (45) im Bundessport- und Freizeitzentrum Südstadt.

Dort steht ihm ein eigener Raum für Kraftgeräte, eine Halle mit Kraftraum, ein Wurfplatz im Freien und dazu Massage zur Verfügung. „Hier habe ich beste Voraussetzungen, um mich ständig, Meter für Meter, nach vorne zu arbeiten.“ In das Europameisterschaftsjahr 2018 ist der Innviertler gut gestartet. Erst Mitte April hat er auf Teneriffa einen neuen österreichischen Rekord im Diskuswurf aufgestellt. Die von ihm gehaltene Bestmarke von 67,24 Meter konnte er um fast einen Meter auf 68,21 erhöhen. Mit dem Sieg in Santa Cruz hat er sich kurzfristig an die Spitze der europäischen Bestenliste und Position drei in der Weltrangliste gesetzt. Saisonhöhepunkt ist die Europameisterschaft im August in Berlin. Wichtig sei bei einem Großereignis wie Welt- oder Europameisterschaften die Qualifikation zu schaffen, so der Topathlet. „Das ist schwierig, weil man unter die besten zehn Athleten hineinwerfen muss. Mentales Training ist dabei sehr wichtig.“ Die besten Trainingsmöglichkeiten dafür seien die zahlreiche Wettkämpfe, die er ab Anfang Juni bestreiten wird. Darunter die Austrian Top-Meetings in Ried, Andorf und Linz. „Nach Linz werden wir dann sogenannte Ausreißer trainieren.“ Als Ausreißer wird ein besonders guter Wurf bezeichnet, mit dem der Athlet im letzten Durchgang noch einmal drauflegen und somit kontern kann. „Im Wettkampf hat man sechs Versuche, einer sollte besonders weit sein. Bei der Europameisterschaft geht es nicht darum, solide zu werfen, sondern einen Überraschungsangriff zu starten, um noch einmal ein bis zwei Meter weiter als die Konkurrenz zu werfen.“

Aus Europa kommt traditionell die Spitze des Diskussports. Der Litauer Andrius Gudzius wurde 2017 Weltmeister. „Es wird ein harter Kampf werden. Favorit kann sich keiner nennen, am ehesten noch der Weltmeister. Neben einer Medaille bei Großereignissen möchte ich auch einen Wurf über 70 Meter schaffen.“ Ein Athlet müsse zwei bis drei Großereignisse bestritten haben, um im Moment „X“ Topleistungen bringen zu können, erklärt Trainer Högler. „Ich arbeite mit Lukas seit 2015 zusammen. 2016 hatte er bei den Olympischen Spielen im Vorfeld einen gebrochenen Fuß. Voriges Jahr bei der Weltmeisterschaft hatte er einen Virus und lag zwei Wochen im Bett. Dennoch brachte Lukas solide Leistungen.“ Diskus sei eine technische Disziplin, bei der man jahrelang trainieren muss, um sich die Weite zu erarbeiten, erklärt Högler. „Da sammelt man im Jahr 8000 bis 10.000 Würfe, die der Körper kompensieren muss. Gleich nach dem Erreichen des sechsten Platzes in Rio 2016 haben Weißhaidinger und Högler ein neues Trainingsgerät entwickelt. Das Krafttrainingsgerät aus Edelstahl, kurz KTG, ist 600 Kilogramm schwer. Mit der Maschine kann Weißhaidinger die Wurfbewegung simulieren. „Das Gerät bringt Lukas zu weiten Würfen, bei denen er sich nicht verletzen kann“, ist Högler vom Nutzen dieses Gerätes überzeugt. Ohne dem KTG könnten in einer Stunde maximal 50 Würfe durchgeführt werden. „Nun können wir in einer Stunde bis zu 500 Abwürfe simulieren. Wir haben das Gerät auch gebaut, um vor allem den Körper zu schonen, also die Sehnen und Bänder. Auch Massagen und Physiotherapie sind wichtig.“

Das Projekt Olympia, finanziert vom Sportministerium, deckt den Großteil der Rehabilitation ab. „Die Individualförderung der Athleten ist notwendig, um eine internationale Chancengleichheit zu haben. Zwei Massagen und eine Physiotherapie kosten täglich 300 bis 400 Euro.“

Bescheiden

Weißhaidinger freut sich über die Unterstützung und bleibt bescheiden. „Ich weiß meine Leistungen durchaus richtig einzuschätzen. Ich weiß aber auch, wann es an der Zeit ist zu schweigen und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist, nämlich weit zu werfen. Dann kann man sich auch einmal feiern lassen.“

Im Diskus könne man auch im Alter von 30plus noch Topleistungen bringen. „30-Jährige sind noch lange nicht am Zenit, ganz im Gegenteil, da kommt erst die Erfahrung ins Spiel. Bis Olympia 2024 in Paris bin ich sicher dabei, dann wird man sehen, wie es mir körperlich geht.“ In den erlernten Beruf des Maschinenbaukonstrukteurs will er nicht zurück. „Ich würde gerne mein im Sport erlerntes Wissen weitergeben, das sehe ich als meinen Sinn des Lebens.“