Chronik | Oberösterreich
07.06.2014

USA: Energie- und Arbeitskosten könnten steigen

Neuer Klimaplan Obamas könnte durch steigende Energiepreise die US-Wirtschaft stark bremsen.

Für große Teile der US-Industrie war es ein Schlag in die Magengrube. Präsident Barack Obama und die Umweltbehörde EPA hatten am Montag erklärt, den CO2-Ausstoß aller US-amerikanischen Kraftwerke bis 2030 um 30 Prozent senken zu wollen. Der massive Protest basiert auf der Tatsache, dass die gegenwärtige wirtschaftliche Wiederauferstehung und Re-Industriealisierung der Vereinigten Staaten unter anderem auf den enorm niedrigen Energiepreisen fußt.

Derzeit ist der Industriestrompreis etwa ein Drittel günstiger als in Europa und ein Sechstel günstiger als in Asien. Aus aller Welt siedelten sich nicht zuletzt aus diesem Grund energieintensive Unternehmen wie auch beispielsweise die voestalpine mit einem 500-Millionen-Euro-Werk in Texas an.

25 Prozent Preisanstieg

Industrievertreter sehen durch die neue Regel ein Ansteigen der Energiepreise kommen. So meint beispielsweise Thomas Gibson, Chef des US-Eisen- und Stahlinstituts, dass die Zuverlässigkeit von günstigen Stromlieferungen ernsthaft gefährdet ist und die sich erholende US-Produktion gebremst werden könnte. Am härtesten würde Obamas Klimaagenda die insgesamt rund 600 US-Kohlekraftwerke treffen. Diese liefern etwa 39 Prozent des Stroms in den USA. Aber auch das Fracking-bedingte derzeit sehr günstige Gassegment, das etwa 27 Prozent des Energiekuchens ausmacht, könnte von den Bestrebungen des Präsidenten erfasst werden. Gegenüber dem Wall Street Journal sagte Chris Faulkner, Chef von Breitling Energy: "Da durch den Plan erheblich mehr Gaskraftwerke benötigt werden, könnte es unter Umständen zu einem Gaspreisanstieg von bis zu 25 Prozent kommen."

Christian Kesberg, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in New York, sieht die Sachlage differenzierter: "Das Ganze wäre eine gesunde Delle in einem Preisvorsprung, der so immens ist, dass er durch etwaige neue Klimaauflagen sicherlich nicht verschwinden wird."

Obama kann seine Agenda übrigens ohne die Zustimmung des mächtigen US-Kongresses durchziehen, da seine Umweltbehörde als solche bereits die dafür notwendige Vollmacht innehat.

Lohnerhöhung

Rund 600 heimische Firmen haben in den USA eine Niederlassung, davon 200 mit eigenen Produktionsstätten. Neben dem gewaltigen Binnenmarkt und Steuervorteilen sind es auch die niedrigen Arbeitskosten, die auf Auslandsinvestitionen magnetisch wirken – vor allem die Südstaaten. Dort liegt der Mindestlohn bei etwa 5,3 Euro pro Stunde.

Es gibt kaum Gewerkschaften und es gilt das sogenannte "at will Employment", was Arbeitgebern das Recht einräumt, Arbeitnehmer von heute auf morgen zu kündigen – natürlich auch umgekehrt. "Es gibt in den Südstaaten kein ausgeprägtes proletarisches Bewusstsein", erläutert Kesberg. Der obsolete amerikanische Traum gebe ja vor, man sei nur übergangsweise Arbeiter, auf dem eigentlichen Weg zum Millionär. Brisant ist hierbei der Vorstoß von Seattle im Nordwesten der USA. Ebenfalls am Montag hat dort der Stadtsenat beschlossen, den Mindestlohn ab 2017 auf satte 11 Euro pro Stunde zu verdoppeln. Zwar ist der Norden für starke Gewerkschaften bekannt, der Beschluss sorgte dennoch im ganzen Land für Aufsehen. Experten meinen, die Anhebung könnte neue Standards für andere Großstädte setzen, da der krasse Lohnunterschied innerhalb der USA klar zum Vorschein komme. Kritiker sehen in dem Vorstoß wiederum eine klare Wirtschaftsbremse und einen Job-Killer. Für Kesberg gilt trotz allem: "Die meisten wirtschaftlichen Indizien deuten auf eine Wiederauferstehung des in den Seilen liegenden Boxers hin."