Perchten-Obmann aus Oberösterreich: „Rute gehört zum Krampus dazu“

Mehrere Perchten und Krampusse
Der 37-jährige Mühlviertler Rene Frühwirt ist Herr über 60 wilde Kramperl und Perchten. Sie bringen Faszination und Schrecken gleichzeitig.

Rene Frühwirt ist Gründer und Obmann der Mühlviertler Höllenteufeln. 2011 hat er bei null begonnen, mittlerweile zählt der Verein rund 60 Mitglieder – das jüngste ist 11, das älteste über 60 Jahre alt. Das Interesse steigt ständig. Im KURIER-Gespräch erklärt der 37-jährige Linien-Busfahrer aus St. Leonhard bei Freistadt, wie viel eine gute Maske kosten kann, was die Faszination des Brauchtums ausmacht und wann bei den Perchtenläufen Schluss mit lustig ist.

KURIER: Wann begann Ihre Begeisterung für den Perchtenlauf?

Rene Frühwirt: Mich hat das schon als kleiner Bub interessiert. In meinem Ort gab es das nicht, also hab ich 2011 mit meinen Freunden selbst einen Verein gegründet. Zwei von uns haben sich ein Perchtengewand gekauft und dann haben wir bei einem Freund daheim auf dem Bauernhof einen kleinen Kramperl-Umzug gemacht. Es waren alle so begeistert, dass wir weitergemacht haben.

Was ist der Unterschied zwischen einem Krampus und einem Percht?

Die Kramperl kommen Mitte November bis zur Sonnenwende. Sie haben die Rute mit, die bringt Fruchtbarkeit. Danach kommen die Perchten, die haben mehr Hörner und Felle. Sie treiben bis 6. Jänner mit Rossschwänzen die bösen Geister aus.

Wie viel kostet die Grundausstattung?

Ab 1.000 Euro geht es los mit den schönen Masken. Jeder muss sich die Ausrüstung selber kaufen, man kann die Sachen aber auch gebraucht besorgen, so sind sie günstiger.

Was sind die körperlichen Herausforderungen in der Montur?

Dass es schwer und sehr heiß da drinnen ist. Mit echten Hörnern hat so eine Larve (Maske, Anm.) leicht 13, 14 Kilo. Dann noch die Hose, ein Fell und die Rute. Wir haben einen Wagen, Stecken, Kugelkörbe und allerhand Ausstattung dabei. In voller Montur sind das sicher 20 Kilo.

Es ist also nie kalt?

Nein, wir sind froh, wenn es richtig kalt wird. Sonst schwitzen wir sehr.

Mann in schwarzer Jacke mit einer Perchtenmaske in der Hand

Rene Frühwirt, Gründer und Obmann der Mühlviertler Höllenteufel.

Was ist die Faszination am Perchtenlauf?

Hinter der Maske ist es faszinierend zu sehen, wie die Leute reagieren. Die Gemeinschaft beim Laufen und die Vorweihnachtszeit. Man hat eine Gaudi mit der Partie.

Gibt es Verhaltensregeln für die Mitglieder?

Vor dem Lauf haben wir immer eine Obmannbesprechung. Da werden Regeln festgelegt, zum Beispiel, dass man die Gitter der Absperrung stehenlassen muss oder nicht mit dem Bengalenfeuer über den Asphalt laufen darf. Nach diesen Kriterien planen wir dann unsere Show. Jeder weiß dann schon, worum es beim Lauf geht.

Immer wieder kommt es bei Perchtenläufen zu gewalttätigen Situationen, die eskalieren. Wie vermeiden Sie diese?

Wir sind ein kinderfreundlicher Verein, das Zudreschen gibt es bei uns nicht. Das wollte ich nie. Da ziehe ich richtige Konsequenzen, wenn so etwas passiert. Ich hatte ein Mal einen Fall, ich habe das selbst gesehen: Der Kollege hat einen Buben gedroschen, und die Mama dann auch noch. Das war ein No-Go für mich. Der Mann musste den Verein auf die Minute verlassen, ich hab ihn selbst hinausbegleitet. Wir haben auch Ordner mit, die mir im Anschluss sagen, ob sich jemand aufgeführt hat. War jemand zu grob? Was hat gepasst, was nicht? Das wird danach auch besprochen.

Wie sieht es mit Alkohol bei den Läufen aus?

Wir haben kein striktes Alkoholverbot, es kann jeder ein, zwei Bier trinken. Aber sobald einer alkoholisiert ist, ist er weg. Da bin ich streng.

Es passiert ja auch, dass Menschen aus dem Publikum die Perchten provozieren oder angreifen.

Das wird leider immer mehr. Da gibt es manchmal Jugendliche, die betrunken sind und dann meinen, sie ziehen einen Percht bei den Hörnern. Da greife ich auch ein, weil so kann man die Person hinter der Maske richtig verletzen, es kann zu Wirbelbrüchen kommen. Dabei sagen es die Sprecher immer vorher durch, dass man die Kramperl nicht angreifen soll.

Welche Gefahren gibt es noch beim Lauf?

