Temelin: Anschober setzt auf EU-Kommission

CZECH REPUBLIC TEMELIN NUCLEAR POWER PLANT
Foto: APA/FILIP SINGER Landesrat Rudi Anschober und Antiatombeauftragter Dalibor Strasky machen gegen das AKH Temelin mobil.

Grobe Mängel bei UVP-Prüfung entdeckt.

Rudi Anschober macht mobil. Oberösterreichs grüner Landesrat  will alle rechtlichen Schritte ausschöpfen, um den  Ausbau des grenznahen Atomkraftwerkes (AKW) Temelin zu stoppen. Das tschechische Umweltministerium hat vor einer Woche entschieden, zwei weitere Blöcke zu errichten.

Antiatombeauftragte Dalibor Strásky´ und Rudi Ansc… Foto: PETSCHENIG PICTURENEWS.AT Empörung löst bei Anschober und  dem Antiatombeauftragten des Landes OÖ,  Dalibor Strasky, die positive Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)  aus. „Die Kernfragen nach Bedarf, Wirtschaftlichkeit und  Sicherheit sind  nicht geklärt worden“, sagt Strasky. Eine schiefe Optik sieht Anschober auch darin, dass ein Ex-Mitarbeiter des AKW-Betreibers CEZ ins Umweltministerium gewechselt  und dort federführend an der UVP-Entscheidung beteiligt gewesen sei. „Nach Ende seiner Mission ist er  zu seinem alten Arbeitgeber zurückgekehrt“, betont der Landesrat, der  deshalb die EU-Kommission einschalten will.

Das UVP-Verfahren sei zudem EU-rechtswidrig, weil die Öffentlichkeit nicht ausreichend eingebunden gewesen sei.   „Brüssel kann nicht auf Tauchstation gehen.“ Er habe  Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und  Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) schriftlich  über die Mängel der UVP-Prüfung informiert.

Finanzdebakel

Weiters seien die Temelin-Pläne  „ein echtes Finanzdebakel“ für Tschechien. Der Bau  zweier neuer Reaktorblöcke würde  zwölf Milliarden Euro kosten. Der Strompreis an den Börsen sei aber so niedrig, dass dabei nur ein Verlust herauskommen könne. Anschober befürchtet einen  Ausgleich durch einen „Contract for Difference“. Bei diesem Konstrukt würde der Staat die Differenz zwischen Produktionskosten und Verkaufserlös für den Strom zahlen.

Derartige Förderungen, die auch Großbritannien für seine AKW anstrebe, müssten seitens der EU unterbunden werden.  Ein europaweites Subventionsverbot für Atomstrom mache die Meiler unwirtschaftlich. „Man muss jetzt rasch die Bürger unseres Nachbarlandes  aufklären, dass auf sie eine gewaltige Belastungswelle zukommt.“

(KURIER) Erstellt am
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