Chronik | Oberösterreich
11.03.2018

Pollenallergie kann zu Asthma führen

Laut Ärztin Angelika Reitböck geht jede vierte unbehandelte Pollenallergie in allergisches Asthma über.

Auf die vergangene Kältewelle mit Dauerfrost folgt nun frühlingshaftes Wetter. Laut Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik und des Wetterdienstes Ubimet ist mit Temperaturen zwischen zehn und 18 Grad zu rechnen. Das bedeutet, dass sich Pollenallergiker spätestens jetzt auf eine verstärkte Belastung einstellen müssen, sofern sie es nicht schon gespürt haben.

Angelika Reitböck, Referentin für Vorsorge- und Gesundheitsmanagement der Ärztekammer für Oberösterreich, rät in jedem Fall zu einer ärztlichen Beratung. "Es soll unbedingt verhindert werden, dass sich die Allergie von Augen oder Nase auf die Lunge niederschlägt und in ein allergisches Asthma übergeht." Ohne Behandlung sei dies bei jedem vierten Betroffenen der Fall.

Allergie erkennen

"Die Blütenentwicklung schreitet mit den wärmeren Temperaturen voran, jetzt beginnt die Hauptphase der Pollensaison", sagt Roland Schmidt, Leiter des Pollenwarndienstes in Oberösterreich, im Gespräch mit dem KURIER.

Laut Reitböck ist es in dieser Jahreszeit oft unklar, ob es sich bei Schnupfen in Kombination mit Müdigkeit und Niesen um Symptome einer Allergie oder einer Erkältung handelt. Wenn die Symptome sehr rasch und über Wochen auftreten und mit Juckreiz im Bereich der Augen und der Nase einhergehen, oft kombiniert mit häufigem Niesen, könne man von einer Allergie ausgehen. Typisch sei eine Verschlechterung der Symptome bei Schönwetter und eine Verbesserung bei Schlechtwetter.

Ein Hauttest bei einem Facharzt für Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Lungenkrankheiten könne für Klarheit sorgen. Durch Augentropfen, Nasensprays und Tabletten sei es möglich, Entzündungen zu reduzieren.

Die Entstehung von Allergien ist laut Reitböck keine Frage des Alters. Der Vorgang dabei ist simpel: Ein Allergen, das können Pollen oder auch Hausstaubmilben sein, treffen auf Schleimhäute wie Augen, Nase oder Bronchien. Diese würden es als Feind erkennen. Der Körper reagiert mit der Entwicklung von Antikörper dagegen. "Beim nächsten Kontakt mit aktivieren diese Antikörper das Abwehrsystem und produzieren die typischen Symptome", sagt Reitböck.

Umgebung beeinflusst

In Industrieländern gebe es vermehrt Allergien. Die genauen Hintergründe seien nicht immer klar. Nachgewiesen seien jedoch zumindest fünf Tatsachen: "Je mehr Familienmitglieder an einer Allergie leiden, umso höher ist das Risiko für die Kinder, auch an einer Allergie zu erkranken." Das Aufwachsen auf einem Bauernhof verringere das Allergie-Risiko. Besonders dürfte dies der Fall sein, wenn dort auch Kühe leben. "Wenn man sich während der Schwangerschaft in einem Stall aufhält, sinkt das Risiko für das Ungeborene, später an Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken", meint Reitböck. Zudem würden in ländlicher Umgebung wachsende Birken durch die geringere Abgas und Lärmbelastung weniger Allergenauslösende Pollen produzieren. Denn "mit Feinstaub verunreinigte Pollen sind viel stärker allergieauslösend".

Allergien vorbeugen könne man bereits durch das Stillen von Säuglingen. Besonders in den ersten vier Lebensmonaten sei das der Fall. So habe der Darm, das größte Immunorgan des Körpers, Zeit, sich auf die Allergene vorzubereiten. "Ab dem vierten Lebensmonat wird allerdings ein Zufüttern im Idealfall von selbst verarbeiteten frischen Lebensmitteln empfohlen."

Vorsicht bei Haustieren

Bei bestehender Allergiegefahr rät Reitböck von der Anschaffung von Katzen als Haustiere ab. "Sie erhöhen das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, besonders, wenn sie erst nach der Geburt des Kindes in den Haushalt kommen." Die These, dass Hunde Menschen vor einer Allergie schützen können, sei nicht bewiesen. Fakt sei jedoch, dass eine Allerallergie gegen Hundehaare die vierthäufigste Allergie sei, nach jener durch Pollen, Hausstaubmilben und Nahrungsmittel.

Reitböck meint, ein Probekuscheln könnte Klarheit bringen. Immerhin gebe es Hunderassen, die man trotz Hundehaarallergie vertragen könne. "Das ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich." Besonders Hunde mit lockigem Haar und geringer Unterwolle oder wenig sabbernde Hunde würden seltener Allergien auslösen.

Vermutet wird auch, dass zu viel Hygiene in der Küche und zu wenige natürliche Bakterien in Fertiggerichten das Immunsystem zu wenig fordern und Allergien begünstigen.