Chronik | Oberösterreich
28.10.2018

Sozialer Tod durch das Internet

Internetsucht. Primar Kurosch Yazdi sagt, der Mensch braucht ein reales Gegenüber für das soziale Lernen

„Soziale Kompetenz (Umgang mit Mitmenschen) ist online nicht erlernbar. Daran ändern auch gut aufbereitete Inhalte nichts. Es kann schon Sinn machen, das Internet einzusetzen, aber es wird uns die Verantwortung nicht abnehmen.“ Primar Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin am Linzer Kepler Universitätsklinikum, steht dem Internet skeptisch gegenüber. Im Bildungshaus St. Magdalena sprach er über Gefahren, die zu intensive Internetnutzung birgt.

Die kulturelle Kluft zwischen Internetgeneration und Nicht-Internetgeneration sei meistens größer wie jene zwischen Inländern und Ausländern. Man spreche auch von der „Heads down Society“, einer Gesellschaft, in der es alltäglich ist, auf das Display eines Geräts zu schauen. In manchen Städten werde bereits auf Verkehrsschilder vor solchen Nutzern gewarnt. „Ein Problem des Internets ist, dass man sich in der Zeit verliert“, ob man spielt, netzwerkt oder eine Anleitung auf Youtube sucht, statt jemanden persönlich zu fragen. Übermäßiger Konsum sei bereits die erste Stufe zur Sucht und zur Einsamkeit, die oft nicht als solche wahr genommen werde.

„Sucht medizinisch definiert heißt, abhängig zu sein. Ich muss es tun, sonst geht’s mir schlecht“, sagt er. „Es gilt, zwischen einer Suchterkrankung mit Entzugserscheinungen und schädlichem Gebrauch zu unterscheiden.“ Bei schädlichem Gebrauch vernachlässige man etwas, was zu kurzfristigen Problemen führe, zum Beispiel, wenn ein Schüler zu viele Youtube-Videos schaut, statt zu lernen. Die Internetsucht reihe sich neben der Glücksspielsucht und sonstigen Verhaltenssüchten ein.

Durch Soziale Medien entstehe oft die Angst, etwas zu verpassen, wenn man kurz offline ist. „Meist sind junge Frauen betroffen.“ Nicht selten stellen sie sich in der Nacht jede Stunde den Wecker und kommen nicht mehr in eine Tiefschlafphase. Die Sucht nach Online-Spielen betreffe meist junge Männer. Alles dreht sich um Rollenspiele wie „ World of Warcraft“, Ego-Shooter-Spiele wie „Counter-Strike“ und Strategiespiele. Eine weitere Gefahr sei schul- und ortsunabhängiges Mobbing im Internet.