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Chronik Oberösterreich
03/26/2019

Prozess: Bank-Schließfächer mittels Darknet-Anleitung geknackt

Ein 31-Jähriger soll dabei mehr als 1,13 Millionen Euro Beute gemacht haben. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Nach Einbrüchen in Schließfächer zweier Banken in Graz und Linz ist am Dienstag ein 31-Jähriger in Linz vor Gericht gestanden. Die Anklage wirft ihm vor, mehr als 1,13 Millionen Euro Beute gemacht zu haben. Er war nur teilweise geständig. Vor allem die Höhe der Beute bestritt er. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Der 31-jährige israelisch-kanadische Doppelstaatsbürger mit Wohnsitz in der Ukraine schilderte, auf welche Weise er die Taten verübt habe: Im Darknet gebe es von einem Unbekannten alle Informationen, wie welche Schließfächer in welchen Banken geknackt werden können. Nach der erfolgreichen Tat seien 25 Prozent der Beute an den Tipp-Geber abzuliefern.

Tarn-Identität

Weiters seien gefälschte Pässe für Tarn-Identitäten notwendig, die ebenfalls im Darknet gegen Kryptowährung im Wert von jeweils 2.500 Euro zu bestellen sind. Damit kann bei den Ämtern eine Meldebestätigung erlangt werden. Mit dieser und dem Pass ist die Anmietung von Schließfächern in Banktresoren und auch der Zutritt dorthin möglich. Bei einem unbegleiteten Aufenthalt könnten leicht mit einem oder zwei Schraubenziehern Schließfächer von anderen Besitzern geknackt werden.

Der Angeklagte gab zu, auf diese Weise am 31. August 2017 in einer Bank in Graz elf Schließfächer aufgebrochen zu haben. Doch er hatte Pech: Sie waren leer. Er versuchte es erneut am 28. März 2018 in Linz. Seinen Angaben zufolge hat er vier Schließfächer aufgebrochen und dabei 50.000 Euro in bar sowie Gold und Schmuck erbeutet. Diese habe er auf dem Rückweg in die Ukraine in Budapest verkauft und dafür 28.600 Euro bekommen.

Die Anklage warf ihm hingegen vor, sieben Schließfächer geknackt zu haben. In einem waren nach Kundenangaben Goldbarren und -münzen mit einem Gewicht von 28 Kilogramm im Wert von 984.000 Euro. Das bestreitet der 31-Jährige, von den ihm zur Last gelegten weiteren Fächern seien zwei - darunter jenes mit dem vielen Gold - schon offen gewesen. Deswegen sei er überzeugt gewesen, dass sie leer seien. Aufgeflogen ist die Sache erst später, weil es eine Warnung vor Safeknackern gegeben habe, die mit heimlich installierten Kameras die Kunden und ihren Depotinhalt ausspähen würden und der Tresorraum genau kontrolliert würde. Dabei wurde der Diebstahl entdeckt.

Rucksack-Test

Sein Verteidiger Normann Hofstätter brachte zwei Rucksäcke in den Gerichtssaal mit, von denen er einen mit 24 Kilogramm Silberbarren füllte. Denn der Angeklagte wurde von den Überwachungskameras beim Betreten mit einem eher leeren und beim Hinausgehen mit einem gefüllten Rucksack aufgenommen. Der Anwalt wollte beweisen, dass der Angeklagte gar nicht so viel Gold davontragen hätte können. Die Richterin, ihre Beisitzerin und die Staatsanwältin versuchten das selbst und erbrachten den Gegenbeweis.

Zum Motiv sagte der Angeklagte aus, sein Bruder brauche eine Nierentransplantation - das koste 250.000 US-Dollar (220.750,55 Euro). Die Beute sei aber weg, er habe sie verjubelt. Sein Bruder sei deswegen wütend, und es tue ihm sehr leid.

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