Theater-Chef bestätigt FP-Zahlen

Leer sind die Ränge im Großen Saal des Linzer Musiktheaters nur außerhalb der Vorstellungen: Die Sitzplatzauslastung beträgt etwa 95 Prozent.
Zu jeder Karte für Musiktheater & Co schießt der Steuerzahler aktuell 141,35 Euro zu.

Jede Eintrittskarte für das neue Linzer Musiktheater wird mit 130 Euro vom Steuerzahler subventioniert: Diese Zahl, die ein Mitarbeiter von FPÖ-Parteiobmann Manfred Haimbuchner errechnet hat, geisterte vergangene Woche durch die Medien. Wirklich entkräften konnte sie niemand, Landeshauptmann und Kulturreferent Josef Pühringer (ÖVP) sprach von einer „Milchmädchenrechnung“ und verwies auf die Umwegrentabilität. Im Musiktheater gab man sich zunächst zugeknöpft.

Erst nach einigem Hin und Her meldete sich Uwe Schmitz-Gielsdorf, seit Mittwoch neuer kaufmännischer Geschäftsführer der Theater- und Orchester GmbH (TOG), beim KURIER und räumte ein, dass die Angaben der FPÖ rein rechnerisch nicht falsch sind.

35 Mio. Euro vom Land

Theater-Chef bestätigt FP-Zahlen
Uwe Schmitz-Gielsdorf, Musiktheater Linz, kaufm. Direktor
Mit detaillierten Zahlen zur Gebarung des Musiktheaters wollte der Kulturmanager allerdings nicht herausrücken. Nur so viel: Ziehe man den laufenden Zuschuss des Landes für alle Einrichtungen des Landestheaters in der Spielzeit 2012/2013 heran – das sind rund 35 Millionen Euro – und teile man diesen durch die fast 250.000 Besucher, ergebe sich ein Steuerzuschuss von 141,35 Euro pro Besucher. 2011/2012 seien es 130,77 Euro gewesen. Zum Vergleich verwies Schmitz-Gielsdorf auf deutsche Bühnen – in Köln etwa werde jede Eintrittskarte mit 179,35 Euro subventioniert (Spielzeit 2011/’12).

Solchen Zahlenspielen kann der TOG-Geschäftsführer freilich wenig abgewinnen. Die FPÖ nütze sie für „populistische Schaumschlägerei“.
Stattdessen, meint Schmitz-Gielsdorf, solle man eine ganz andere Rechnung anstellen: Jeder der etwa 1,4 Millionen Einwohner Oberösterreichs müsse pro Jahr nicht einmal 25 Euro für das umfassende Kulturangebot der TOG zahlen. Diese 25 Euro wären gut investiertes Geld in eine kulturelle Infrastruktur aus Oper, Theater, Operette, Musical und Brucknerorchester. „Allein durch die Möglichkeit, diese Einrichtungen besuchen zu können, ergibt sich ein gesteigertes Lebensgefühl für alle.“

Im Übrigen, erklärt der TOG-Geschäftsführer, würde die Hälfte der Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln auf Umwegen wieder zurück in den Steuertopf fließen. Er beruft sich dabei auf eine Studie des Linzer Volkswirtschaftlers Friedrich Schneider.

Zahlen zum Musiktheater

Prestigebau. Die Errichtung des im April 2013 eröffneten Musiktheaters kostete insgesamt 184,4 Millionen Euro. Damit wurden laut einer Studie etwa 1700 Vollzeitarbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen. In der gesamten Theater- und Orchester GmbH (TOG) des Landes sind aktuell 893 Personen beschäftigt, 135 kamen im Vorjahr durch „Europas modernste Oper“ dazu.

Besuchermagnet. In der ersten Spielzeit (April bis Juli 2013) verzeichnete die neue Oper bei 178 Vorstellungen 85.469 Besucher, was einer Auslastung von etwa 95 Prozent entsprach. Die Gäste kommen zu je einem Drittel aus Linz und dem Umland, der Rest vorwiegend aus Oberösterreich. Die Nächtigungen in Linz gingen 2013 trotz des neuen Musiktheaters um 2,3 Prozent zurück.

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