Chronik | Oberösterreich
20.05.2018

Tempoläufe statt zweitem Marathon

Hartmann empfiehlt ausreichende Erholung und kürzere Wettbewerbe

Die Mehrheit der Marathon-Veranstaltungen, die alljährlich im Frühjahr stattfinden und Hunderttausende LäuferInnen aktiv und applaudierend zu den Laufstrecken führen, sind nahezu alle Vergangenheit. Erst im Herbst wieder, wenn die Schatten länger werden und die Temperaturen sich läuferfreundlich zeigen, beginnt die Hochsaison der Herbstmarathons. Nicht wenige sehen darin die Möglichkeit, einen zweiten Versuch zu wagen. Entweder, um die erbrachte Leistung vom Frühjahr zu bestätigen oder noch zu verbessern, oder einfach nochmals eine/r von vielen im Bad der Menge zu sein.

Doch spätestens bei diesem Gedanken drängt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines zweiten Marathons pro Jahr auf. Mute ich meinem Körper eine zweite derartige Belastung in einem Jahr zu? Inwieweit laufe ich Gefahr, meinen Bewegungsapparat, sprich Gelenke, Bänder und auch Muskeln nachhaltig zu überfordern? Ganz abgesehen von dem erneut zeitaufwendigen Training, dem wir uns wochenlang unterwerfen müssen. Können wir uns nochmals für ein derartiges Training motivieren? Auch ich war immer wieder versucht, einen zweiten Marathonstart zu planen. Ich habe ihn auch gewagt, doch eine erhoffte Verbesserung wollte mir im Herbst nie gelingen. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass sich Topleistungen im Marathon zwei Mal jährlich nur schwerlich und nur von wenigen Top-Athleten erbringen lassen.

Vielmehr sollte es unser Ziel sein, nach einer ausreichenden Erholung gezielt an kürzeren Wettbewerben teilzunehmen. Dadurch finden wir wieder Motivation und Freude am Training und eine Teilnahme an kürzeren Distanzen wie über 5 oder 10 Kilometern fällt uns im Rahmen eines Wettkampfes sicherlich leichter. Unser stetiges Bemühen sollte es sein, unsere Schnelligkeit durch Intervalltraining zu verbessern. Sicherlich fällt den meisten unter uns ein 60-minütiger ruhiger Dauerlauf leichter als zum Beispiel 15 × 400 Meter in sehr schnellem Tempo. Gerade aber derartige Belastungen sind das Salz in der Suppe. Erst wenn wir diese Formen der Schnelligkeitsarbeit in unser Training aufnehmen, kann unser Marathon im nächsten Jahr zu einer wesentlichen Zeitverbesserung führen.

Gerhard Hartmann war 58-facher österreichischer Staatsmeister und Sieger der Wien-Marathons 1985, 1986 und 1987.