Trauerfeier: "Tears in Heaven" für Paulina

Zahlreiche Kränze und Bouquets mit Spruchbändern wurden für Paulina niedergelegt.
Foto: APA

Das 14-jährige Mordopfer wurde unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. In der Kirche war kein Platz mehr.

Es ist unerträglich schwül am Montagnachmittag in Bad Ischl (OÖ) - die Leute stöhnen unter der Hitze. Auch wer sich nicht bewegt, kommt unfreiwillig ins Schwitzen. Trotz widrigster Bedingungen finden sich aber in der kleinen Ortschaft Pfandl ab 14 Uhr zahlreiche - meist festlich gekleidete - Menschen ein. Sie strömen in Richtung Pfarrkirche, wollen an der Verabschiedung ihrer Schülerin, Klassenkameradin, Freundin und Nachbarin teilnehmen.

Trauer

Viele haben Tränen in den Augen und Blumen in Händen. Die Trauer scheint allgegenwärtig, egal, in welches Gesicht man blickt. Es sind Hunderte, darunter auffallend viele Jugendliche, die der in der Vorwoche brutal aus dem Leben gerissenen Paulina S. das letzte Geleit geben möchten.

Wie berichtet, ist die 14-Jährige am Dienstag auf dem Weg zur Schule gekidnappt, stranguliert und mit einer Taschenlampe erschlagen worden. Paulinas Leiche wurde in einem Erdloch in der Nähe des Schwarzensees verscharrt. Kriminalisten förderten Unfassbares zu Tage: Paulinas Stiefvater und ihr Stiefbruder sollen hinter der entsetzlichen Tat stecken, sie gemeinsam geplant und verübt haben. Beide sind grundsätzlich geständig und sitzen in U-Haft.

Über ihr Motiv schweigen sie sich hartnäckig aus. Zuletzt verdichteten sich allerdings Hinweise darauf, dass der Mord möglicherweise aus Rache an Paulinas Mutter verübt worden sein könnte. Die Frau hatte sich vor fünf Monaten von dem 48-jährigen Fernfahrer getrennt und war mit den eigenen vier Kindern weggezogen. Der Stiefsohn blieb allein bei seinem Vater zurück.

"Die Mutter sollte getroffen werden", mutmaßt ein Ermittler.
Bei der Staatsanwaltschaft hüllt man sich dazu in Schweigen: "Wir wissen zwar schon mehr, wollen aus ermittlungstaktischen Gründen aber noch nicht an die Öffentlichkeit damit."

Kein Zutritt

Vor der Pfarrkirche Pfandl postieren sich zwei Polizistinnen. Sie geben acht, dass sich keine Fotografen oder Kameraleute hineinschleichen. Auf der Mauer hängen Plakate, auf denen Medienvertreter aufgefordert werden, der Trauerfeier fernzubleiben. Der Gottesdienst selbst ist herzzerreißend. Alle Plätze der Kirche sind besetzt. Schulfreunde intonieren mit Klavierbegleitung das Lied "Tears in Heaven". Paulinas Bild wird an die Wand gebeamt. "Du bleibst in unseren Träumen und in unserer Mitte", heißt es auf dem Partezettel, den jeder Besucher erhält. Drei Trauernde müssen von Sanitätern betreut werden.

(kurier / Fritz Neumüller, Jürgen Pachner) Erstellt am
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