Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Bankomatensprengung: Schuldsprüche im Welser Prozess

Ein 28-Jähriger wurde zu drei Jahren teilbedingt rechtskräftig verurteilt. Die zwei Jahre Haft für 37-Jährigen sind nicht rechtskräftig.
Das Landesgericht und die Staatsanwaltschaft Wels befinden sich in einem verzierten, hellen Gebäude.

Der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder einer Bankomatensprengerbande aus den Niederlanden ist am Mittwoch in Wels mit nur zwei statt der ursprünglich vier Angeklagten beendet worden.

Die verbliebenen zwei wurden zu zwei Jahren unbedingter und zu drei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Nur die teilbedingte Strafe ist rechtskräftig.

Kriminelle Vereinigung

Nachdem bereits Dienstagmittag ein 35-Jähriger aus dem Verfahren ausgegliedert worden war, wurde am Abend auch ein 36-Jähriger ausgeschieden. Von den beiden noch verbliebenen Angeklagten soll einer für die Bankomatensprengung in Wels und der andere für jene in Gmunden im Vorjahr mitverantwortlich sein. Für die Staatsanwältin war klar, dass sie "wussten, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein", was auch das Schöffengericht als erwiesen ansah.

Der 37-Jährige erhielt für die Sprengung in Wels im April 2025, bei der knapp 175.000 Euro Bargeld erbeutet wurden, drei Jahre unbedingt. Sein Geständnis habe nur "sehr, sehr überschaubar" zur Wahrheitsfindung beigetragen, eine teilbedingte Strafnachsicht sei auch aus generalpräventiven Gründen nicht in Frage gekommen. 

Angeklagter: "Sorry für alles, was passiert ist"

Es handle sich um "organisierte Kriminalität", man müsse "ein Zeichen für die Allgemeinheit setzen", so die Vorsitzende Richterin. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Bis zu diesem Verfahren sei der 37-Jährige, trotz Vorstrafen, noch nie in Haft gewesen. Er sei "nur ein Familienvater und kümmerte sich um seinen Vater", habe dafür seine "Karriere aufgegeben", wollte der Anwalt ein mildes Urteil. Auch der Angeklagte versicherte: "Sorry für alles, was passiert ist."

Teilbedingte Haft für Fahrer

Der 28-Jährige, der in Gmunden der Fahrer gewesen war und den Tatort ausspioniert hatte, erhielt als Beitragstäter "eine teilbedingte Haftstrafe im höchstmöglichen Ausmaß", sagte die Richterin. Von drei Jahren Haft ist eines unbedingt. Nachdem der Angeklagte bereits 13 Monate in U-Haft saß, musste er nach Prozessende nicht mehr hinter Gitter.

Laut der Richterin habe er mit seinem "Beitrag zur Wahrheitsfindung unter Umständen sein Leben oder das seiner Familie riskiert". Ein Geständnis mit so "einem Gewicht hat man in einem Strafverfahren selten", stellte sie in der Urteilsbegründung klar.

Die Staatsanwältin riet dann auch den im Saal sitzenden Brüdern des Angeklagten bei der Heimfahrt nach Holland "aufzupassen". Sie sollten schauen, dass sie nicht von einem Auto verfolgt werden, und der 28-Jährige müsse den Wohnort wechseln, so ihre dringende Empfehlung.

Der Verteidiger hatte mehrfach betont, dass sein Mandant als "Frischgfangter" nicht eingeweiht gewesen sei, was nach der Fahrt von den Niederlanden nach Oberösterreich passieren werde. Er habe nur eine "untergeordnete Rolle" gespielt. "Mir tut alles sehr leid", meinte sein Mandant abschließend.

Sieben Bankomaten gesprengt

Ursprünglich waren vier mutmaßliche Mitglieder der Bande angeklagt worden. Sie sollen in unterschiedlichen Konstellationen von April bis Juli 2025 in Wels, Gmunden sowie in Wien und in Brunn am Gebirge insgesamt sieben Bankomaten gesprengt haben. Die Beute betrug rund 650.000 Euro, der Sachschaden war enorm.

Im Fall von Gmunden hatte die Staatsanwaltschaft auch Raub mitangeklagt. Nach der Sprengung, bei der das Fluchtauto zerstört und die Täter ohne Beute davonrannten, raubten die Täter Maturanten ein Auto. Dabei sollen sie diese mit einem Messer bedroht und ihnen eine ätzende Flüssigkeit, Salmiakgeist, ins Gesicht gesprüht haben. 

Gesondertes Verfahren

Jener Angeklagte, der unmittelbar daran beteiligt gewesen sein dürfte, wird sich nach dem Ausscheiden aus der Hauptverhandlung nun in einem gesonderten Verfahren dafür verantworten müssen. Ebenso jener Verdächtige, der in Wien und Brunn am Gebirge mit weiteren, teils noch flüchtigen Komplizen zugeschlagen haben soll.

Kommentare