1991: Es war der zweite Überfall auf die Sparda-Bank in der Raimundstraße in Linz.

© Gerhard Gruber

Chronik Oberösterreich
08/14/2021

Verübte RAF-Terrorist Überfälle in Linz?

Zwei Banken wurden in Linz vor 30 Jahren ausgeraubt. Ein möglicher Täter von Polizeibeamten erschossen. Ermittlungen erfolglos.

Von Gerhard Lukesch

Weil die polizeilichen Ermittlungsakten von zwei Banküberfällen in Linz aus den Jahren 1990 und 1991 mit einer Beute von mehr als einer Million Schilling nicht mehr auffindbar sind, können diese wohl nicht mehr geklärt werden. Es gäbe allerdings einen möglichen Verdächtigen – doch dieser ist seit 1999 tot. Der „heiße“ Tatverdächtige ist der am 15. September 1999 in Wien erschossene RAF-Terrorist Horst Ludwig Meyer (43).

Dieser wurde 1956 in Deutschland, geboren und gehörte wie der am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen erschossene Wolfgang Grams (40) zum Führungskader der dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF).

Meyer erlernte den Beruf des Starkstromtechnikers. Deswegen wurde er auch mit dem tödlichen Attentat auf den Vorstandschef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen (59), der mit einer ferngezündeten Sprengladung am 30. November 1989 in Bad Homburg ermordet wurde, in Verbindung gebracht. Ab 1984 war Meyer mit seiner damaligen Ehefrau spurlos verschwunden. Meyer hielt sich 1987 vorübergehend im Libanon auf. Er war 1988 auch bei einem missglückten Sprengstoffanschlag auf US-Soldaten in Spanien beteiligt, dann verlor sich seine Spur wieder.

Beretta als Waffe

Horst Ludwig Meyer wohnte nachweislich mit einer Komplizin seit 1995 in Wien. Am 26. August 1996 wurde mit seiner Pistole, eine Beretta, 7.65 mm, bei einem Überfall in Wien eine Kassierin angeschossen und schwerst verletzt. Die Ermittler gingen 1999 davon aus, dass Meyer geschossen hat.

In Linz wurde die SPARDA-Bank an der Raimundstraße am 28. September 1990 überfallen. Die Beute betrug 867.000 Schilling. Dieselbe Bank wurde ein Jahr später, am 5. September 1991, wieder das Ziel eines Raubes. Der Täter wurde als ca. 30 Jahre alt, 170 bis 175 cm groß, mit Pistole bewaffnet, beschrieben. Er flüchtete mit 400.000 Schilling. Die Personenbeschreibung passt exakt auf Meyer, auch die verwendete Waffe soll die „Beretta“ gewesen sein.

Eine glaubhafte Information an den OÖ-KURIER vor knapp vier Monaten, dass Meyer in Linz 1990 und 1991 der Täter gewesen sein soll, wurde sofort an das Landeskriminalamt (LKA) Oberösterreich weitergeleitet. Doch dann kam die Ernüchterung: Die Akten der beiden Überfälle sind bei der Polizei in Linz nicht mehr auffindbar. Es kann daher ohne Fotos und Spuren von den LKA-Ermittlern nicht geklärt werden, ob Meyer wirklich der Täter war. Die Staatsanwaltschaft Linz wurde von der Polizei über den Hinweis und die bisher erfolglosen Ermittlungen informiert.

Von WEGA erschossen

Doch die Klärung wäre rein für die Statistik. Am 15. September 1999, ein Jahr nach Auflösung der RAF, war Meyer zusammen mit einer Komplizin in eine Polizeikontrolle in Wien geraten. Dort planten beide nach polizeilichen Ermittlungen einen Überfall. Ein Anwohner hatte der Polizei ein auffälliges Paar gemeldet, das sich an einer Straßenecke aufhielt und die beiden Verdächtigen auch fotografiert.

Das Duo versuchte bei der Kontrolle durch eine Polizistin zu flüchten, Meyer entriss der Beamtin die Dienstpistole und den Autoschlüssel des Streifenwagens. Wenige Minuten später eröffnete er das Feuer auf Beamte der WEGA und er wurde beim Gefecht erschossen. Nach Aussagen der Komplizin von Meyer, die unverletzt festgenommen wurde, hat Meyer auch den am 23. Dezember 1991 in Budapest durchgeführten Sprengstoffanschlag auf einen mit 29 sowjetischen Juden – vorwiegend Familien mit kleinen Kindern – besetzten Reisebus geplant. Die Juden befanden sich auf der Ausreise aus der Sowjetunion nach Israel. Ein mit Sprengstoff am Fahrbahnrand abgestellter Pkw wurde durch Fernzündung zur Explosion gebracht. Aufgrund eines Konstruktionsfehlers entfaltete die Explosion jedoch nicht die volle Wirkung. Die Insassen eines dem Bus vorausfahrenden Polizeifahrzeuges wurden schwer und vier jüdische Businsassen leicht verletzt.

Für die Beamten lag die Vermutung nahe, dass der Anschlag 1991 durch Banküberfälle finanziert war – ein starkes Indiz für Linz. Meyer wurde in Stuttgart-Degerloch beigesetzt, wo sich auch das Gemeinschaftsgrab der RAF-Gründer Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin befindet.

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