Tote Patientin nach Aorteneinriss: Kommission sieht Handlungsbedarf

Ein Chirurg operiert mit Handschuhen und Instrumenten unter hellem Licht.
Klinikum Wels-Grieskirchen hätte Patientin aufnehmen müssen; Versorgung wäre für die 55-Jährige trotzdem zu spät gekommen.

Drei Monate und zwei Sitzungen später liegt er nun vor: der mit Spannung erwartete Bericht jener Expertenkommission, die Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander, ÖVP, nach dem Tod einer 55-Jährigen im Oktober des Vorjahres ins Leben gerufen hatte.

Die Mühlviertlerin war mit einem Aorteneinriss ins Klinikum Rohrbach gekommen. Dort wurde händeringend versucht, einen Platz in einem herzchirurgischen Zentrum zu bekommen - ohne Erfolg. Linz, Wels, Passau, Salzburg, Graz, St. Pölten und Wien hatten keinen Platz für die Notfallpatientin. Die Frau verstarb am 14. Oktober um 23.18 Uhr.

Was die Expertinnen und Experten in den Unterlagen einhellig festhielten: Im Klinikum Rohrbach ist kein Fehler passiert, "die Zeit von Erstkontakt bis zur Diagnosestellung ist als kurz zu bewerten. Die gesetzten Schritte waren korrekt."

Transport hätte Leben nicht gerettet

Das heißt, dass der Krankheitsverlauf der Frau derartig lebensbedrohlich war, dass auch der Transport in ein Herzzentrum ihr Leben nicht mehr hätte retten können. Ein Helikopterflug war aufgrund der Witterung nicht möglich. Das sei eine wichtige Information für die Angehörigen, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des entsprechenden Spitals, so Haberlander.

Trotzdem leiten die Fachleute aus der dramatischen Situation wichtige Handlungsfelder ab.

Der Hauptpunkt: Die Häuser-übergreifende Kommunikation und die Präzisierung des bestehenden RSG 2025 (Regionaler Strukturplan Gesundheit).

Telefonlisten für Notfälle

Zu Ersterem sagt der Leiter der Kommission, Fritz Pammer: "Es kann nicht sein, dass Personal beim Portier landet. Es muss Telefonlisten mit entsprechenden Ansprechpersonen geben, die dann Entscheidungen treffen." Die ärztlichen Leiter der Spitäler wurden somit beauftragt, überregional gültige Kommunikationsstandards auszuarbeiten und bis Ostern vorzulegen.

Zwei Ärzte von hinten

Forderung der Kommission: Spitäler müssen besser kommunizieren.

Zu Zweiterem, der Präzisierung des RSG: Künftig soll es so geregelt sein, dass ein Peripher-Krankenhaus in Oberösterreich zuerst das Herzzentrum im Linzer Kepler Uniklinikum kontaktieren muss. Hat dieses keine Kapazitäten frei, kommt die Fachabteilung in Wels ins Spiel. Kann diese ebenfalls keine Akutversorgung anbieten, geht die Erstversorgung zurück nach Linz. Dort müssen alle weiteren Schritte eingeleitet und dafür die Verantwortung getragen werden.

Wels hätte Patienten aufnehmen sollen

Apropos Wels: Das ist jenes Spital, dessen Rolle im Bericht am ausführlichsten behandelt wird und das gleichzeitig am schlechtesten abschneidet. Denn eigentlich wäre dort ein Intensivplatz frei gewesen, aber laut Krankenhaus eben kein speziell herzchirurgischer. Der Leiter der Expertenkommission antwortet auf die Frage, ob Wels die Patientin hätte nehmen müssen mit einem knappen "Ja".

Weiters geht im Bericht um den Transport und ob ein Standort für einen nachtflugtauglichen Helikopter in Oberösterreich nicht Sinn machen würde. "Das ist bereits beauftragt, der ÖAMTC arbeitet derzeit an einem Konzept, als Standort wurde Suben ausgewählt", so Landeshauptmann-Stellvertreterin Haberlander. "Und ich lasse gerade prüfen, ob wir damit nicht Bayern mitversorgen könnten."

Die Arbeit der Expertenkommission ist mit Vorliegen des Berichts, der übrigens öffentlich einsichtig ist, beendet.

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