Der Maibaum als Phallussymbol, die KrĂ€nze symbolisieren den weiblichen Schoß

© EPA/LUKAS BARTH

Kolumne
04/30/2021

Walpurgis ist die Nacht der wilden Weiber

Die Walpurgisnacht am 30. April ist ein Fruchtbarkeitsfest und eine Zeit der Freudenfeuer. Von Ursula Asamer.

Der Ursprung der Walpurgisnacht am 30. April geht auf die uralte Tradition von Fruchtbarkeitsfesten und Freudenfeuer zurĂŒck. Es wurde ausschweifend gefeiert, musiziert und getanzt. Die Lust wurde hochgehalten in dieser Nacht. Unsere Vorfahren, die Kelten, begrĂŒĂŸten den Anfang des Sommers.

Alles sprießt

Die Natur feiert ebenfalls Hochzeit zum Beginn des Wonnemonates Mai. Die FrĂŒhlingsgefĂŒhle sprießen, die BlĂŒtenknospen der BĂ€ume machen sich bereit, um bestĂ€ubt zu werden. Eine sinnliche, erwachende und ĂŒberschĂ€umende Lebenskraft zeigt sich nicht nur in der Natur. Der Maibaum, der vielerorts in dieser Nacht aufgestellt wird, gilt als Liebessymbol und so mancher Mann beeindruckt seine ZukĂŒnftige beim Wettbewerb des Maibaumbesteigens.

MaibÀume

MaibĂ€ume, frĂŒher sehr oft eine Birke, spĂ€ter dann meist eine Fichte, mussten seit dem Mittelalter geschĂ€lt werden, damit sich keine Hexen unter der Rinde verbergen konnten. SpĂ€ter erklĂ€rte man das SchĂ€psen als notwendig, damit sich die Maibaumkraxler nicht verletzen. Der Kranzschmuck an der Krone des Maibaumes kann als Sinnbild des weiblichen Schoßes gesehen werden, der sich mit dem Baumstamm, dem Phallussymbol, vereint.

Kirche entzog die Erotik

Im Zuge der Christianisierung wurde dem Fest die freizĂŒgige Erotik entzogen und das Datum auf den 30. April festgesetzt. In dieser Nacht hatte auch das Haus- und StallausrĂ€uchern zu Reinigungszwecken und Seuchenabwehr Tradition. Wenn weder das Besteigen eines Maibaumes noch ein Lagerfeuer möglich sind, bietet sich ein RĂ€ucherritual fĂŒr diese wilde Nacht an. Ein Glas Maitrank mit Waldmeister und perlendem Wein nach den Beschreibungen aus dem 9. Jahrhundert bringt zusĂ€tzlich in die richtige Stimmung.

Duftendes RĂ€ucherwerk

Duftendes RĂ€ucherwerk fĂŒr das Mondfest zu Walpurgis könnte sein: Birkenrinde fĂŒr das Neue und die Leichtigkeit, Frauenmantel fĂŒr die Liebe, die Hingabe und das Mysterium der Weiblichkeit, HolunderblĂŒten fĂŒr die Segnung, den richtigen Zeitpunkt des Wandels und fĂŒr WohlfĂŒhlatmosphĂ€re, MuskatellersalbeiblĂ€tter- und -blĂŒten als liebesförderndes Aphrodisiakum. Der Pflanzengeist des Muskatellersalbeis erleichtert auch VerĂ€nderungen und schenkt Lebensfreude. Und letztendlich der Waldmeister fĂŒr den Leichtsinn.

Zunderschwamm

VerrĂ€uchert wird auf angeglĂŒhtem Zunderschwamm, der die richtige Temperatur fĂŒr die feinen KrĂ€uter erbringt. Zunderschwamm als naturbelassene RĂ€ucherunterlage findet sich auf Totholz im Wald, sehr oft auch auf bereits gefĂ€llten Buchen. Die KrĂ€uter sind in getrockneter Form auch im KrĂ€uterhandel und in der Apotheke erhĂ€ltlich.

Ursula Asamer ist KrÀuterpÀdagogin und Natur- und Landschaftspflegerin

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