Das Leben ist ein Irrgarten

Seppy mit den Glühwürmchen im Labyrinth
Manchmal hilft dir jemand, deinen Weg wiederzufinden, erklärt die Omama dem Seppy

von Christa Koinig

Wenn das Wetter schön ist, unternehmen Omama, Kasperl und ich gern Ausflüge. Wenn’s regnet, spielen wir daheim Brettspiele wie „Puppe, ärgere dich nicht“ oder „Labyrinth“. Neulich haben wir den Botanischen Garten besucht. Da hab ich einen Pfeil entdeckt mit der Aufschrift „Hier geht’s zum Labyrinth“. Das hat mich neugierig gemacht, weil ich das ja nur als Spiel kenne. Ich bin dem Pfeil nachgegangen und war plötzlich mitten in einem Irrgarten aus lauter Hecken, Sträuchern und mit Efeu bewachsenen Bäumen. Vogerl haben gezwitschert, es war richtig romantisch. Man konnte sich auch nicht verirren, weil überall Tafeln waren mit der Aufschrift „Hier geht’s weiter“. Es war echt spannend.

Auf der Suche nach der Prinzessin

Ich habe mir vorgestellt, ich bin ein Prinz und irgendwo in diesem Wundergarten wartet die Prinzessin auf mich. Die hab’ ich natürlich nicht gefunden, und aus dem Irrgarten hab’ ich dann auch nicht mehr hinausgefunden. Es war nämlich mittlerweile dunkel geworden und ich konnte die Wegweiser nicht mehr sehen. Auch die Vogerl hatten aufgehört zu zwitschern, es war ganz still. Rund um mich wurde es immer finsterer, da war ich fast ein bisserl verzweifelt. Auf einmal hab’ ich ein kleines Licht gesehen, dann noch eines, und dann ganz viele. Es waren kleine Glühwürmchen, die mir den richtigen Weg gezeigt haben, und so konnte ich diesem Wirrwarr wieder entkommen. Ziemlich glücklich bin ich Omama um den Hals gefallen und sie hat zu mir gesagt: „Das ganze Leben ist ein Irrgarten. Wenn du manchmal nicht weiter weißt und es hilft dir jemand, deinen Weg wiederzufinden, dann hast du Glück, großes Glück!“

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters

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