Liu Ja mit ihren Eltern und ihrer Tochter

© Privat

Tischtennis
04/12/2020

Pingpong auf dem Esstisch

Das Tischtennis-As Liu Jia blickt in Corona-Zeiten gebannt nach China und hat Olympia 2021 im Auge. Von Gerhard Marschall.

„Man baut schon ab, wenn man nicht richtig trainieren kann“, sagt Liu Jia. Die Tischtennis-Europameisterin von 2005 tritt wie alle Spitzensportler auf der Stelle. Bewegung, Training in der Gruppe, Matches – alles das vermisse sie. „Wir spielen daheim zum Spaß auf dem Esstisch. Man bekommt ein bisschen Ballgefühl, aber von Leistung kann man da nicht sprechen“, sagt sie und lacht. Wichtiger als der sportlicher Erfolg sei momentan jedoch, Covid-19 zu besiegen.

Normalität in Peking

Liu Jia weiß, wovon sie spricht. Ihre Eltern leben in Peking, ihrer Geburtsstadt. In China, von wo aus das Virus seinen globalen Feldzug angetreten hat, kehre wieder so etwas wie Normalität ein, berichten sie. Wenngleich es rigorose Kontrollen gebe. Schon beim Verlassen des Hauses sei das Tragen von Schutzmasken Pflicht. Auch müsse angegeben werden, wohin man gehe. „Im Supermarkt oder wo auch immer steht jemand und misst die Temperatur“, erzählt Liu. Zeigt jemand Symptome, wird Alarm geschlagen.

Eltern warnten sie

Die Eltern hätten sie schon früh davor gewarnt, dass das Corona-Virus nach Europa kommen werde. „Ich habe das unterschätzt“, gesteht sie. Umso mehr befolge sie jetzt ihre Ermahnungen: Immer Maske tragen, am besten brav zu Hause bleiben. Und ihre Eltern hoffen, „dass alle mitmachen, sonst funktioniert das nicht“.

Liu kam 1997 nach Österreich und wurde ein Jahr später eingebürgert. Die 38-Jährige ist dabei, ihre sportliche Karriere ausklingen zu lassen.

Höhepunkt Tokio 2021

Finaler Höhepunkt sollten die Olympischen Spiele in Tokio sein, für die sie sich mit der österreichischen Mannschaft qualifiziert hat. Seit Rio 2016 habe sie auf diesen Termin hingearbeitet: „Auf Wiedersehen Leistungssport.“ Doch im Leben komme eben oft etwas anders als geplant.

Die Verschiebung um ein Jahr hat sie nicht überrascht und somit auch nicht schockiert. „Für mein Alter ist das kein Vorteil“, sieht sie die neue Situation allerdings nüchtern. Eineinhalb Jahre seien im Spitzensport eine lange Zeit. Ihr Mann David Arvidson motivierte sie, ebenso Trainer David Sargsyan und das Team. Sie verspreche nichts, werde ihr Bestes geben, Monat für Monat darauf schauen, ob ihr Körper mitmache, die Leistung passe. Denn: „Ich möchte nicht als Touristin hinfahren, sondern will um eine Medaille mitspielen.“

Um den Olymp zu erklimmen, muss freilich alles passen und bleibt dennoch ein Rest Ungewissheit. Liu bringt es auf den Punkt: „Wenn alle drei im Team super drauf und zu 100 Prozent auf dem Gipfel sind, haben wir eventuell eine Chance.“

Beruflich bäckt Liu Jia momentan größere Brötchen als im Sport. Seit 2017 arbeitet sie für den „Kornspitz“-Erzeuger Backaldrin in Asten. „Ich bin die Kommunikationsbrücke zwischen Österreich und China“, sagt sie. Das Unternehmen unterhält in Guangzhou im Süden des Landes einen Produktionsbetrieb.

In China sehr populär

Tischtennis ist in China Nummer-1-Sport und öffnet ihr manche Tore. Ihre Popularität ist nach wie vor groß. Vor allem, dass sie in Rio Österreichs Fahnenträgerin war, hat viel Aufsehen erregt. Liu erzählt von ihrem letzten Besuch vor Weihnachten: „In Peking stehen in den Parks überall Tischtennistische. Ich bin beim Spaziergehen von den Menschen angesprochen worden, ob ich ein paar Bälle mit ihnen spiele.“

Wiedersehen

Sobald die Corona-Krise überwunden ist, hofft Liu ihre Eltern wiederzusehen: „Ich fühle mich gut, wenn sie hier sind und auf meine Tochter Anna aufpassen.“ Denn dann beginne wieder das intensive Training, ausgerichtet auf das letzte große Ziel: Olympia 2021 – ihre sechsten Spiele.

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