Chronik | Oberösterreich
19.08.2017

Sturmnacht in OÖ: Zwei Menschen starben bei Einsturz von Festzelt

Ein schwerer Sturm brachte das Festzelt des Frauscherecker Zeltfestes in St. Johann am Walde zum Einsturz. Zwei Menschen starben, 120 wurden verletzt - 20 von ihnen schwer. 150.000 Oberösterreicher waren ohne Strom.

Das Zeltfest in St. Johann am Walde (Bezirk Braunau am Inn) endete in der Nacht auf Samstag in einer Katastrophe. Durch starke Winde stürzte das Festzelt ein - und begrub Hunderte Besucher unter sich. Ein 28-jähriger Einheimischer und eine 19-jährige Studentin aus Rumänien wurden von Gerüstteilen getroffen und getötet.

20 Menschen wurden schwer verletzt, zwei von ihnen schweben zur Stunde noch in Lebensgefahr. Bis Samstagmittag mussten insgesamt 120 Menschen medizinisch versorgt werden.

Die Identität der getöteten jungen Frau war in den ersten Stunden des Unglücks ungewiss. Mittlerweile wurde das Mädchen von ihren Eltern identifiziert.

Bilder vom eingestürzten Festzelt in Oberösterreich

1/9

Als der Sturm ausbrach sollen rund 700 Besucher im Zelt gewesen. Die "Oberösterreichischen Nachrichten" berichteten gar von 1.000 Besuchern beim Frauscherecker Zeltfest.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund des Großschadensfalles mit den vielen Verletzten löste das Rote Kreuz Katastrophenalarm aus. Die Rettung war mit 150 Mitarbeitern vor Ort. Für Angehörige wurde um 5.00 Uhr seitens des Rettungsdienstes unter der Nummer 0732/7644644 eine Telefonhotline eingerichtet. Fünf Mitarbeiter wurden vorerst zur Betreuung abgestellt. "Bis 9.00 Uhr hatten sich 20 Anrufer gemeldet", teilte Christine Widmann vom Landesrettungskommando mit.

Der Unglücksort wurde auf Anweisung der Staatsanwaltschaft gesperrt. Diese hat die Ermittlungen mittlerweile übernommen.

"Es ist einfach nur traurig und unfassbar"

Das Unglück sorgte auch in der oberösterreichischen Landespolitik für Entsetzen. "Es ist einfach nur traurig und unfassbar, wenn Menschen durch die Gewalt der Natur so brutal aus dem Leben gerissen und so viele weitere zum Teil schwer verletzt werden", meinte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) in einer Presseaussendung. SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer drückte den Hinterbliebenen ebenfalls ihre Kondolenzwünsche aus. "Den vielen Verletzten und Schwerverletzten wünschen wir nur das Beste", so Gerstorfer.

Die schweren Unwetter hielten die Einsatzkräfte in ganz Westösterreich auf Trab. Der Sturm, der an der Messstelle Reichersberg eine Windspitze von 126 Stundenkilometern erreicht hatte, führte zu großflächigen Unterbrechungen der Energieversorgung. Bis zu 150.000 Haushalte waren in Oberösterreich vorübergehend ohne Strom. In Bad Ischl (Bezirk Gmunden) wurde ein Zirkus-Zelt davongerissen, die darunter untergebrachten Tiere flüchteten und irrten im Ort umher. Nach einiger Zeit konnten die Ziegen und Ponys wieder eingefangen werden.

Im gesamten Salzkammergut wurden etliche Bäume vom Sturm geknickt. Im Weißenbachtal kollidierte ein mit fünf Insassen besetzter Pkw mit einem umgefallenen Baum. Die Beteiligten kamen laut Feuerwehr mit dem Schrecken davon.

Drei Verletzte in Salzburg

In der Stadt Salzburg wurden insgesamt drei Menschen verletzt. In der Altstadt lösten sich Gerüstteile, zwei Frauen wurden von Trümmern getroffen. Sie erlitten Rissquetschwunden im Gesicht. Im Stadtteil Wals wurde eine Plexiglasscheibe auf die Westautobahn geweht. Diese durchschlug die Windschutzscheibe eines Pkw. Der 19-jährige Lenker konnte sein Fahrzeug am Pannenstreifen anhalten. Die Splitter fügten ihm Verletzungen an beiden Augen zu.

Im Flachgau und Tennengau mussten umgestürzte Bäume von Straßen, Häusern und Autos entfernt und zahlreiche Dächer provisorisch abgedichtet werden. Nicht weniger als 364 Einsätze verzeichnete das Landesfeuerwehrkommando.

Probleme bei Zugsverkehr

Die Unwetterschäden sorgten für gröbere Verkehrsbehinderungen. Besonders betroffen war der Zugverkehr. Die Korridorstrecke zwischen Salzburg und Kufstein war wegen umgestürzter Bäume unterbrochen. Die Sperre wird voraussichtlich bis Sonntagvormittag andauern, teilten die ÖBB mit. Korridorzüge auf der Westbahnstrecke werden bis dahin über Zell am See umgeleitet, wodurch sich Verspätungen von bis zu 90 Minuten ergeben. Für Reisende von und nach München wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Salzburg und Rosenheim eingerichtet.

Vorübergehend eingestellt wurde auch der Zugsverkehr auf der Verbindung Schärding-Passau in Oberösterreich sowie die Strecke Ehrwald - Griesen auf der Außerfernerbahn in Tirol. Bereits am Freitagabend war im Tiroler Unterland eine Garnitur eines Regionalzugs evakuiert worden, nachdem eine Sturmböe diese bei Münster beschädigt hatte. In Kramsach krachte ein geknickter Baum auf die Stromleitung und einen darunter abgestellten leeren Linienbus.

In Vorarlberg war laut Polizei vor allem der Großraum Bludenz vom Unwetter betroffen. Ein Baugerüst musste noch während des tobenden Gewitters abgebaut werden, da es auf die Straße zu stürzen drohte. In Bürs verlegten zahlreiche Bäume die Brandnerstraße, die für Aufräumarbeiten vorübergehend unpassierbar war. Zudem wurden Baustellenzäune auf die Fahrbahn geweht.