ARCHIV - Eine Prostituierte wartet am 20.12.2006 in einem Bordell in der Innenstadt von Frankfurt am Main auf Kunden. Bordelle sind überall in Hessen zu finden, ob in der Stadt oder auf dem Land. Ein Verein für Frauenrechte warnt: In ländlichen Regionen finden die Prostituierten selten Unterstützung. Foto: Boris Roessler/dpa (zu dpa-Gespräch «Verein: Wenig Hilfe für Prostituierte auf dem Land» vom 23.10.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa/Boris Roessler

Innviertel
03/01/2013

Unter Druck: Prostitution oder Flüchtlingsheim

Sollte Sexverbot nicht aufgehoben werden, will Besitzer Asylwerber einquartieren..

von Jürgen Pachner

Der BB Nachtclub in St. Florian am Inn hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Nur sporadisch sollen sich Kunden in das als Gogo-Bar geführte ehemalige Bordell verirren. „Schuld ist das Prostitutionsverbot“, glaubt Hausbesitzer Franz Aicher. Ein VfGH-Urteil aus dem Jahr 2010 untermauert die von der Gemeinde verhängte Sperre für bezahlten Sex. Versuche, das Beischlafverbot zu umgehen, sind in der Vergangenheit meist rasch aufgedeckt worden. „Es gab mehrere Anzeigen.“

Allein fünf Pächter sollen in den vergangenen zwei Jahren deshalb vorzeitig die Flinte ins Korn geworfen. „Das Geschäft ist tot – auch, weil die Polizei vier Mal pro Woche kontrolliert und alle Gäste perlustriert“, betont Aicher.

Der 78-Jährige will jetzt nicht länger zuschauen. „Entweder das Prostitutionsverbot fällt, oder ich vermiete das Gebäude als Unterkunft für Asylwerber.“ Mit der Caritas steht der Hausherr seit Ende Jänner in Verhandlungen. „Das Haus wäre für 15 Personen geeignet, es müsste aber entsprechend adaptiert werden“, bestätigt Michael Felder von der Flüchtlingshilfe.

Um einem möglichen Vertragsabschluss zuvorzukommen, will die FPÖ bei der Gemeinderatssitzung am 18. April die Aufhebung des Prostitutionsverbots beantragen. „Die Anrainer sind seit Jahrzehnten gewöhnt, neben einem Bordell zu leben. Für die meisten ist das akzeptabler als ein Asylantenheim“, sagt FP-Obmann Martin Lindinger. Er legt aber Wert darauf, dass dies nur die zweitbeste Variante sei. „Am vernünftigsten wäre, wenn die Gemeinde das Haus kauft.“

Ortschef Bernhard Brait (VP) ist strikt gegen die Aufhebung des Prostitutionsverbots. „Bis 1993 war käufliche Liebe bei uns erlaubt. Nach einem Buttersäureanschlag auf das Gebäude und einer Handgranatenexplosion am Parkplatz ist das geändert worden.“ Brait glaubt, dass die Gemeinde mit den Asylheim-Plänen bloß unter Druck gesetzt werden soll. Aicher: „Ich hab’ keine Wahl. Das Haus ist meine Altersversorgung – ich kriege nur 800 Euro Pension.“
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