Neben der Unfallstelle befand sich die Zündholzfabrik Solo

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Chronik Oberösterreich
08/25/2020

Tausende Liter Benzin auf Straße

Höchste Explosionsgefahr nach Tankwagenunfall vor 50 Jahren in Linz. Von Gerhard Lukesch.

Das gefährlichste Tankwagenunglück in ganz Oberösterreich ereignete sich vor 50 Jahren in Linz. Glücklicherweise explodierten 32.000 Liter Superbenzin nicht. Es war am Samstag, 29. August 1970 in den frühen Morgenstunden. Ein 30-jähriger Chauffeur hatte mit seinem Tankwagen samt Anhänger auf der Unionstraße kurz nach der Westbrücke eine Verkehrsinsel übersehen. Der Tankwagen rammte die Insel, stürzte um und wurde leck. Rund 17.000 Liter Superbenzin ergossen sich auf die Fahrbahn und flossen in die Kanäle. 15.000 Liter Treibstoff blieben im Wrack zurück.

Pure Dramatik

„Es war sicher einer der dramatischesten Einsätze, die ich je in meiner Dienstzeit leiten und bewältigen musste“, erinnerte sich später der legendäre stellvertretende Branddirektor Franz Czejka (1926 bis 2015) im Gespräch mit dem KURIER zu seiner Pensionierung Ende 1986. „Unmittelbar neben der Unfallstelle befand sich damals die Zündholzfabrik „Solo“, rund 50 Meter weiter eine „Aral“-Tankstelle, dann ein großes Wohnhaus und wieder rund 100 Meter weiter eine „Mobil“-Tankstelle an der Kreuzung Unionstraße-Hanuschstraße. Wenn das Benzin explodiert wäre, hätte sicher der ganze Straßenzug samt den Tankstellen in Flammen gestanden und es hätte vermutlich Dutzende bis Hunderte Tote gegeben.“

Denn: Nicht nur das Benzin war das Problem, in der Zündholzfabrik waren hochexplosive Chemikalien gelagert und zusätzlich befanden sich damals in der Unionstraße viele Erdgasleitungen, die die Wohnhäuser versorgten. Doch die Bewohner der Unionstraße hatten unvorstellbares Glück. Der Treibstoff explodierte nicht, der Linzer Berufsfeuerwehr unter Einsatzleiter Czejka gelang es, durch einen massiven Einsatz von Löschschaum die akute Gefahr zunächst zu bannen. Bereits Minuten nach Einsatzbeginn wurde erstmals der Katastropheneinsatzplan der Stadt Linz, der eigentlich für Hochwasseralarme vorgesehen war, in Kraft gesetzt.

Doch es ergaben sich weiterhin große Probleme, an die die Verantwortlichen der Stadt Linz damals zunächst nicht gedacht hatten. Die Linzer Berufsfeuerwehr verfügte zu dieser Zeit über kein eigenes Kranfahrzeug. Ein privater Unternehmer musste ersucht werden, dieses zur Verfügung zu stellen. Erst mit dem privaten Kran gelang es Stunden nach dem Unfall, das umgestürzte Fahrzeug zu heben und die im Wrack verbliebenen 15.000 Liter Superbenzin in ein ebenfalls privat zur Verfügung gestelltes Tankfahrzeug umzupumpen. Im Bereich der Unglücksstelle musste auch Erdreich bis zu einer Tiefe von zweieinhalb Metern abgegraben werden, in das das Benzin eingesickert war.

Hunderte Schaulustige

Nicht nur die Berufsfeuerwehr, auch die Polizei und das Rote Kreuz mussten zu dem Einsatz mit einem Großaufgebot ausrücken. Der lebensgefährlich verletzte Unfalllenker wurde ins Spital gebracht, die Unionstraße war bis Samstagnachmittag gesperrt und Hunderte Schaulustige mussten seit den Morgenstunden von der Polizei zurückgehalten werden. „Es war ein Wahnsinn, manche Zuschauer hatten sogar auf der Westbrücke zu rauchen versucht“, waren Polizisten und Feuerwehrmänner entsetzt. Übrigens: Seit dem Unglück 1970 hat die Linzer Berufsfeuerwehr ein eigenes Kranfahrzeug.

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