© Andreas Buchberger

NS-Zeit
10/25/2013

Stollen der Erinnerung in Steyr

Ein neues Museum im Stollen unter dem Schloss Lamberg ist dem Gedenken an die NS-Zwangsarbeiter gewidmet.

von Christoph Weiermair

Im Herbst 1943 trieben Zwangsarbeiter einen 140 Meter langen, hufeisenf√∂rmigen Stollen in die Konglomeratwand unter dem Schloss Lamberg im Zentrum von Steyr. Die Anlage diente der Bev√∂lkerung in den letzten Kriegsjahren als Luftschutzbunker. 70 Jahre sp√§ter ist der Luftschutzbunker zu einem Ort der Erinnerung an die Schicksale der Zwangsarbeiter geworden und zu einem Mahnmal f√ľr die Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus, die auch in der Industriestadt Steyr allgegenw√§rtig waren.

Am Freitag wurde die von Bernhard Denkinger gestaltete Schau mit einer Feier im Museum Arbeitswelt er√∂ffnet. Interessierte konnten danach erstmals die Ausstellung im Stollen besichtigen. Sie vereint Fotos, Dokumente, Zeichnungen, Originalgegenst√§nde und Zeitzeugenberichte aus den Jahren 1938 bis 1945. ‚ÄěDer Stollen ist ein sehr authentischer Ort, weil er von Zwangsarbeitern errichtet wurde‚Äú, sagt Karl Ramsmaier, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Steyr. In der Enge und K√§lte des ehemaligen Bunkers k√∂nne man jetzt Aspekte der NS-Zeit Revue passieren lassen, die lange unsichtbar waren.

300 kamen ums Leben

Ramsmaier kam im Jahr 2003 die Idee f√ľr das Museum im Inneren der Konglomeratwand an der Steyr. In den vergangen Jahren stellte er die Ausstellung mit seinen Mitstreitern vom Mauthausen-Komitee zusammen. Die Recherche befasste sich eingehend mit dem Schicksal der Tausenden Zwangsarbeiter, die in Steyr gezielt in der R√ľstungsindustrie eingesetzt wurden. Vom 14. M√§rz 1942 bis zum 5. Mai bestand im Stadtteil M√ľnichholz ein Nebenlager des KZ Mauthausen. Au√üer republikanischen Spaniern befanden sich dort sowjetische, polnische, jugoslawische, franz√∂sische und ab Herbst 1944 auch j√ľdische Gefangenen. Sie wurden als Zwangsarbeiter bei der Produktion von Flugzeugmotoren und W√§lzlagern sowie beim Bau von Stra√üen, Fabriken und Luftschutzstollen eingesetzt. Mindestens 300 kamen dabei ums Leben.

Im April 1945, knapp vor Kriegsende, stieg die Zahl der Zwangsarbeiter in Steyr auf √ľber 3000. Sie wurden von Ost√∂sterreich √ľber Mauthausen in die Stadt getrieben ‚Äď viele von ihnen sollten den Tag der Befreiung am 5

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