Chronik | Oberösterreich
27.03.2012

Wieder Hakenkreuze auf Flohmarkt

Auf dem Linzer Trödelmarkt wurden neuerlich Waren angeboten, die gegen das Abzeichengesetz verstoßen: Anzeige.

Der holländische Chemie-Manager Wim Vorage ist ein begeisterter Flohmarkt-Käufer. Am 10. März besuchte er den traditionellen Trödelmarkt auf dem Linzer Hauptplatz, um lustvoll in den feilgebotenen Raritäten, Antiquitäten und Skurrilitäten zu stöbern.
Das Vergnügen fand aber ein jähes Ende, als er zu einem Marktstand kam, auf dem ausschließlich Bücher und Zeitschriften über das Dritte Reich angepriesen wurden. Nach oberflächlicher Sichtung, wurde dem 60-Jährigen rasch klar, dass das  Dargebotene nicht unbedenklich war. „Es waren auch Werke darunter, die offenbar gegen das Abzeichengesetz verstießen", betont Vorage. Auf mehreren Büchern hatte der Händler zwar vorsorglich Zettel mit dem Hinweis „Nur für wissenschaftliche Zwecke" angebracht, doch die gelten als wirkungslos.   Vorage fotografierte das einschlägige Sortiment samt dessen Verkäufer und schickte die Aufnahmen an die Polizei und die zuständige Stadträtin Susanne Wegscheider (VP).

Strenge

„Ich bin bestürzt. Wir haben absolut kein Interesse, dass auf unserem beliebten Flohmarkt Waren angeboten werden, die Ewiggestrige anziehen", betont Wegscheider. Sie habe sofort den Magistratsdirektor eingeschaltet, damit der verdächtige Händler vorerst keinen Standplatz mehr erhält. „Schließlich geht es um den guten Ruf des Marktes und das Image der Stadt Linz."
Die Stadträtin fordert empfindliche Strafen für schwarze Schafe, die sich nicht an die Flohmarkt-Ordnung halten. Demnach dürfte mit Nazi-Propaganda und NS-Devotionalien nicht gehandelt werden. „Wir werden das aber abstellen und mit aller Strenge handhaben."
Bereits im Dezember 2010 und im Juni 2011 war es zu ähnlichen Verstößen gekommen – auch damals wurden Händler überführt und angezeigt. „Es ist schwer verständlich, dass trotz  der damaligen Vergehen Marktaufsicht und Polizei noch immer nicht genauer hinschauen. Man muss sich daher fragen, ob das vielleicht doch zu wenig ernst genommen wird", kritisiert Antifa-Sprecher Robert Eiter.