Chronik | Oberösterreich
25.02.2018

Wenig erforscht: Nahrung und Krebserkrankung

Laut Medizinern ist die französische Studie zu wenig aussagekräftig.

Ärzte aus Oberösterreich schätzen die im Fachjournal British Medical Journal publizierte französische Studie von Thibault Fiolet als guten Hinweis ein, der jedoch wenig aussagekräftig sei. Laut Fiolets Studie erhöht ein zehn Prozent gesteigerter Anteil an industriell hergestellten Lebensmittel das Krebsrisiko um mehr als zehn Prozent.

"Es ist gut, dass es diese Studie gibt. Aber der Schluss ist begrenzt, den sie zulässt", meint Primar Rainer Schöfl, Gastroenterologe am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, im Gespräch mit dem KURIER. Es sei lediglich ein Hinweis, den die Studie gebe. "Die Sicherheit der Aussage ist vergleichsweise gering und der Effekt ist auch nicht besonders groß." Beeindruckend würde er es finden, wenn es das Fünffache ausmachen würde. Wenn in einer Studie eine Assoziation festgestellt wird, heiße das, dass zwei Dinge aufgetreten sind. Es heiße aber nicht, dass sie miteinander zu tun haben. Schöfl meint, eine gleiche Verteilung der Faktoren wäre viel aussagekräftiger. Gleich viele Menschen sollten über einen Zeitraum von fünf Jahren je natürliche Nahrungsmittel oder stark verarbeitete Nahrung erhalten. Danach sollten die in diesem Zeitraum aufgetretenen Krebsfälle gezählt werden. Die Effekte anderer Risikofaktoren für die Krebsentstehung sei zu beachten.

Ähnlich sieht das auch Angelika Reitböck. Sie ist Referentin für Vorsorge- und Gesundheitsmanagement in der Ärztekammer Oberösterreich. Diese Studie schärfe einmal mehr das Bewusstsein. Sie berücksichtige Daten vieler Teilnehmer über einen längeren Zeitraum. "Aber es wird weitere Studien brauchen, um die Resultate zu bestätigen, heraus zu finden, was tatsächlich die Ursache ist und welche Auswirkungen es gibt", sagt sie gegenüber dem KURIER.

Kritisiert wird Fiolets Studie auch international. Adriana Monge und Martin Lajous vom Nationalen Gesundheitsinstitut von Mexiko schreiben auf der Website des British Medical Journal, die Studie "beantworte manche, aber nicht alle wichtigen Fragen". Außerdem könne man nicht ausschließen, dass Faktoren wie wenig Bewegung eine Rolle beim Ergebnis spielen, obwohl diese Faktoren weitestgehend heraus genommen wurden.

Ian Johnson vom englischen Quadram Institute Bioscience meinte, man habe die Definition des industriell gefertigten Essens zu weit gefasst, wodurch unklar bleibe, was genau krebserregend sei.

Wenn es nach Tom Sanders vom Londoner King’s College geht, sollte selbst gemachtes oder handwerklich hergestelltes Essen mit einbezogen werden. Beispiele seien Kuchen, Käse, Fleisch oder Dosengemüse.