Chronik | Oberösterreich
25.03.2018

Reisen in den Osten belasten stärker

Das vegetative Nervensystem reagiert weniger stark bei Reisen in den Westen

Müdigkeit, die einher geht mit Gereiztheit, Probleme mit dem Kreislauf, mit der Verdauung und mit der Konzentration: „Das Phänomen des Jetlags stellt eine Belastung des vegetativen Nervensystems dar und kann all diese Symptome auslösen“, sagt Medizinalrat Wolfgang Ziegler, praktischer Arzt in Kremsmünster, im Gespräch mit dem KURIER.

Zeitzonen als Problem

Zeitverschiebungen spürt man in den meisten Fällen. Sie äußern sich in vegetativen Störungen. Betroffen sein können der Kreislauf und die Verdauung“, meint er. Je größer die Zeitverschiebung, umso schlimmer können die Beschwerden werden. Reisen Richtung Osten sind laut dem Allgemeinmediziner problematischer als Reisen in den Westen, die unserem Biorhythmus tendenziell mehr entgegen kommen. „Wenn man Richtung Westen verreist, ist davon auszugehen, dass die Beschwerden nach der Heimreise schlimmer sind und umgekehrt.“

24-Stunden-Rhythmus

Primar Christoph Röper, Neurologe und Schlafmediziner, leitet das Department für Akutgeriatrie und Remobilisation am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Er meint: „Wir Menschen unterliegen einer Biorhythmik. Unser Tag-Nacht-Rhythmus ist auf 24 Stunden eingestellt. Wir tendieren jedoch eher zu 25 Stunden als zu einer geringeren Anzahl.“ Jede äußere Umstellung habe Auswirkungen auf den menschlichen Körper im Allgemeinen und auf den Tag-Nacht-Rhythmus im Speziellen.

„Normalerweise spürt man diesen Einfluss auf die Chronobiologie erst bei längeren Flügen, wo man mehrere Stunden Zeitverschiebung hat“, meint er. Aber auch eine kleinere Umstellung wie aktuell von der Winter- oder Normalzeit auf die Sommerzeit könne Beschwerden auslösen. „Es dauert meist mehrere Stunden bis einige Tage, bis sich der Körper umgestellt hat.“ Wer seinem Körper die Synchronisierung etwas erleichtern will, könne bereits im Vorfeld der Umstellung etwas tun. Als Beispiel nennt Röper die Möglichkeit, einige Tage lang 15 bis 20 Minuten früher ins Bett zu gehen, um den Takt an den neuen Rhythmus zu gewöhnen.

Stressreduktion

Was man laut Ziegler tun kann, ist, Entspannungs- und Ruhezeiten einzuplanen und den Körper an den Reisetagen nicht zu sehr zu belasten. Das gelte sowohl für Belastung durch körperliche Anstrengung, als auch durch ungesundes oder schwer verdauliches Essen.

Er meint, „gut wäre, Freizeit beziehungsweise freie Zeit im Ausmaß der Zeitumstellung zu planen und auf Termine zu verzichten“. Das gelte sowohl für die Zeit nach dem Flug am Urlaubsort, als auch für die Zeit nach der Rückkehr nach Hause. Ihm sei jedoch klar, dass es selten möglich ist, nach jeder Reise ein bis zwei Tage Urlaub zu nehmen. Eine möglichst große Stress- und Belastungsreduktion sei daher empfehlenswert.

Frauen betroffen

„Von körperlichen Beschwerden betroffen sind vor allem und häufiger Menschen, die ohnehin sensibel auf Umstellungen in der Natur reagieren. Das sind zum Beispiel wetterfühlige Personen.“ Grundsätzlich gebe es mehr Frauen als Männer, die sensibler auf vegetative Veränderungen reagieren. Insofern liege die Vermutung nahe, dass auch Frauen häufiger von Auswirkungen eines Jetlags betroffen sind.

„Auch Kinder spüren diese Umstellungen mehr“, meint Ziegler. „Vor allem, wenn die Kinder in einem Alter sind, wo sie in die Schule gehen, sollte man früher von einer Reise zurückkehren als am Vorabend des nächsten Schultages.“

Alter spielt große Rolle

Kleine Kinder würden sich schneller umstellen. Sie schlafen laut Ziegler meist um diese Zeitspanne mehr.

Das Alter spiele beim Jetlag laut beiden Medizinern grundsätzlich eine bedeutsame Rolle. Ziegler sagt: „Mit zunehmendem Alter braucht man länger, um sich umzustellen.“ Je älter die Menschen werden, umso eher kommt man laut Röper aus dem Takt. Ziegler meint, hinzu komme eventuell eine persönliche Veranlagung durch andere Hintergründe, die es zu beachten gilt.

Gute Reisevorbereitung

Wichtig sei, die Zeitverschiebung zum Beispiel auch bei der Einnahme von Tabletten oder bei der Insulingabe bei Diabetikern zu beachten. „Auch in Hinblick darauf sollte man sich gut auf eine Reise vorbereiten“, meint Ziegler. „Das ist besonders bei einer größeren Zeitverschiebung im Ausmaß von in etwa sechs Stunden zu beachten.“