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Uni-Präsidentin: „Die gekürzten Uni-Budgets gefährden den Aufbau der vergangenen Jahre“

Budgetkürzungen bedeuten „Alarm an allen Stellen, sagt Brigtite Hütter, Präsidentin der Universitätenkonferenz.
BRIGITTE HÜTTER IST NEUE PRÄSIDENTIN DER UNIVERSITÄTENKONFERENZ

Brigitte Hütter ist Rektorin der Kunstuniversität Linz und Präsidentin der Österreichischen Universitätenkonferenz (Uniko). Die 54-Jährige stammt ursprünglich aus Mettmach (Bez. Ried/I.).

KURIER: Sie betonen, den Universitäten fehlen aufgrund der Sparpläne der Bundesregierung bis 2030 2,5 Milliarden Euro, also rund 14 Prozent. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner hat nach der ersten Protestwelle nun doch etwas mehr Geld versprochen. Sind Sie damit zufrieden?

Brigitte Hütter: Wir sind mit der Ministerin in einem guten und sachlichen Austausch. Wie groß das in Aussicht gestellte moderate Plus sein wird, wissen wir nicht, wir kennen keine Zahlen. Wir haben dargelegt, dass wir einen Beitrag zum allgemeinen Sparen leisten wollen. Wir haben erste Ideen vorgelegt. Man muss aber den Universitäten wegen der Inflation mehr Geld geben, die Personalkosten steigen. Die Universitäten sind auf einem guten Weg, wir verbessern uns in den Rankings, wir stellen Drittmittel auf.

Die Universitäten sind in den vergangenen Jahren mit überdurchschnittlichen Budgeterhöhungen bedacht worden. Da müssten es doch möglich sein, dass auch die Unis wie alle gesellschaftlichen Gruppen einen Beitrag zur Budgetsanierung leisten.

Die Steigerungen, die wir gehabt hatten, haben zwei Gründe. Der eine war die Inflation von rund 30 Prozent. Die Republik hat uns hier ebenfalls geholfen wie vielen anderen Bereichen auch. Das Zweite war auch vereinbart, nämlich mehr Budget für mehr Forschungsprojekte und mehr Wissenschafterinnen und Wissenschafter. Es mussten auch die Betreuungsverhältnisse verbessern (Verhältnis Lehrende/Studierende, Anm. d. Red.). Die Regierung hat entschieden, hier in Lehre und Forschung zu investieren. Es wurde Personal aufgebaut, das heute da ist.

Die Universitäten müssten diese neue Mitarbeiter wieder abbauen?

Genauso ist es.

Sie reden hier von einem Personalabbau von zehn bis 15 Prozent.

Es ist noch dramatischer. Nach den ursprünglichen Sparplänen wäre es ein Abbau von 20 Prozent gewesen. Und zwar so, dass dieses abzubauende Personal nicht mehr im Budget 2028 enthalten ist.

Das bedeutet, die Universitäten müssten wegen der Fristen jetzt schon zu kündigen beginnen.

Es ist Alarm an allen Stellen. Mit diesem Aufbau von Budget hat es einen Pfad mit vielen Leistungen gegeben: das Vorrücken in internationalen Rankings, die Einwerbung von so vielen Drittmitteln wie noch nie, das Abholen von europäischen Forschungsgeldern in einem Ausmaß, das wir vorher noch nie gehabt haben. Mitarbeiter zu kündigen bzw. Positionen nicht nachzubesetzen, ist für den gesamten Staat ein herber Rückschritt. Wir sind eine Wissensgesellschaft, wir reden von Innovation. Wir sollen an unserem Wissen und an unseren jungen Talenten nicht sparen.

Den Rektoren wird vorgehalten, bei den Budgeterhöhungen selbst kräftig zugegriffen zu haben. Laut den kolportierten Meldungen verdienen sie zwischen 300.000 und 400.000 Euro. Ihnen wurde vorgehalten, für 1.100 Studenten 311.000 Euro zu bekommen.

Es sind 1.760 Studenten. Die Rektorinnen und Rektoren sind nicht schlecht bezahlt. Man kann darüber diskutieren, wenn die Politik hier einen Deckel einziehen will. Das ist aber ein Ablenkungsmanöver, denn den Universitäten fehlen 2,5 Milliarden Euro.

Die Rektoren könnten zum Beispiel ähnlich wie Politiker auf Gehaltserhöhungen verzichten.

Die Liste mit den Rektorengehältern ist die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage vor über einem Jahr. Da wurden Zahlen zusammengeschustert. Ich verdiene nicht 311.000 Euro.

Sondern?

Weniger. Bei meiner Zahl ist das Arbeitgeberbrutto enthalten. Ich habe zum Beispiel auf eine Gehaltserhöhung verzichtet. Ich will aber die Diskussion dort halten, worum es geht. Um das Budget.

Eigenartig sind die Reaktionen der Universitäten. Neuerungen werden abgesagt, das Alte läuft weiter. In Linz ist das angekündigte Studium der Quantencomputer vorerst abgesagt worden, die TU Wien setzt die Ausschreibung von Stellen aus. Das ist doch ein fataler Eindruck.

