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Chronik Oberösterreich
09/06/2020

„Vollbetrieb im Herbst ist das erklärte Ziel“

Die Corona-Ampel gibt vor, welche Maßnahmen an Schulen zu setzen sind. Komplette Schließungen sollen vermieden werden

von Claudia Stelzel-Pröll

Es gibt derzeit viele Eltern, die auf Nadeln sitzen, weil sie nicht wissen, was sie ab 14. September erwartet: Muss das Kind sofort abgeholt werden, sollte es während des Unterrichts niesen? Ein dezenter Huster in der Früh und der Schultag fällt flach?

„So ist das für die kommenden Wochen und Monate nicht angedacht“, beruhigt der Bildungsdirektor des Landes OÖ, Alfred Klampfer. „Uns ist natürlich bewusst, dass der Herbst die Zeit der klassischen Verkühlungen ist. Unser erklärtes Ziel für Oberösterreichs Schulen ist aber der Vollbetrieb.“

So normal wie möglich

Zu Schulschließungen soll es also nur im äußersten Notfall kommen. Das bestätigte auch Bildungslandesrätin Christine Haberlander beim Bildungsgipfel diese Woche: „Wir wollen alle einen so normalen Schulstart wie möglich. Nur weil jemand Schnupfen hat, wird er nicht zuhause bleiben müssen. Ich möchte aber doch betonen, dass ein Kind mit Fieber, Durchfall oder Erbrechen auf jeden Fall daheim bleiben soll.“

Mit der Corona-Ampel für Schulen habe man ein gutes Werkzeug, wie in welchem Fall zu reagieren sei: „Ich bin überzeugt, dass der Schulstart ruhig und organisiert über die Bühne gehen wird“, so Klampfer. Natürlich gebe es viele offene Fragen, „aber wir haben noch eine Woche Zeit, so viele wie möglich davon zu klären.“

Wenn in der Prävention hervorragende Arbeit geleistet werde – „wovon ich ausgehe, dass das an den einzelnen Schulen passieren wird“ – dann sei mit weniger Komplikationen zu rechnen. „Aber wir haben natürlich immer gewusst, dass diese Pandemie kein Sprint, sondern ein Marathon ist.“

Bildungsdirektor Alfred Klampfer entlässt die Pädagoginnen und Pädagogen mit einer klaren Empfehlung in den Herbst: „Es soll vor allem zu Beginn unbedingt länger wiederholt werden. Und es sollen speziell jene Kinder gefördert werden, die großen Nachholbedarf haben.“

Lokal reagieren

Walter Aichinger, Präsident des oö. Roten Kreuzes, lobt ebenfalls das Ampelsystem: „Es ist gut, dass hier sehr lokal und regional reagiert werden kann.“ Und er nennt den Schulstart in Deutschland als Vorbild: „Dort tragen die 10- bis 14-Jährigen in einigen Bundesländern genau zwei Wochen lang Masken, danach nicht mehr. Damit bannt man eine wirkliche hohe Ansteckungsgefahr, speziell von all jenen, die aus dem Ausland zurück in die Schulen kommen.“

Als Mediziner sieht Aichinger dem Herbst gelassen entgegen: „Wir wissen mittlerweile sehr viel über das Virus, wer gefährdet ist und welche Maßnahmen wirklich greifen. Das ist ein Startvorteil zum Frühjahr.“ Dem Gurgeltest an Schulen steht er allerdings kritisch gegenüber: „Dieser Test ist extrem unzuverlässig. Aber wir können damit rechnen, dass bald zuverlässige Tests kommen werden, die auch von Laien durchgeführt werden können.“

Elternvertreter: "Herbstferien müssen heuer fallen"

Ja, die Anfragen besorgter Eltern haben in  diesen Wochen vor dem Schulstart massiv zugenommen. Das bestätigt Helmut Hodanek, Präsident des Landesverbandes der Elternvereine öffentlicher Pflichtschulen in OÖ. „Viele sind verunsichert, fürchten sich vor dem Herbst und wie es in den Schulen weitergehen wird. Die meisten Eltern hätten ein riesiges Betreuungsproblem, wenn es wieder Schulschließungen geben würde“, sagt Hodanek.

Deswegen fordern die Elternvereine konkret, dass Schließungen unbedingt vermieden werden sollen. „Dass einzelne Klassen bei einem Infektionsfall getestet und in Quarantäne geschickt werden, ist verständlich. Alles andere nicht.“ Werden Schüler  nach Hause geschickt zum Lernen, stoße man wieder an die Grenzen des Systems: „Es gibt einfach viele Kinder, die keinen eigenen Laptop, ja noch nicht mal eine Internetverbindung daheim haben.“

"Katrastophal"
Die Hauptforderung des Dachverbandes der bundesweiten Elternvereine, in dem Hodanek Stellvertreter ist, bezieht sich aber auf ein anderes Thema: „Wir fordern, die Herbstferien heuer unbedingt zu streichen. Die braucht jetzt niemand. Jede Woche mehr, in der unsere Kinder weniger Bildung bekommen, ist derzeit katastrophal.“

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