Durch die Maske sehen wir sehr eingeschränkt, fast nichts, es ist finster. Eltern stellen ihre Kinder unten ans Gitter auf den Boden. Da kann viel passieren, das ist gefährlich. Wenn du vorne stehst, kann es auch passieren, dass du eine mit der Rute oder mit dem Rossschweif kriegst. Deshalb gibt es Kinderzonen.

Wie soll ein Percht reagieren, wenn er bemerkt, dass ein Kind weint oder Angst hat?

Wir schlagen mit den Kindern ein oder geben ihnen die Hand. Bei den Mutigeren schnappen wir uns die Hauben. Wenn ein Kind weint, drehen wir uns um und gehen. Es gibt aber auch Erwachsene, die sich arg fürchten. Da probieren wir es ein bisserl länger. Aber wenn wir bemerken, dass es keine Gaudi mehr ist, gehen wir genauso.

Ist die Rute noch zeitgemäß?

Im Brauchtum steht sie für Furchtbarkeit. Deswegen hat der Krampus die Rute immer mit dabei. Sie gehört zum Krampus dazu. Das ist kein Streichelzoo und kein Faschingsumzug, die Leute sollen schon wissen, dass es ein Krampus ist. Es soll der Respekt da sein. Aber alles mit Maß und Ziel. Da bin ich stolz darauf. Der Ruf der Mühlviertler Höllenteufeln ist schnell kaputt, wenn da ein paar dabei sind, die sich nicht im Griff haben.

Warum sind Jugendliche so begeistert dabei?

Unser jüngstes Mitglied ist 11 Jahre, eigentlich geht es ab 14 los. Die Jungen sind Feuer und Flamme, ihnen gefällt das Gemeinschaftsgefühl. Wir hatten heuer 15 Anfragen von Kindern, aber derzeit niemanden, der das übernehmen könnte. Vielleicht machen wir später mal eine Kindergruppe.

Wie oft sind die Mühlviertler Höllenteufel im Einsatz?

Wir haben 10 bis 15 Auftritte pro Saison bei Punschstandeln, Weihnachtsfeiern und Adventmärkten in ganz Oberösterreich. Wer uns privat buchen will, zahlt mindestens 300 Euro – je nach Aufwand, Ausstattung und Pyrotechnik.

Wie ist die Verteilung zwischen Männern und Frauen?

Bei uns ist das fast ausgeglichen. Nicht nur als Engerl, wir haben auch Hexen und weibliche Perchten. Bei uns kann jeder anfangen, dem das taugt.

Wie viel Zeit muss man für die Vereinsaktivitäten einplanen?

Nach der Jahreshauptversammlung im Februar gibt es meist noch eine Sitzung, danach ist länger Pause. Im September geht es wieder richtig los. Dazwischen haben wir ein paar gemeinsame Aktivitäten, wie ein Sonnwendfeuer oder einen Wandertag.

Ein Krampus mit Fell, Hörnern und einer furchteinflößenden Maske bei einem Umzug.

Die Feuershow und die Kostüme sind beeindruckend.

Wie groß ist der organisatorische Aufwand?

Es wird immer mehr, aber im Prinzip soll alles im Rahmen bleiben. Sonst wird es schwierig, dass ich Leute bekomme. Bei uns ist ja alles ehrenamtlich. Ich freue mich, dass so viele Leute aktiv sind.

Noch mal zur Ausrüstung: Man kann gebraucht kaufen, aber man kann auch sehr viel Geld ausgeben.

Es geht bei 1.000, 1.500 Euro los, aber nach oben hin ist alles offen. Es gibt Mitglieder, die haben Outfits um 5.000 Euro. Wir haben auch einen eigenen Maskenschnitzer in Braunau, der unsere Ideen umsetzt.

Wie funktioniert das?

Er fragt: Welche Hörner, welche Zähne, welcher Mundwinkel, welche Nase, welche Ohren? Man gibt die Wünsche bekannt, er schreibt mit. Da gibt es auch lustige Details: Meine Maske hat zum Beispiel ein Piercing in der Nase und im Ohr. Man kann auch eine Tschick im Mund haben. Es ist alles möglich.

Was ist bei den Masken nicht erlaubt?

Wir wollen nicht zu so viel Blut und nicht so viel Fleisch.

Es ist ja spannend, dass das Gruselige die Menschen anzieht.

Es ist vorrangig eine große Show, mit Feuer, Musik, Funken, Kostümen, wie eine Art Theaterstück. Das sind beeindruckende Bilder. Das Gruselige fasziniert die Menschen dabei einfach. Und die vorweihnachtliche Zeit. Wir hatten letztes Jahr alleine sieben Läufe in Freistadt und die Leute waren immer da. Jeder Verein überlegt sich etwas Besonderes, es ist auch eine Art Unterhaltung.

Sie sind der Obmann der Mühlviertler Höllenteufeln. Was begeistert Sie am meisten?

Damit das alles funktioniert, müssen alle zusammenhelfen, da ist jeder gefragt. Dieser Zusammenhalt ist unbezahlbar. Auf meine Mitglieder bin ich richtig stolz, alleine könnte ich das ja alles nicht machen.

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