Hans Eipeldauer und Leo Maier

© Kurier/Hubert Kluger

Chronik Oberösterreich
02/15/2021

Der Mörder fuhr im Taxi zur Polizei

Der Linzer Kripo-Offizier Leo Maier wählte für den Täter ein ungewöhnliches Transportmittel. ein Taxi. Von Gerhard Lukesch.

Ein eher unübliches Mittel, um einen Mörder in Haft zu bringen, wählten vor 40 Jahren der legendäre Kripo-Offizier und Krimiautor Leo Maier alias Frank und drei seiner Kollegen in Linz. Sie brachten einen gefährlichen und gewaltbereiten Zuhälter mit einem Taxi in die Polizeidirektion an der Mozartstraße.

Mord um zwei Uhr früh

Es war am 9. Februar 1981 gegen zwei Uhr früh. Während eines Streites zückte ein damals 32-Jähriger vor dem Gasthaus „Zacherl“ in der Linzer Franckstraße einen Kleinkaliberrevolver und erschoss den englischen Fernfahrer Stephen Goodman (39). Das Motiv war banal. Der Zuhälter hatte geglaubt, dass der Fernfahrer seine Freundin zum kostenlosen Sex überreden wollte. Der 32-jährige polizeibekannte Zuhälter konnte nach der Tat zunächst flüchten. Wenige Stunden später erhielten die Mordermittler unter der Leitung von Oberstleutnant Leo Maier (55) in einem „Wienerwald“-Restaurant an der Blumau einen Tipp durch einen Informanten aus der Zuhälterszene. Der Gesuchte soll sich in der Wohnung seiner Mutter in der Nähe der Waldeggstraße aufhalten.

Einsatzkommando?

Die vier Kriminalisten überlegten: Sollten sie – wie es eigentlich die Dienstvorschrift vorgesehen hätte – ein schwer bewaffnetes Einsatzkommando zur Adresse schicken und damit vielleicht eine Geiselnahme und eine Schießerei riskieren, oder selbst zur Wohnung fahren? Maier entschied, den Zuhälter selbst mit den drei Kollegen festzunehmen, denn er wusste, dass der gewaltbereite Verdächtige beim Anblick einer Polizeiuniform durchdrehen könnte.

 Ein Glas Bier

Der Plan funktionierte. Die Mutter öffnete die Wohnungstür und Maier sprach den 16-mal vorbestraften Zuhälter, der tatsächlich in der Wohnung war, sofort jovial an: „Harry, was hast denn für einen Scheiß gebaut.“ Der Mann gestand sofort kleinlaut: „Jo, i waß eh, warums do sads. I war’s.“ Knapp eine Stunde sprachen Maier und ein Kollege (zwei sicherten außen vor dem Haus) mit dem Verdächtigen und genossen dazu auch ein Glas Bier. Dann war alles klar.

Tatwaffe war verschwunden

Nur die Tatwaffe blieb zunächst verschwunden. Der Zuhälter hatte sie versteckt. Trotz des Geständnisses des Mannes gab es aber noch ein Problem: Wie sollten die Beamten den Verdächtigen in die Polizeidirektion bringen? Denn die Kriminalisten waren zu viert in einem kleinen VW unterwegs. „I kumm eh mit, aber wann i an Uniformiert’n siach, drah’ i durch“, hatte der Zuhälter unmissverständlich im Gespräch gesagt.

Das Taxi war die Lösung

Doch auch für dieses Problem fand Maier eine Lösung. Er bestellte kurzerhand ein Taxi und fuhr mit dem Verdächtigen und einem Kollegen in die Polizeidirektion „Dem Taxifahrer, hamma nix g’sagt, wen ma da transportieren“, lachte Maier noch 1984 im Gespräch mit dem KURIER. Die beiden anderen Mordermittler folgten im Dienst-VW.

20 Jahre Haft

„Leo, bist du deppert, bringst an Mörder mit’n Taxi. Sehr vornehm“, war die erste Reaktion des damaligen Linzer Kripo-Chefs Hans Eipeldauer (60) als er sah, dass Maier den Verdächtigen in einem privaten Mercedes in die Polizeidirektion brachte. „Leo, du bist Schuld, wenn mich noch einmal der Schlag trifft. Wenn das die Presse oder der Polizeidirektor erfährt“, war Eipeldauer dennoch wütend. Die Presse erfuhr nichts und der Zuhälter gestand wenig später, wo er den illegalen Revolver versteckt hatte. Im Prozess in Linz erhielt der 32-Jährige am 19. Jänner 1982 wegen Mordes 20 Jahre Haft.

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