Wie schaffe ich das, fragen sich manche im Job und in der Familie

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Chronik Oberösterreich
01/18/2021

Wenn Augen brennen, jucken und müde sind

Das „Office-Eye- Syndrom“ sorgt für trockene, überlastete Augen – auch wegen langer Bildschirmzeiten. Immer öfter sind junge Menschen betroffen

von Claudia Stelzel-Pröll

Und plötzlich sind schon wieder ein, zwei, drei Stunden vor dem Bildschirm vergangen. Kein Wunder, dass sich unsere Augen früher oder später bemerkbar machen. Symptome wie Jucken, Brennen, Müdigkeit sowie verschwommenes Sehen und Kopf-, Nacken- und Augenschmerzen werden unter dem Begriff des „Office-Eye-Syndroms“ zusammengefasst. Dieses Syndrom beschreibt nichts anderes als eine Überlastung des Auges durch stundenlange Bildschirmarbeit.

Homeschooling & Co.

„Ja, dieses Syndrom war in den vergangenen Monaten bei mir in der Praxis gehäuft zu beobachten. Erstaunlich ist, dass erstmals auch vermehrt Kinder und Jugendliche davon betroffen sind. Natürlich sitzen Schülerinnen und Schüler sowie Studierende derzeit aufgrund von Homeschooling & Co. viel mehr vor dem Bildschirm als sonst. Das wirkt sich negativ auf die Augen aus“, sagt Paul Niederberger, Augenarzt in Traun und Fachgruppenvertreter für Augenheilkunde und Optometrie der Ärztekammer OÖ.

Der permanente, starre Blick auf den Bildschirm lässt den Reflex des Lidschlages zur Befeuchtung der Augen aussetzen. Dazu kommen in der kalten Jahreszeit die trockene Heizungsluft und der oft wenig augenfreundlich gestaltete Arbeitsplatz.

„Die mangelnde Feuchtigkeit im Auge ist nicht nur unangenehm, sie kann auch ernste Folgen mit sich ziehen. Denn eine trockene Hornhaut ist anfälliger für Verletzungen, Hornhaut- und Bindehautinfekte. Die Kontaktlinsenverträglichkeit ist herabgesetzt und es können sich Komplikationen am Auge entwickeln“, sagt der Experte, aber: „Es gibt viele Möglichkeiten, das Auge zu entlasten.“.

Hilfe bei Beschwerden

Und wenn es schon Beschwerden gibt, sorgen Helferlein für Abhilfe: „Es gibt sehr gute Augensprays, Tropfen oder Cremen, die die Augen pflegen und mit Feuchtigkeit versorgen. Da muss auch niemand Angst haben, dass man davon süchtig wird oder sich das Auge daran gewöhnt. Es gibt Studien dazu, die belegen, dass selbst eine jahrzehntelange Anwendung von Augentropfen das Auge nicht negativ beeinflusst.“

Diese Angst müsse er vielen Patienten täglich in seiner Praxis nehmen: „Ich erkläre dieses Office-Eye-Syndrom sehr ausführlich. Die Menschen müssen wissen, dass es an sich nichts Bedrohliches ist und wie man sich bei Beschwerden Abhilfe schaffen kann. Im Übrigen ist das der häufigste Grund, warum Menschen einen niedergelassenen Augenarzt aufsuchen. Nicht, wie oft vermutet, Fehlsichtigkeit“, sagt Paul Niederberger.

Aktuell klagen auch einige Patienten über trockene Augen durch den Mund-Nasen-Schutz, so der Experte: „Das gibt es tatsächlich. Wenn die Maske nach oben hin nicht gut abdichtet, entsteht ein Kamineffekt, der das Auge austrocknen kann.“

Wer viel im Freien ist, schont die Augen

Sieht man sich an, wie sich die Mediennutzungszeit in den vergangenen Jahren verändert, sprich verlängert hat, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass auch die Fehlsichtigkeit zugenommen hat. Das kann Augenarzt Paul Niederberger so nicht bestätigen: „Studien sprechen eine klare Sprache: Bildschirme aller Art können alleine  keine Fehlsichtigkeit verursachen. Es gibt dazu allerdings die umgekehrte Information, ebenfalls durch eine Studie belegt: Kinder, die sich viel im Freien aufhalten, leiden seltener unter Kurzsichtigkeit und brauchen seltener eine Brille als jene Kinder, die sich vermehrt drinnen aufhalten. Das liegt daran, dass im Freien das Auge viel in die Ferne sieht.“
Das lasse sehr wohl den Schluss zu, dass Naharbeit, die wir vorrangig drinnen erledigen, also lesen, fernsehen, basteln, handarbeiten, ja auch Computerspielen,  eine Fehlsichtigkeit begünstigt, aber der Bildschirm alleine ist nicht der auslösende Faktor.
Viele Menschen empfinden allerdings genau diese trockenen, überlasteten, müden Augen als sehmindernd. Dabei seien das zwei verschiedene Dinge, so Niederberger.

Little boys attending to online school class.

Entspannung für zwischendurch

Wir merken es ja selber am besten, wenn es den Augen zu viel wird. Wer lange vor dem Bildschirm sitzt, tut gut daran, seinen Augen regelmäßig eine Pause zu gönnen. „Ich rate  dazu, alle 45 Minuten den Bildschirm für 10 Minuten zu verlassen. Dann sollte man aber nicht auf dem Handy schnell Nachrichten kontrollieren. Das macht keinen Sinn“, sagt Paul Niederberger, niedergelassener Augenarzt in Traun. Sinn machen hingegen drei einfache Tipps, die jederzeit und überall einfach zwischendurch zur Entspannung angewendet können:

  • In die Ferne schauen  Bildschirmarbeit belastet die Augen, weil sie oft zwischen verschiedenen Distanzen adaptieren müssen. Deswegen den Blick in die Ferne schweifen lassen.
  • Blinzeln Wer viel und oft blinzelt, verteilt die vorhandene Tränenflüssigkeit besser.
  • Achter nachfahren Wer mit geschlossenen Augen einen Achter nachfährt, gönnt seinen Augen ein kleines, wohltuendes  „Work-out“.
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