Diesen Eindruck teile ich nicht. Wenn wir einen Rückgang des Budgets haben, müssen wir sehr schnell sehr restriktive Maßnahmen setzen. Wir können jetzt nicht ein neues Studium einführen und es 2028 wieder schließen. Natürlich wird nicht alles gleich bleiben und Neues nicht mehr möglich sein. Es lohnt sich, das zu erhalten, was da ist, das ist nicht schlecht. Es geht eher um Effizienzen und Fragen der Zusammenarbeit, um Profilschärfung. Welcher Hochschultyp ist wofür zuständig, damit es nicht dieselben Studienangebote gibt und das alles finanziert werden muss? Damit meine ich die 77 Hochschulen, nicht die 22 Universitäten allein.

Der Rat für Forschung und Technologie hat heuer Österreichs Hochschulen und Universitäten analysiert. Eine Hauptkritik ist, dass die Universitäten strukturkonservativ sind, das Alte wird fortgeschrieben, gegenüber dem Neuen ist man zu wenig flexibel.

Die Universitäten haben immer auf das Neue reagiert, weil die Wissenschaft das Neue generiert und weil wir ständig im Wandel sind. Sonst würde es die Universitäten nicht schon so lange geben.

Der Bericht sagt auch, dass wir bessere Betreuungsrelationen benötigen, bessere Verbindlichkeiten und ein besseres Stipendienmodell. Wir sind gerne bereit, die neuen Schritte mitzugehen. Wir sind nicht reformunwillig, ganz im Gegenteil.

Aber als erste Reaktion haben die Rektoren gesagt, sie steigen aus dem Hochschulstrategieprozess aus. Ist das klug?

Wir sind vor wenigen Wochen vor einer völlig neuen Situation gestanden. Wir haben gesehen, wir können nicht bis 2040 planen, sondern wir müssen für die nächsten drei Jahre kämpfen, damit wir da nicht einen massiven Schaden erleiden. Wer bis 2040 denken soll, muss die Sicherheit haben, dass er in den nächsten Jahren nicht um 20 Prozent rückbauen muss.

Ich darf Ihnen die mangelnde Flexibilität des Universitätssystems am Beispiel Künstliche Intelligenz (KI) darlegen. Professor Sepp Hochreiter hat ganz massiv mehr Personal und Computerkapazitäten gefordert. Damit konfrontiert, hat der damalige Wissenschaftsminister Martin Polaschek gemeint, es gebe keine Einzelförderung für einzelne Institute, das sei Sache der Universität Linz. Und der Linzer Rektor sagt, er kann nicht so viel Geld einem einzelnen Institut geben, er müsse die gesamte Universität bedenken. Somit bleibt ein neuer, zentraler Themenbereich auf der Strecke.

Ich muss das zurückweisen, obwohl ich nicht an der Kepleruniversität bin. Wir sehen, dass die Kepleruniversität gerade im Bereich Künstliche Intelligenz ganz massiv investiert und ein Studium aufgebaut hat, das immens nachgefragt ist. Das ist eine Erfolgsgeschichte. Ich kann die Äußerung von Polaschek nicht kommentieren, weil ich nicht dabei war. Die Universitäten beweisen damit, dass sie allen modernen Entwicklungen entsprechend Rechnung tragen.

LINZ: DEMONSTRATION GEGEN EINSPARUNGEN AN UNIVERSITÄTEN

Die Rektoren Stefan Koch und Brigitte Hütter bei der Demonstration am Linzer Hauptplatz gegen die Kürzungen durch die Bundesregierung.

Ein weiteres Beispiel für die mangelnde Flexibilität ist die neue Linzer Digitaluniversität IT:U. Ihre Uniko hat die Gründung von Anfang an abgelehnt, lehnt sie weiter ab und fordert deren Eingliederung in die Kepleruniversität. Eine der Hauptbegründungen für die IT:U-Gründung war die mangelnde Flexibilität und Leistung der bestehenden Universitätsstruktur.

Die Gründung der IT:U sollte mit deren Protagonisten als auch mit den politisch Verantwortlichen besprochen werden. Ihre Gründung war eine politische Entscheidung und nicht der Ausfluss eines Mangels im Sinne, da wird zu wenig geleistet oder zu wenig Flexibilität an technischen Fächern der bestehenden Universitäten. Es war der Wille, hier in Linz eine technische Universität zu etablieren. Das Zweite ist die Ausrichtung. Digitales und die KI gab es noch nicht in dem Ausmaß wie heute, aber es war schon am Horizont. Der IT:U geht es um Digitales und um die Interdisziplinarität, also um das Zusammenführen unterschiedlicher Bereiche. Das sind Dinge, die gut und wichtig sind. Das kann eine bestehende Universität machen, das kann auch eine neue Universität machen. Angesichts von 77 Hochschulen steht im aktuellen Regierungsprogramm, es soll keine mehr gegründet werden. Die Hochschullandschaft wird als zu breit und zu divers gesehen. Bei der IT:U sind in der Zwischenzeit Kollegen da, die sehr gut arbeiten. Ich bin der Meinung, dass es mehr Verzahnung mit der Kepleruniversität braucht.

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