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Chronik Oberösterreich
11/15/2020

Trautes Heim, Glück allein: Diese Branchen punkten

Möbel, Elektro- und Fitnessgeräte und Öfen sind der Renner. Alles verfügbare Geld fließt derzeit in die eigenen vier Wände

von Claudia Stelzel-Pröll

Sicherheit und (menschliche) Wärme. Beiden Attributen wird in Krisen ein besonders hoher Stellenwert zugeschrieben. Das beeinflusst auch die Art und Weise, wie wir über unser Geld verfügen. Über Aktien trauen sich aktuell die wenigsten drüber, ein neues Auto ist auch kein Muss und der Skiurlaub ist bis dato nicht gesichert.

Kein Wunder also, dass alle verfügbaren Ressourcen derzeit in Produkte gesteckt werden, die das eigene Heim verschönern und optimieren. Dieser Trend beschert einigen Branchen gute Umsätze.

Schwerpunkt liegt auf eigenen vier Wänden

Zufrieden. Das ist in Zeiten wie diesen ja schon ein großes Wort. Genau das ist Alois Kitzberger: sehr zufrieden. Er ist Landesinnungsmeister der oö. Tischler und Holzgestalter, und selbst seit 41 Jahren Inhaber einer Tischlerei in Grieskirchen.

„Wir alle kommen bis jetzt wirklich gut durch diese Krise. Natürlich wissen wir nicht, wie es weitergeht, aber bis jetzt ist die Nachfrage nach unseren regionalen, handwerklichen Produkten groß.“

Veränderung gefragt

Es sei zu beobachten, dass Kunden Veränderung wollen und diese Veränderung passiere nun eben in den eigenen vier Wänden. „Ich habe definitiv mehr Aufträge als im Vorjahr um diese Zeit. Meinen Kollegen geht es allen ähnlich“, weiß der Innungsmeister. Regionales werde noch mehr geschätzt, „außerdem haben wir kurze Transportwege und kein Kasten ist bei uns in Plastik verpackt.“

Woman working as a craftsperson

Die neue Küche als Kommunikationsplatz des Hauses oder Wohnung sei sehr gefragt, „da haben wir die ganzen normalen Wartezeiten von rund zwei Monaten bis zur Montage“, so Kitzberger. Das einzige Problem sei derzeit, an Elektrogeräte zu kommen: „Da gibt es wirklich Lieferschwierigkeiten. Und manche Händler schaffen jetzt einen künstlichen Engpass, um die Preise in die Höhe zu treiben. Das ist nicht in Ordnung.“

Saisonalität

„Die Menschen beschäftigen sich derzeit nicht mit Mallorca, sondern mit ihrem Eigenheim. Das war bei allen Krisen so.“ Rudolf Körber ist Marketing- und Vertriebsleiter beim oberösterreichischen Unternehmen RIKA, das bekannt ist für hochwertige Kamin- und Pelletöfen. Das erkläre auch die steigenden Umsatzzahlen: „Wir kommen gesund durch die Krise, auch deshalb, weil wir uns entschlossen haben, voll zu investieren.“ Natürlich herrsche bei der Nachfrage nach Öfen eine große Saisonalität vor, „im Juli und August kaufen einfach weniger Menschen einen Ofen als im September und Oktober.“


Energieautark

Der große Renner sei nach wie vor der Pelletofen, aufgrund des Komforts und der leichten Beschaffbarkeit des Heizstoffes. „Es gibt auch einen Trend hin zur Sprachsteuerung. Und extrem gefragt sind alle Modelle, mit denen man energieautark kochen und backen kann“, erklärt Körber. Die Investition in die eigenen vier Wände sei verständlich: „Wenn man einen Ofen kauft, ist das Geld nicht weg, sondern man bekommt etwas, das wirklich da, angreif- und nutzbar ist.“ Mit der heurigen Eröffnung eines Premium Stores in Leonding bei Linz sei man mutig gewesen, aber es habe sich ausgezahlt, sagt Körber: „2021 eröffnen wir zwei dieser Stores in Österreich, drei in Deutschland und einen in der Schweiz. Dafür suchen wir übrigens noch Partner.“

Wohnen & Schlafen

Krisengewinner ist auch das oö. Unternehmen „Grüne Erde“ mit Firmensitz in Scharnstein. Während der Lockdowns wurden und werden Produkte aus den Bereichen Wohnen und Schlafen stark nachgefragt, und dass, obwohl die 14 Geschäfte in Österreich und Deutschland zeitweise geschlossen waren.

Aufgrund der deutlich angestiegenen Online-Käufe und der telefonischen Bestellungen konnte ein Großteil  der Umsätze aufgefangen werden. Im Durchschnitt wurden während des ersten Lockdowns rund 1.000 Pakete täglich  ausgeliefert, rund 40 % mehr als im Vorjahr.

Sporthandel: Einzelne Sparten sind erfolgreich

Einzelne Bereiche sind derzeit die Zugpferde im Sportartikelhandel, trotzdem spitzt sich die Lage zu: „Geschlossene Seilbahnen, Hotels und Restaurants kommen für Sporthändler in Tourismusgebieten faktisch einer verordneten Geschäftsschließung gleich“, sagt Thorsten Schmitz, Geschäftsführer der Intersport Austria GmbH. Vor allem im Bereich des Alpinskisports, also dem Verkauf und Verleih von Sportgeräten, sei mit großen Umsatzeinbußen zu rechnen. Genauso wie bei allen Teamsportarten.

Der große Trend zu Fitness in den eigenen vier Wänden ist hingegen ungebrochen. Hometrainer sind beizeiten Mangelware, gefragt sind aber auch Hanteln, Matten und sogar Laufbänder für daheim: „Das ist toll, denn speziell in Zeiten wie diesen ist Bewegung so wichtig, um gesund und fit zu bleiben“, sagt Schmitz.

Auch die Sparten Sportmode, Fahrrad und Outdoor-Ausstattung kämen grundsätzlich gut durch die Krise. „Im Winter rechnen wir verstärkt damit, dass sich die Menschen auf Langlaufen, Schneeschuhwandern und Skitouren konzentrieren werden.“

Verantwortlich für die Umsatzeinbußen seien die massiven Frequenzeinbrüche in den Geschäften vor Ort. „Derzeit gehen die wenigsten einfach gemütlich bummeln. Manche haben auch Angst in der Öffentlichkeit. Dabei gibt es  unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen besonders viel Zeit für persönliche Beratungsgespräche.“ Im Dezember könnte es für die Händlerinnen und Händler an die Substanz gehen, vermutet Schmitz.

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