Maximilian Baumgartnerund Andreas Leitner werden seit September 2015 gesucht

© /Polizei/Privat

Oberösterreich
06/28/2016

Vermisste Mühlviertler werden Fall für Aktenzeichen XY

Die beiden 27-Jährigen sind seit mehr als 41 Wochen spurlos verschwunden.

Der Fall der nunmehr über 41 Wochen vermissten zwei Mühlviertler Freunde Maximilian Baumgartner und Andreas Leitner wird in der Sendung "Aktenzeichen XY Spezial - Wo ist mein Kind?" am Mittwoch im deutschen Fernsehen ZDF aufgerollt. Das kündigte die oberösterreichische Polizei an. Die beiden 27-Jährigen aus Waxenberg und Zwettl an der Rodel (Bezirk Urfahr Umgebung) waren in der Nacht auf den 12. September spurlos verschwunden.

Der Leiter des Landeskriminalamtes Oberösterreich Gottfried Mitterlehner werde neuerlich einen Fahndungsaufruf starten, nachdem die Suche bisher ergebnislos geblieben ist. Am 11. September 2015 hatten sich die Freunde abends getroffen.

Kein Pass, kein Handy

Gegen 2.30 Uhr sollen sich die beiden in Max’ silbergrauen Citroën BX (Baujahr 1987) mit dem Kennzeichen UU-883DP gesetzt und auf der B126 in Richtung Tschechien gefahren sein. Bei einem Kreisverkehr in Bad Leonfelden, rund fünf Minuten vom Grenzübergang Weigetschlag entfernt, wurde das Fahrzeug von einer Kamera erfasst – das war die letzte Spur, die sie hinterließen. Seit damals fehlt jegliches Lebenszeichen. Es gab keine Kontobewegungen und Baumgartners Handy wurde abgeschaltet. Sein Reisepass liegt zu Hause. Leitner hat sein Mobiltelefon sogar in der Wohnung zurückgelassen.

Helikoptersuche

"Das ist einer meiner schwierigsten Fälle – und ich mache das seit zehn Jahren", sagte Thomas Löfler, Vermissten-Fahnder im Landeskriminalamt Ende November gegenüber dem KURIER, elf Wochen nach dem Verschwinden der beiden. Es gebe einfach keinen Ansatz, der das Verschwinden plausibel erscheinen lasse. Baumgartner hatte einen Job, der ihm großen Spaß machte und sein Arbeitgeber war mit ihm zufrieden. Der 27-Jährige hatte auch sonst keine Probleme, weder familiär noch mit Freunden. Leitner war zwar arbeitslos, hatte aber sein Zimmer bei der Mutter gerade neu renoviert. "Es deutet nichts in Richtung Suizid." In Tschechien haben beide keine Freunde und sie galten nicht als Rotlicht-Kunden. "Ermittlungen in der Richtung brachten nichts."

Das Grenzgebiet wurde damals mit Helikoptern abgesucht, um eventuell ein unentdecktes Unfallwrack sichten zu können. Auch die Suche in tschechischen Spitälern und Gefängnissen blieb erfolglos. Löfler: "Nach den Vermissten und ihrem auffälligen alten Auto, bei dem alle Seitentüren ab der Zierleiste schwarz lackiert sind, wurde aber europaweit gesucht."

"Die Polizei lässt nichts unversucht, um die beiden Mühlviertler zu finden", teilte diese am Dienstag mit. Aus dem Grund wird der Fall in der Sendung "Aktenzeichen XY Spezial - Wo ist mein Kind" am Mittwoch um 20.15 im ZDF thematisiert.

1000 Österreicher werden vermisst

1000 Menschen waren mit Stand 28. Mai in Österreich nicht auffindbar. Die Zahl ist ein Durchschnittswert, denn ständig melden Angehörige neue Vermisstenfälle, andere Personen werden hingegen wieder gefunden. Ein Fünftel der Abhängigen sind Kinder oder Jugendliche.

Jedes der Schicksale ist einzigartig, gemeinsam haben sie aber alle die Angehörigen, die die Hoffnung über Jahre hinweg nicht aufgeben. Selbst dann nicht, wenn die Chance auf ein Wiedersehen noch so gering sein mag, wie im Fall von Maximilian Baumgartner und Andreas Leitner. "Wir suchen weiter und werden nicht aufhören, bis wir wissen, was passiert ist", sagt Monika Baumgartner. Ihr Bruder wird seit 12. September 2015 vermisst. Das Verschwinden war mysteriös. Zuletzt gesehen wurde Maximilian, als er und sein guter Freund Andreas Leitner in seinem Auto unterwegs waren.

Kein Lebenszeichen

Die beiden damals 27-Jährigen fuhren am besagten Tag im September aus ihrem Heimatort Zwettl an der Rodl (OÖ) in Richtung Tschechien. Seither gab es keine Kontobewegungen, Baumgartners Handy wurde abgeschaltet. Seinen Reisepass ließ der junge Mann ebenfalls zu Hause. Andreas Leitner nahm nicht einmal sein Mobiltelefon mit. Als Leitners Mutter ihn vor dem Verlassen der Wohnung fragte, ob er Geld brauche, verneinte der junge Mann. Er wolle nur bei Baumgartner mit gemeinsamen Freunden einen gemütlichen Abend verbringen. Das geschah auch, die Bekannten machten sich gegen Mitternacht auf den Heimweg. Zu diesem Zeitpunkt machten die Vermissten keinerlei Andeutungen, noch einmal wegfahren zu wollen.

Den Ermittlern gibt das plötzliche Verschwinden Rätsel auf. Beide Männer hatten bis zum Zeitpunkt ihres Verschwindens keine nennenswerten privaten oder beruflichen Probleme. Nichts ließ darauf schließen, dass sie sich einfach aus dem Staub machen wollten.

Dass sie Richtung Tschechien unterwegs waren, beweist nur ein Bild aus einer Kamera, bei einem Kreisverkehr in Bad Leonfelden, beim Grenzübergang Weigetschlag. Dort wurde der silbergraue Citroën um 2.30 Uhr fotografiert. Eine Suche per Helikopter in dem Gebiet brachte keine Hinweise.

"Unser Leben muss irgendwie weitergehen. Aber wir treffen uns regelmäßig mit der Familie von Andi und sprechen miteinander", sagt Baumgartners Schwester Monika. "Das Schlimmste für uns wäre aber, wenn es in Vergessenheit gerät." Um das zu verhindern, lassen die Familien nichts unversucht. Der mysteriöse Fall hat es nun sogar in die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" geschafft und wird bald auch in Deutschland ausgestrahlt.

Schwer zu ertragen

Natürlich wünschen sich die Familien, ihre Lieben wieder in die Arme schließen zu können. Obwohl für Kriminalisten in dem Fall alles auf ein Verbrechen hindeutet, gibt die Aufklärungsquote von 95,4 Prozent Hoffnung. "Mittlerweile ist es mir einfach wichtig zu wissen was passiert ist, selbst wenn es schlechte Nachrichten sind. Es ist einfach unerklärlich, wie er verschwinden konnte. Die Ungewissheit ist wirklich schwer zu ertragen", sagt Monika Baumgartner.

Ebenso geht es den Angehörigen der vielen anderen Vermissten (siehe Bild). Das Bundeskriminalamt bittet um Hinweise unter: 01 24 836 985025. Werden Kinder oder Jugendliche vermisst, gibt es die europaweite Hotline: 116 000.

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