Der Linzer Rapper Harald „Huckey“ Renner (im Vordergrund) ist tot.

© erwin@rachbauer.at

Rap in der Oper
02/23/2013

Texta trifft auf Max und Moritz: „Coole Punks und Terroristen“

Hip-Hop-Pioniere Texta rücken in neuen Linzer Musiktheater Wilhelm Buschs böse Buben in ein neues Licht.

von Daniel Voglhuber

Fette Beats statt Orchestermusik und schnelle Reime statt Opernarien erklingen im Linzer Musiktheater, wenn die heimischen Hip-Hop-Pioniere Texta beim Stück „Max’n’Morizz“ die Bühne entern. Ab 21. April rücken die Rapper aus Linz Wilhelm Buschs Klassiker Max & Moritz in der Blackbox des Hauses in ein neues Licht. Mit ihnen stehen die Puppenspieler Manuela Linshalm und Nikolaus Habjan auf den Brettern. „Wir treten mit unseren Songs als Analysten der Handlung und Friedensstifter zwischen den bösen Buben und der Bevölkerung auf“, erklärt Harald „Huckey“ Renner den Part der Hip-Hopper.

Max und Moritz seien einerseits coole Punks, andererseits Terroristen. „Wir haben viel darüber diskutiert, wie die beiden zu bewerten sind. Sie sind sicherlich A...löcher, weil sie aus reiner Bosheit handeln. Allerdings sind die meisten Streiche jetzt nicht so arg.“

Wirklich böse

Ausgenommen sei da natürlich die fatal endende Explosion der Meerschaumpfeife des Dorflehrers Lämpel. „Aber es stellt sich auch die Frage, wer sind die wirklich Bösen. Müssen sie wegen ihrer Vergehen wirklich gleich zermahlen und verfüttert werden?“ Und außerdem könne es ja sein, dass beide einfach nur Hunger hatten. „Sie sind ja Kids von der Straße.“ Texta werden die Geschichte mit ihren eignen Worten erzählen und nicht auf Buschs Verse zurückgreifen. „Wir haben uns zurückgenommen. Die Texte sind weniger schnell, es gibt auch weniger Wörter und Silben, damit sie verständlicher sind.“

Um den Hip-Hop-Rhymes in üblicher Geschwindigkeit voll und ganz folgen zu können, müsse man sich intensiver mit der Materie befassen. Das Zielpublikum ist von Erwachsenen bis zu Kindern weit gefasst. „Das Stück soll etwas für interessierte Leute jeglicher Couleurs sein.“

Die Musik zu den Einschüben der Rapper liefert ihr DJ Dan. „Er ist unsere Band und wird die Tracks live spielen und scratchen.“ In jedem Stück spielt ein Tasteninstrument – egal ob Orgel, Klavier oder Synthesizer – quasi als Leitmotiv eine große Rolle.
Der Grund: In der Mitte des Stücks spielt das spätere Opfer Lehrer Lämpel auf der Orgel. „Und das soll auch die musikalische Struktur sein.“

Dass sie von den Verantwortlichen des Landestheaters für das Stück eingeladen wurden, habe ihn überrascht und gefreut. „Wir haben die Herausforderung gerne angenommen.“ Und das, obwohl er als Vorstandsmitglied des freien Kulturvereins KAPU naturgemäß nicht alles an dem Bau gutheißen kann. „Ich wollte aber immer etwas am Theater machen.“ Und wie der Zufall es will, führt mit Dominik Günther ein alter Bekannter bei „Max’n’Morizz“ Regie. „Er ist früher mit der Musikkabarett-Truppe Nik Neandertal in der KAPU aufgetreten.“

Festwochen mit zeitgenössischem Tanz und Elektronik

Groß angelegte Festwochen stehen nach der Eröffnung des neuen Linzer Musiktheaters bis 5. Juli auf dem Programm. Neben Opern, Musicals und Balletts – darunter zahlreiche Uraufführungen – ist auch weniger „Klassisches“ zu sehen. Elektronische Musik, zeitgenössischer Tanz und Jazz ziehen zum Beispiel in den Kulturtempel am Volksgarten ein.

„Opernfreunde sehen das neue Theater als ihr Haus, Musicalfreunde wollen es für sich beanspruchen. Und auch Menschen, die sich für intelligenten Pop oder elektronische Musik interessieren, sollen sich heimisch fühlen“, betont Landestheater-Intendant Rainer Mennicken.

So schickt das Duo Tosca – eines der bekanntesten Projekte der Wiener Elektronik – bei ihrem Gastspiel am 17. April ihre Klänge durch den Großen Saal.
Neben dem neuen Werk ODEON arrangieren die Künstler Rupert Huber und Richard Dorfmeister (eine Hälfte von Kruder & Dorfmeister) erstmals auch ihre bisher erschienen Werke in einer absolut neuen Version.
Unterstützung kommt von Gastmusikern wie Rodney Hunter, Jajay Jones oder dem Wiener Streichquartett K&K. Das Ars Electronica Futurelab steuert die visuellen Effekte bei, die mit der Musik interagieren.

Am 7. Mai zeigt dann das Nederlands Dans Theater 2 erstmals in Oberösterreich seine Verbindung von klassischem und zeitgenössischem Tanz. Und am 11. Mai verwandelt sich das Foyer bei der Tangonacht in einen großen Tanzsalon. Am 23. Juni präsentiert die Compagnie Olivier Dubois aus Paris das Werk „Tragédie“, das bei seiner Uraufführung beim Theaterfestival in Avignon viel umjubelt war.

Tage der Künste

Bei den sechs eintrittsfreien „Tagen der Künste“ wird das Haus laut Mennicken „völlig durchlässig“.
Der Reigen beginnt am 14. April mit einem klassischen Tag der offenen Tür. Hier sollen Führungen auf und hinter die Bühnen Einblicke in die Magie und Maschinerie des Theaters liefern.

Am 21. April folgt der „Tag der Stimmen“. „Diverse Chöre aus der Region werden mit einbezogen. Das wird ein Fest der Begegnung“. Am 28. April lädt das Bruckner Orchester zum Tag der Klänge.
Für die Vorstellungen der Eröffnungswochen gibt es übrigens noch Karten. „Wenn auch nicht mehr sehr viele“, sagt der Intendant.

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