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Chronik Oberösterreich
05/12/2012

Vom „Plastic Valley“ ins Mühlviertel

Das Medizintechnik-Unternehmen Greiner Bio One hat mehr als 40 Millionen Euro in den Standort nahe Freistadt investiert.

von Daniel Voglhuber

Vor drei Jahren streckte der Medizintechnik-Spezialist Greiner Bio One mit Sitz in Kremsmünster seine Fühler nach einer neuen Produktionsstätte außerhalb des „Plastic Valleys" in Oberösterreichs Süden aus. Fündig wurde das Unternehmen in Rainbach im Mühlkreis, wo es seither über 40 Millionen Euro investiert hat. Dort arbeiten umgeben von einer sanften Hügellandschaft seit Juli 2009 die   Maschinen auf Hochtouren. Rund 80 Millionen Petrischalen für medizinische Untersuchungen in Spitälern produziert die Firma in der Gemeinde, die über  Freistadt thront. Außerdem fertigt sie Sicherheitsprodukte für ein spezielles Blutentnahmesystem. Pro Jahr verbraucht die Firma am Standort  beachtliche 2000 Tonnen Granulat.

Umsetzung

Beachtlich war auch die Zeitspanne, in der das Werk auf der grünen Wiese entstand. Es wurde in nur neun Monaten  hochgezogen. Der Grund für die Eile war ein Auftrage eines großen Kunden. „Wir hatten an den anderen Produktionsorten keinen Kapazitäten mehr frei. Allerdings haben wir zugesagt, in einem Jahr produktionsfähig zu sein", sagt Rainer Perneker, der Geschäftsführer der Greiner Bio One. Auch Ungarn sei als Standort ins Auge gefasst worden.

Angefangen von der Lokalpolitik bis hin zur TMG, der Standort- und Innovationsagentur des Landes Oberösterreich hatten alle großes Interesse daran, die Produktionsstätte in die wirtschaftlich eher strukturschwache Gegend zu holen. „Wir haben verschiedene Förderungen bekommen, unter anderem auch eine für die fachspezifische Qualifikation der Mitarbeiter." Denn anders als in  Kremsmünster habe es im Mühlviertel wenige mit einer Kunststoff-Ausbildung gegeben. Insgesamt sind heute in Rainbach 134 Menschen, darunter  12 Lehrlinge, beschäftigt. 90 Prozent der Mitarbeiter stammen aus der Region.  Gleich zu Beginn habe es viel mehr Bewerbungen als  Stellen gegeben. „Wir waren  überrascht, wie groß das Interesse war."

Neben der  Produktionshalle steht seit Oktober 2010 auch ein Forschungszentrum. Ein weißer Mantel und blaue Plastiküberzüge für die Schuhe sind oberstes Gebot, betritt man  die Laborräume. Es muss sauber sein, denn hier werden maßgebliche  Erfindungen gemacht. „Vor einem Monat haben wir einen Schnelltest für  die MRSA-Infektion vorgestellt, die durch resistente Krankenhauskeime hervorgerufen wird", erklärt Florian Winner, Geschäftsführer der Bio One Tochter Lambda. Das Unternehmen hat sich auf Infektionsdiagnostik spezialisiert. Im selben Haus ist auch das Clinical Research Laboratory untergebracht, das sich insbesondere der Entwicklung von Speicheltests verschrieben hat.

Und so kommt es, dass hoch qualifizierte Menschen ihren Arbeitsplatz in Rainbach gefunden haben. „Viele Mühlviertler, die bei uns   sind, waren vorher in Wien oder Salzburg und wollten zurück in die Heimat. Nur gibt es beispielsweise kaum Stellen für Molekularbiologen in  Oberösterreich", sagt Winner. Ohne die Arbeitsmöglichkeiten hätten sie  nicht zurückkommen können.

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